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Untersteinach
Theater

"Buschklopfer" feiern Dreifach-Jubiläum zur neuen Premiere

35-20-5: Das sind quasi die Idealmaße der "Buschklopfer" kurz vor der Premiere des Stücks "Taxi, Taxi".
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So ein Doppelleben ist kein Ponyhof - am Ende gehen sich alle Gehörnten und Gelackmeierten an die Gurgel: die "Buschklopfer" mit (von links) Frank Walther, Silvia Canola-Haußner, Andrea Sack, Carolin Wagner und Peter Richter bei den Proben zu "Taxi, Taxi". Es fehlt Eberhard Einwag. Alle Termine finden sich unter www.buschklopfer.de.   Jochen Nützel
So ein Doppelleben ist kein Ponyhof - am Ende gehen sich alle Gehörnten und Gelackmeierten an die Gurgel: die "Buschklopfer" mit (von links) Frank Walther, Silvia Canola-Haußner, Andrea Sack, Carolin Wagner und Peter Richter bei den Proben zu "Taxi, Taxi". Es fehlt Eberhard Einwag. Alle Termine finden sich unter www.buschklopfer.de. Jochen Nützel

Die Bühne ist noch Behelfskonstrukt: Der vorgezogene Unterbau, der das Theatergeläuf auf die benötigte Tiefe vergrößert, ist unverkleidet und legt blanke Holzbalken frei; die Kulissenwände brauchen ein Facelift - und Tapeten. Das freilich hindert die Darsteller der "Buschklopfer" nicht, inmitten der Improvisation ihren Fetz zu haben bei den Proben für ein besonderes Stück. "Taxi, Taxi" ist die in britische Komödienform gegossene Warnung an alle, die meinen, ein Doppelleben mit zwei Ehefrauen in getrennten (Wohn-)Welten wahnwitzfrei wuppen zu können. Doch es ist mehr.

Genauer gesagt ein Tripple-Jubiläum: 35 Jahre haben die "Buschklopfer" auf der Rille (aus der "Ursuppe" schwimmen noch Cosima und Johannes Asen mit). Seit zwei Jahrzehnten stehen Frank Walther, Eberhard Einwag und Georg Mädl ihren Mann als Darsteller/Regisseur - und immerhin seit fünf Jahren haben die Theaterleute im "Kleinkunstbrettla" in Untersteinach eine Bleibe gefunden, nachdem es keine Zukunft im "Hupfer"-Saal in Ködnitz gab.

Für Georg Mädl bedeutet das Stück zum 20. Geburtstag zugleich einen Wechsel (zurück) auf den Regiestuhl. "Das ist meine achte Regiearbeit für die ,Buschklopfer'", sagt der 39-Jährige. Bei seiner "Taxi, Taxi"-Premiere 2000 mimte er einen schwulen Hausmitbewohner. "Diesmal wollte ich wieder zu 100 Prozent für die Kollegen da sein und nicht wieder, wie im vergangenen Jahr, Regie führen und gleichzeitig eine Rolle innehaben. Aber ich gebe zu, dass ich bisweilen neidisch bin auf die männlichen Darsteller. Manchmal denke ich: Hättest du doch beides vereinbart."

Und siehe da: Eine kurzfristig nötig gewordene Umbesetzung bringt es nun mit sich, dass Georg Mädl doch noch in den Genuss eines eigenen Auftritts kommt und er - wie vor 19 Jahren - in die Rolle des homosexuellen Mieters aus der Wohnung über der Hauptfigur des Bigamisten John Smith schlüpft.

Das Doppelgleisige, das Verquicken von Spielen und Anweisen, ist eine echte Herausforderung. "Wenn ich in meiner Rolle neben den anderen stehe, muss ich das Regieführen komplett ausblenden. Es kam schon vor, dass ich an den Lippen der Kollegen hing - und dabei meinen eigenen Einsatz verpasst habe."

Der Aufwand sei nicht zu unterschätzen, sagt er. "In einer solchen Produktion stecken jede Menge Schweiß und Fleiß. Das sind Pi mal Daumen 200 Stunden ehrenamtliches Engagement."

Stimulierender Energieaustausch

Aber der Spaß, das Gemeinschaftsgefühl, nicht zuletzt der Applaus des Publikums: Das alles ist es wert, sagt Georg Mädl. "Das Klischee von der großen Theaterfamilie stimmt schon. Es ist ein Energieaustausch zwischen den Leuten oben auf der Bühne und denen unten im Zuschauerraum."

Was unterscheidet die Produktion von der vor 19 Jahren? Regisseur Mädl hat sich zunächst nicht von der Vorversion "ablenken" lassen, wie er betont. "Erst als wir bei den Proben das erste Mal durch waren, habe ich mir erlaubt, mal in die die VHS-Kassette mit dem Mitschnitt von damals reinzuschauen. Ich wollte mein eigenes Ding machen."

Der zweite "Jubilar" im Bunde ist Frank Walther. "Taxi Taxi" war damals auch für ihn die abendfüllende Premiere als Ensemblemitglied. "Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, auch wenn es nur eine Nebenrolle war. Ich war höllisch nervös, es war schließlich meine erste große Theatererfahrung." Wie er sich seither verändert hat? Der Kulmbacher überlegt kurz. "Ich denke schon, dass ich mich durch das Schauspielern auch als Mensch verändert habe. Ich war schüchtern, mittlerweile bin ich selbstbewusster geworden und habe kein Problem mehr, vor Leuten zu reden. Das war beim ersten Auftritt noch was anderes."

Sprung vor die Kulisse

An jenem Premierenpunkt steht Peter Richter, der einen Nachbarn spielt. Ein Casting im Wortsinne gab es nicht. "Das war ein fließender Übergang. Ich habe beim Shakespeare-Stück ,Was ihr wollt' hinter den Kulissen mitgeholfen. Und dann wurde ich gleich gefragt, ob ich im Winter beim nächsten Stück mitmachen würde." Seine Erfahrungen als Schauspieler? "Puh, zuletzt habe ich das in der Grundschule gemacht. Es wird der Sprung ins kalte Wasser."

Inhalt "Taxi, Taxi" stammt aus der Feder des britischen Boulevardkomödien-Spezialisten Ray Cooney. Im Mittelpunkt steht John Smith (Frank Walther), ein ganz gewöhnlicher Typ ohne besondere Kennzeichen, aber mit einem Geheimnis: Der Taxifahrer ist glücklich verheiratet mit seiner Frau Mary (Silvia Canola-Haußner) - und mit seiner anderen Frau Barbara (Carolin Wagner)! Frei nach dem Motto "Doppelt leben hält besser" flitzt John zwischen seinen zwei Wohnungen in London und seinen beiden Frauen hin und her. Das erfordert ein ausgeklügeltes System und einen streng geführten Kalender. Unvorhergesehenes ist nicht vorgesehen und darf nicht passieren. Doch dann passiert es und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen und John nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. Premiere Den Auftakt feiern die "Buschklopfer" am Freitag, 20. Dezember, ab 20 Uhr im "Kleinkunstbrettla" in Untersteinach. Karten gibt es unter anderem in der BR-Geschäftsstelle im Kressenstein 2 sowie online unter www.okticket.de.

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