Kulmbach
Natur

Bund Naturschutz fordert alle Kulmbacher auf: "Werdet aktiv!"

Die BN-Kreisgruppe Kulmbach verleiht den Umweltpreis an den "Grünwehrbeck" Ralf Groß und dessen Familie.
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Karl-Heinz Vollrath (rechts) und Katrin Geyer (Mitte) beglückwünschten auch die nächste Bäckergeneration Julius und Greta. Im Hintergrund die Umweltpreisträger Nicole Müller und Ralf Groß. Foto: Uschi Prawitz
Karl-Heinz Vollrath (rechts) und Katrin Geyer (Mitte) beglückwünschten auch die nächste Bäckergeneration Julius und Greta. Im Hintergrund die Umweltpreisträger Nicole Müller und Ralf Groß. Foto: Uschi Prawitz
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Sie engagieren sich für den Erhalt der Natur und der Artenvielfalt, sie organisieren Schulungen, Kinderaktionen und Zeltlager, sie retten Kröten, kämpfen gegen den Flächenfraß, setzen sich für umweltfreundliche Energie ein und haben Grenzwerte für Wasser und Luft im Blickfeld. Die Rede ist von den engagierten Mitgliedern des Bundes Naturschutz.

Lebensbedingungen werden schlechter

Die Kreisgruppe Kulmbach unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Vollrath blickte im Saal der Kommunbräu auf das vergangene Jahr zurück.

"Wir erlebten ein Jahr der Hitze und Trockenheit, aber auch der Überschwemmungen und Stürme", sagte der Vorsitzende. "Wir hinterlassen unseren Kindern und Enkeln eine Welt mit deutlich schlechteren Lebensbedingungen." Der Kohleausstieg sei beschlossen, aber erst bis 2038. Und noch immer gebe es keine Lösung für ein atomares Endlager.

"Der Flugverkehr steigt jährlich um fünf Prozent an und der Individualverkehr wird durch den Ausbau von Straßen immer weiter befördert." Man steuere auf einen Verkehrsinfarkt zu, in der Politik würden die Weichen falsch gestellt.

Jeder trägt Verantwortung

Da begrüßte Karl-Heinz Vollrath umso mehr, dass sich seit einigen Wochen die Jugend in der "Fridays for Future"-Bewegung organisiert. "Werdet aktiv!", lautete sein Aufruf an alle.

Diesen Aufruf griff der "Grünwehrbeck" Ralf Groß sogleich auf, indem er überzeugend kundtat: "Der Mensch ist dafür verantwortlich, dass es der Umwelt besser geht, wir alle sind das, nicht nur die Politik."

Er und seine ganze Familie wurden mit dem Umweltpreis der Kulmbacher BN-Ortsgruppe geehrt. Eine Auszeichnung, die Ralf Groß stellvertretend für alle kleinen Handwerksbäcker sah. Den Umweltpreis hat sich der "Grünwehrbeck" laut Laudatorin Katrin Geyer auch redlich verdient. Nicht nur, dass er trotz einer Geschäftsvergrößerung durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach 20 Prozent weniger Energie verbrauche. "Diese Bäckerei hat ein Faible für Regionalität, Qualität und auch noch eine ausgeprägte soziale Ader."

Mit dem Erlös aus verschiedenen Brotsorten hätten Ralf und Sebastian Groß in den letzten Jahren unter anderem den Amphibienschutz, einen Pfadfinder-Stamm, Kirchenrenovierungen oder den Paul-Gerhardt-Kindergarten unterstützt. "Der Grünwehrbeck bezieht seine Produkte aus der Region, selbst Haselnüsse kauft er von einem Betrieb in Oberbayern und nicht aus der Türkei", so Geyer.

Verbraucher gefragt

Dennoch sieht sich Ralf Groß wachsenden Problemen gegenüber. "Wir Kleinbäcker versorgen nur noch zehn Prozent der Kulmbacher Bevölkerung, der Rest kauft Backwaren, die unglaublich viel Energie brauchen." Früher habe es im Landkreis 160 Bäcker gegeben, es liege also durchaus am Verbraucher, sicherzustellen, dass die Brotversorgung auch in Zukunft gewährleistet ist.

Dritter Bürgermeister Frank Wilzok lobte die Qualität und das Engagement der Bäckerfamilie Groß und betonte ebenfalls: "Jeder ist aufgefordert, etwas für den Umweltschutz zu tun, wir müssen alle mal wieder geerdet werden."

Kritik am Stadtratsbeschluss

Von Vollrath auf den Stadtratsbeschluss gegen die Photovoltaikanlage in Grafendobrach angesprochen, verwies Wilzok auf einen Grundsatzbeschluss von 2009. "Aber natürlich müssen wir alternative Energien schaffen, niemand sagt, dass man in Zukunft nicht etwas anders machen kann."

Weitere Anregungen bekamen Frank Wilzok und stellvertretendez Landrat Dieter Schaar vom zweiten Vorsitzenden Roland Ramming mit auf den Weg. "Es wäre wichtig, den Flächennutzungsplan zu überdenken", sagte er angesichts des Mottos der Naturschützer für 2019 "Schafft lebenswerte Zukunft".

Dass der Landkreis in Sachen Umweltschutz bereits sehr aktiv ist, zeigte Dieter Schaar auf. "Wir geben Blumensamen aus, woraus sich Initiativen wie das ‚Kasendorfer Blütenmeer' oder die ‚Mainleuser Blumenwiesen' gebildet haben." Ein Schritt in die richtige Richtung, und dennoch gelte es laut Ramming, Zersiedelung und Versiegelung zu vermeiden. Auch sollte die Stadt in Sachen Baumpflanzung und Rückschnitt mit gutem Beispiel voran gehen.

Eichen statt Platanen

"Am Zentralparkplatz hätte man anstelle von Platanen, die für gerade einmal vier Insektenarten als Futter dienen, andere Bäume pflanzen können", nannte er als konkretes Beispiel. Von einer Eiche etwa hätten rund 250 Insektenarten etwas gehabt. In diesem Zuge wünschte sich die BN-Ortsgruppe, das Bürgerforum, das es schon einmal gegeben habe, wieder aufleben zu lassen. "Wir würden uns gerne daran beteiligen", schloss Karl-Heinz Vollrath.

In einem Kurzvortrag legte Ronja Endres, Referentin für politische Kommunikation, dar, wie wichtig die bevorstehende Europawahl auch für den Naturschutz sein wird, denn: "Umwelt kennt keine künstlich generierten Grenzen".

In der Landwirtschaft forderte sie öffentliche Gelder für öffentliche Leistung, nicht für Betriebsgröße.

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