Burghaig
Bauvorhaben

Burghaig geht auf die Barrikaden

Bürger protestieren gegen modernen Neubau und kritisieren die Stadtratsentscheidung: "So ein Kasten passt nicht in die Dorfmitte."
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Mehr als 150 Burghaiger protestierten gestern gegen die Neubaupläne in der Theodor-Heublein-Straße 15. Das moderne Gebäude mit vier Stockwerken und Flachdach zerstöre das dörfliche Erscheinungsbild von Burghaig. Die Versammlung hatte der Burghaiger Ralf Kneitz (Dritter von links) organisiert. An der Diskussion beteiligten sich unter anderem (von links) Bauherr Maximilian Fießmann und Zweiter Bürgermeister Ralf Hartnack (WGK). Fotos: Stephan Tiroch
Mehr als 150 Burghaiger protestierten gestern gegen die Neubaupläne in der Theodor-Heublein-Straße 15. Das moderne Gebäude mit vier Stockwerken und Flachdach zerstöre das dörfliche Erscheinungsbild von Burghaig. Die Versammlung hatte der Burghaiger Ralf Kneitz (Dritter von links) organisiert. An der Diskussion beteiligten sich unter anderem (von links) Bauherr Maximilian Fießmann und Zweiter Bürgermeister Ralf Hartnack (WGK). Fotos: Stephan Tiroch
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Schon wieder bringt ein Bauprojekt in Kulmbach die Bürger auf die Barrikaden: erst das eckige Dach in der Oberen Stadt 18, der Abbruch der Backstein-Mälzerei in der Pestalozzistraße oder der "Schwanenhof" im Spiegel - und jetzt Burghaig. Das nasskalte Novemberwetter hielt über 150 Burghaiger nicht davon ab, gegen den Bau eines modernen Wohnhauses zu protestieren. Die Bürger machten ihrem Ärger Luft: "So ein Kasten passt nicht in die Dorfmitte."

Gemeint war damit das Bauvorhaben von Maximilian Fießmann in der Theodor-Heublein-Straße 15: Die Stadtratsmehrheit hatte das viergeschossige Gebäude mit elf Wohnungen - oben ein Penthouse mit Flachdach - auf einer ehemaligen Hofstelle gegenüber der Schule genehmigt. Nach Ansicht der Kritiker zerstört das Gebäude mit seiner städtischen Bauweise den Dorfcharakter.

Ralf Kneitz, der die Versammlung bei der Schule organisiert hatte, freute sich über so viel Zuspruch: "Sie, liebe Burghaiger, sind die Hauptpersonen. Sie zeigen Gesicht für unser Burghaig, wie wir es lieben." Außerdem begrüßte er mehrere Stadträte sowie den Bauherrn, der selbst in Burghaig wohnt.

Grundsätzlich, so Kneitz, sei es zu begrüßen, wenn Lücken bebaut werden. Aber nicht so. Das geplante Bauwerk passe nicht hierher. Burghaig sei dörflich geprägt, die Menschen seien traditionsbewusst, sagte er. Er appellierte an den Bauherrn, die Planung zu überdenken und an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. "Wir wollen, dass das Ortsbild Burghaigs erhalten bleibt", betonte er und bekam Applaus.

"Eine Schande"

"So was gehört nicht nach Alt-Burghaig. Es ist eine Schande", meinte Gabriele Walter. Erika Brose kritisierte den Stadtrat und sagte: "Wir fühlen uns übergangen. Das ist nicht in Ordnung." So eine Planung hätte der Stadtrat nicht genehmigen dürfen, sagte sie und übergab über 200 Unterschriften an Zweiten Bürgermeister Ralf Hartnack (WGK), der gestern den verreisten OB Henry Schramm (CSU) vertrat.

"Ich sehe, dass Sie sich nicht mit dem Gebäude identifizieren können", stellte Hartnack fest und erläuterte die Kriterien, wie man als Genehmigungsbehörde das Bauvorhaben beurteilen müsse. Da es im Innenbereich liegt und es keinen Bebauungsplan gibt, habe man sich daran zu orientieren, ob sich das Projekt nach Art und Maß in die Umgebung einfügt.

Dies hatte die Stadtratsmehrheit in der Oktober-Sitzung bejaht. Die Abstimmung ging damals so aus: Für den Antrag stimmten 7 CSU, 7 WGK, 1 SPD, 1 FDP und OB; dagegen waren: 7 SPD und 1 Grüne.

Gestaltung ist frei

Die abgebrochene Scheune hatte laut Hartnack eine Firsthöhe von 13,5 Meter, der Neubau knapp über 12 Meter. Die Grundfläche sei mit 300 Quadratmetern ein Drittel kleiner als bei der Scheune. Und mit 21 Stellplätzen würden zwei mehr als notwendig gebaut. Auf die Gestaltung könne die Stadt keinen Einfluss nehmen. Es sei eben so, dass die moderne Architektur mehr und mehr vom klassischen Satteldach abrückt.

Wenn man die Bauweise beeinflussen wolle, so Hartnack, bräuchte man eine Gestaltungssatzung. Zwischenruf: "Andere Städte machen das."

Der Einschätzung, dass das Projekt genehmigt werden musste, widersprach SPD-Stadtrat Matthias Meußgeyer aus Burghaig. Der Stadtrat hätte sehr wohl anders entscheiden könnten. Es sei eben schon eine politische Frage. Denn die Mehrheit von CSU und WGK habe das Projekt gewollt. Die SPD habe sich hingegen an der "scheußlichen Dachform" gestört.

Auch im Bauamt gab es laut Stadtrat Hans Werther (SPD) Bedenken. Die Verwaltungsvorlage in der Stadtratssitzung sei "sehr kritisch" gewesen. Man hätte herauslesen können, "dass dieses Gebäude hier nicht herpasst". Er sprach von einer Bausünde - wie das Hochhaus im Ängerlein, neben dem er selbst wohnt.

Die Gretchenfrage

Eine Frau aus der Versammlung gab Werther Recht und stellte die Gretchenfrage: "Hätte man so was auch in der Oberen Stadt oder im Kessel genehmigt?"

"Die Versammlung zeigt einmal mehr, wie unsensibel der Stadtrat mit den Bürgern umgeht", meinte Hagen Hartmann, der für die AfD als OB-Kandidat antritt.

SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender Ingo Lehmann, der bei der Kommunalwahl im März ebenfalls für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, appellierte an den Bauherren: Er solle die Dachform noch einmal überdenken oder auf ein Geschoss verzichten.

Antwort des Bauherrn

Die Antwort gab es gleich an Ort und Stelle. Denn Maximilian Fießmann stellte sich, unterstützt von seinen Eltern, dem Protest. Er habe für sein Projekt "mega-viel Zuspruch" erhalten, sagte er und erläuterte seine Vorstellungen. Bei der Planung habe er sich an der Höhe des Gebäudes in der Theodor-Heublein-Straße 18 orientiert. Er sei auch nicht, wie ihm vorgeworfen wird, auf Gewinnmaximierung aus. Er wolle barrierefreie Wohnungen an ältere Leute und an Familien vermieten.

Zur Dachform und zum modernen Baustil sagte Fießmann: Er wünsche sich, dass die Kritiker ein bisschen mehr mit der Zeit gehen. Lehmanns Appell fruchtete bei ihm nicht. "Ich halte mich an die Gesetze. Der Plan wurde genehmigt, und daran werde ich festhalten", so der Investor.

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