Kulmbach
Plassenburg-Erschließung

Bringt Söder das Burg-Geschenk?

Die Plassenburg soll für den Individualverkehr besser erschlossen werden. Wie das gehen kann, soll ein Gutachten klären, das immer noch nicht vorliegt. Die Freunde der Plassenburg hoffen, dass Markus Söder das Ergebnis beim Bierfest präsentiert.
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Wie wird die Plassenburg verkehrstechnisch am besten erschlossen? Eine Frage, die ein unabhängiges Gutachten beantworten soll.Foto: Archiv/Hajo Dietz
Wie wird die Plassenburg verkehrstechnisch am besten erschlossen? Eine Frage, die ein unabhängiges Gutachten beantworten soll.Foto: Archiv/Hajo Dietz
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Wann liegt es denn endlich vor, das Burggutachten, auf das so viele warten? Zuvorderst die Freunde der Plassenburg, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass Kulmbachs Wahrzeichen für den Individualverkehr schnellstmöglich besser erschlossen wird. Denn bis dato ist der Burghof nur im Winter für Pkws geöffnet. Im Sommer bringt ein Buspendelverkehr Besucher zur Wehranlage.


Söders Versprechen

Dass nach den Millioneninvestitionen des Freistaats in die Plassenburg auch die verkehrstechnische Erschließung verbessert werden muss, das hat Ministerpräsident Markus Söder erkannt. In seiner Funktion als Heimat- und Finanzminister hat er im September 2017 erklärt: "Eine qualifizierte Fachfirma wird zur Erstellung eines unabhängigen Gutachtens zur denkmalgerechten und sicheren Erschließung beauftragt." Ziel sei es, die Attraktivität der Plassenburg weiter zu verbessern und so die Besucherzahlen zu steigern.


Das Geld war schon bewilligt

Wie die Burg erschlossen werden soll? Das ist nach wie vor die Frage, denn das Gutachten liegt auch Mitte 2018 noch nicht vor. Die Idee, die geplanten 200 Parkplätze auf dem ehemaligen Reitgelände der Plassenburg zu schaffen, liegt vorerst auf Eis. Das Geld war bereits bewilligt gewesen, doch dann wurde das Projekt vom Landesdenkmalrat zur Verärgerung der Stadt Kulmbach und der Freunde der Plassenburg gestoppt.


Das frühere Reitgelände

Dass das frühere Reitgelände der naheliegendste und sinnvollste Standort wäre, davon ist der Vorsitzende der Freund der Plassenburg, Peter Weith, nach wie vor überzeugt. "Aus meiner Sicht können nur dort ausreichend Stellflächen geschaffen werden. Ein paar wenige Parkplätze hinter den Burgmauern bringen nichts", sagt Weith, der wie seine Vereinsmitglieder gespannt auf das Gutachten wartet. Weith sieht auch Markus Söder in der Pflicht, der zwar nicht mehr Heimatminister sei, als Ministerpräsident zu seinem Wort aber natürlich stehen müsse.


Was macht der neue Minister?

Ob der neue erste Mann im Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Albert Füracker, sich der Plassenburg-Erschließung annimmt? Peter Weith: "Wir haben ihm im März zum Ministeramt gratuliert, ihn nach Kulmbach eingeladen und nach dem aktuellen Sachstand nachgefragt. Eine Antwort zum Thema Erschließung haben wir aber nicht bekommen."

Auf die Nachfrage unserer Zeitung gab es aus dem Heimatministerium folgende schriftliche Antwort: "Durch eine verbesserte Verkehrserschließung soll die Plassenburg attraktiver werden und neue Besucher anlocken. Ziel ist die Realisierung einer Ganzjahreslösung durch die Erschließung der Plassenburg für den Individualverkehr." Wie das geht, solle im unabhängigen Gutachten ermittelt werden, das noch nicht abgeschlossen sei.


Nichts Neues

Nichts Neues für die Freunde der Plassenburg. Dass aus der Staatskanzlei in München selbst trotz Nachfrage keine Antwort kam, lässt Peter Weith auch noch nicht verzweifeln. Der Vorsitzende blickt nun gespannt auf das Bierfest. Zum Anstich am 28. Juli hat sich der neue bayerische Ministerpräsident angekündigt. Weith: "Wir hoffen, dass uns Markus Söder da mitteilt, wie die Burg künftig erschlossen werden soll."




Ein Kommentar zur Plassenburg-Erschließung von Alexander Hartmann


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Waren es in den 90er Jahren noch über 90 000 Besucher, die auf der Plassenburg gezählt wurden, so kamen 2017 gerade mal noch knapp über 34 000, die die städtischen Museen und die Sammlungen der Schlösserverwaltung aufgesucht haben.


Das digitale Museum?

Ein Vergleich, der deutlich macht, dass Kulmbachs Wahrzeichen an Anziehungskraft verloren hat. Wie andere Festungen übrigens auch. Woran das liegt? Sicherlich mit daran, dass Bollwerke, die seit Jahrhunderten auf Felsen thronen, im digitalen Zeitalter gerade auf junge Leute nicht mehr ganz die Ausstrahlung ausüben wir vor 20 Jahren. Gerade wohl auch deshalb , weil die Museumskonzepte oft verstaubt sind. So versprüht auch das Zinnfigurenmuseum in Kulmbach noch heute den Charme frühere Tage. Um Besucher zu locken, müssen heute aber neue Wege beschritten werden. Die gibt es und wären auch für Kulmbach denkbar. Ein Beispiel: Es gibt inzwischen sogar 3-D-Modelle, die zwar nicht ganz billig sind, Ausstellungsstücke aber erlebbar machen.


Besucherzahlen sind nicht messbar

Bei allen Gedankenspielen über neue Konzepte, die der Freistaat ja im Auge hat. Die Ausstrahlung, die die Burg ausübt, kann man nicht allein an den Besucherzahlen der Museen messen. Es gibt viele Einheimische wie Touristen, die den Festungsberg erklimmen, sich aber "nur" im Schönen Hof oder auf dem Burgrondell aufhalten und deshalb nicht registriert werden.


Die Buchwald-Lösung

Um die Attraktivität für beide Zielgruppen zu steigern, ist eines wichtig: Dass nicht mehr nur darüber diskutiert wird, sondern die Burg endlich für den Bus- und Individualverkehr erschlossen wird. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. So die Zufahrt durch die Burg, die sich ohne bauliche Veränderungen problematisch gestalten könnte, aber auch die Zufahrt vom früheren Waldschlösschen aus durch den Buchwald, die dann wohl auch Busse nutzen könnten. Die Freunde der Plassenburg hoffen, dass das in Auftrag gegebene Gutachten bald vorliegt, das die bestmögliche Erschließung aufzeigen soll. Damit es wieder so wird wie in den 90er Jahren, als die Besucherzahlen hoch waren - wohl auch deshalb, weil man mit dem Auto auf die Burg fahren konnte.


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