Himmelkron
Gewerbegebiet

Bund Naturschutz in Himmelkron: Signal gegen den Flächenfraß

Der Landesvorstand des Bund Naturschutz spricht sich in Himmelkron gegen ein neues Gewerbegebiet und gegen Flächenfraß aus.
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Symbolische Aktion gegen den Flächenfraß: Mit einer rund 250 Quadratmeter großen Folie machten die Mitglieder des Bund Naturschutz deutlich, wie viel Fläche innerhalb von nur drei Minuten in Bayern zugebaut wird.  Fotos: Katrin Geyer
Symbolische Aktion gegen den Flächenfraß: Mit einer rund 250 Quadratmeter großen Folie machten die Mitglieder des Bund Naturschutz deutlich, wie viel Fläche innerhalb von nur drei Minuten in Bayern zugebaut wird. Fotos: Katrin Geyer
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"Was hier geplant ist, ist ein Angriff auf die Lebensqualität der Einwohner. Ich hoffe, dass der Bürgerentscheid zugunsten von Landschaft und Landwirtschaft ausgeht."

Es waren deutliche Worte, die der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Richard Mergner, gestern Nachmittag in Himmelkron fand. Mergner, der derzeit gemeinsam mit seinem Vorstandsteam durch Oberfranken reist, um sich über Projekte zu informieren, die im positiven wie im negativen Sinne für den Naturschutz relevant sind, machte sich dort, wo die Gemeinde Himmelkron ein neues Gewerbegebiet errichten will, selbst ein Bild von der Situation und ließ sich von den Vertretern der Bürgerinitiative "Nein zum neuen Gewerbegebiet" über Details unterrichten.

Die Vorsitzende der BUND-Ortsgruppe und Sprecherin der Bürgerinitiative, Wilhelmine Denk, beklagte sich, dass man bei den Befürwortern des Gewerbegebietes "wie gegen eine Wand" rede. Es gebe durchaus Gemeinderäte, die gegen das Vorhaben seien. "Aber keiner traut sich, im Gemeinderat was zu sagen."

Der Vorsitzende der Kreisgruppe, Karlheinz Vollrath, verwies auf die Gefahr, dass die Gemeinde Himmelkron jegliche Einflussmöglichkeit verliere, wenn sie die Erschließung und Vermarktung des Gewerbegebietes in die Hände eines Investors gebe.

Himmelkron habe dazu jetzt schon große Verkehrsprobleme; durch den Pendlerverkehr komme es immer wieder zu Staus. Wenn sich nun eventuell noch ein Logistik-Unternehmen ansiedle - "das dritte im Ort" - werde sich die Verkehrssituation noch weiter verschlimmern.

Landesvorsitzender Mergner kritisierte, dass es im bestehenden Himmelkroner Gewerbegebiet schon jetzt einen unstrukturierten "Gewerbe-Brei" gebe. "Nun soll erneut die Axt an die Landschaft gelegt werden." Er sei der Ortsgruppe Himmelkron, der Kreisgruppe und der Bürgerinitiative dankbar, dass sie sich diesem Spekulationswahnsinn entgegenstemme, so Mergner.

An den bayerischen Minister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger richtete er den Appell, den Koalitionsvertrag ernst zu nehmen und dem Flächenfraß entgegenzusteuern. In der Pflicht sieht Mergner aber auch die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, die wissen müsste, dass es für ein solches Gewerbegebiet keinen Bedarf gibt, und die entsprechend Stellung nehmen müsse.

Und schließlich kritisierte der Landesvorsitzende auch den Vorsitzenden des oberfränkischen Bauernverbandes, Hermann Greif: "Man kann sich nicht in München an einen runden Tisch setzen und über Flächenschutz reden, und sich dann vor Ort nicht an die Seite des Naturschutzes stellen."

Mergners Stellvertreter Sebastian Schönauer, selbst ehemaliger Kommunalpolitiker, bezeichnete es als unverständlich, wie eine Gemeinde hier ohne konkrete Planung und ohne Eingriffsmöglichkeiten die Erschließung und Vermarktung einem Investor überlassen wolle. "Der Bürgermeister will sich hier womöglich ein Denkmal setzen - aber er nimmt unseren Enkeln die Zukunft."

Wie intensiv der Flächenfraß in Bayern tatsächlich ist, machten die Gäste aus dem Landesvorstand mit einer Aktion deutlich: Pro Minute werde in Bayern eine Fläche von 81 Quadratmetern verbaut. Eine 250 Quadratmeter große Folie, ausgerollt aus einer Wiese, sollte verdeutlichen, wie viel Grund dadurch in knapp drei Minuten verschwindet.

Offener Brief an den Minister

Auf Einladung der CSU und der FWG Himmelkron hatte der Ort in der letzten Woche hochrangigen Besuch: Der bayerische Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Hans Reichhart, informierte sich über die Verkehrsprobleme und über die Planung für eine Erweiterung des Gewerbegebietes.

Im Nachgang zu dem Besuch hat nun die Bürgerinitiative "Nein zum neuen Gewerbegebiet" in einem offenen Brief dem Minister ihre Sicht der Angelegenheit dargelegt.

In diesem offenen Brief heißt es wörtlich: "Wir, die Bürgerinitiative gegen das geplante Gewerbegebiet Himmelkron, wenden uns heute mit einem offenen Brief an Sie. Aus der Presse haben wir erfahren, dass Sie sich bei einem Ortstermin ein Bild über die aktuell völlig unbefriedigende Verkehrssituation in Himmelkron machen konnten. Leider wurden wir von unserem Bürgermeister, Herrn Schneider, zu diesem Termin nicht eingeladen.

Auch wir fordern eine nachhaltige Entschärfung der jetzigen Verkehrsproblematik, allerdings unabhängig vom Ausgang des Rats- und Bürgerbegehrens am 26. Mai 2019.

Unserer Meinung nach wäre es wesentlich einfacher, schneller und kostengünstiger, eine zufriedenstellende Verkehrslösung ohne das geplante neue Gewerbegebiet zu finden und zu realisieren. Die jetzige Situation ist mehr als unbefriedigend, ein "noch mehr" an Verkehr, Lärm, Lichtverschmutzung und Feinstaub ist den Bürger*innen nicht zuzumuten. Es ist dringend geboten, die Verkehrssituation bei ständig zunehmendem Verkehrsaufkommen hier in Himmelkron zu entschärfen.

Wir bitten Sie daher, in Ihrem Ministerium auch eine Lösung der oben genannten Verkehrsproblematik ohne das von der CSU/FWG-Fraktion favorisierte neue Gewerbegebiet auszuarbeiten."

Wie mehrfach berichtet, hat die Bürgerinitiative einen Bürgerentscheid auf den Weg gebracht, der für einen sofortigen Planungsstopp sorgen soll. Dem steht ein Ratsbegehren entgegen, mit dem sich die Gemeinde die Zustimmung holen will, weiterplanen und -verhandeln zu können. Die Abstimmung sowohl über das Rats- als auch über das Bürgerbegehren soll am Sonntag, 26. Mai, dem Tag der Europawahl, stattfinden.

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