Kulmbach
Wirtschaftsentwicklung

Braucht Kulmbach einen Stadtmanager?

Die Stadt leidet unter dem demografischen Wandel und veränderten Einkaufsgewohnheiten. Die IHK für Oberfranken hatte jetzt zu einer Diskussion geladen.
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Die Sparkasse Kulmbach-Kronach stellte der IHK ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, nicht nur Händler aus Kulmbach kamen zur Diskussionsveranstaltung "Zurück zur Mitte", sondern auch Eigentümer von Immobilien, Unternehmer und Vertreter aus der Gastronomie.Sonny Adam
Die Sparkasse Kulmbach-Kronach stellte der IHK ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, nicht nur Händler aus Kulmbach kamen zur Diskussionsveranstaltung "Zurück zur Mitte", sondern auch Eigentümer von Immobilien, Unternehmer und Vertreter aus der Gastronomie.Sonny Adam
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Kulmbach steht vor einem Umbruch: Jetzt, wo Kulmbach Universitätsstadt werden soll, gilt es, die Herausforderung anzunehmen und die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Aus diesem Grund hatte die IHK zu einer Diskussionveranstaltung in die Sparkasse Kulmbach-Kronach eingeladen. Der Saal war gut gefüllt. "Es wird viel über die Stadt geredet, aber leider nicht miteinander. Unser Ziel ist es, Fachhandel, Leute aus der Industrie, Gastronomie, Händler und Dienstleister zusammen zu bringen. Und am Ende soll es einen Gewinn geben", erklärte Michael Möschel, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach.

Das Ziel der Stadtentwicklung ist klar: Das Zentrum soll lebendiger und attraktiver werden. "Die Luft für den stationären Handel wird immer dünner. Die Händler brauchen einen Kümmerer, der alle Aktionen koordiniert, der Events plant oder Öffnungszeiten abspricht", so Möschel und gab zu bedenken: "Der Kunde geht immer dahin, wo es ihm am besten gefällt."

Genau dieses Themenfeld ist das Metier von Roland Wölfel von der CIMA Beratung und Management GmbH aus Forchheim. Seit 30 Jahren macht die Firma Stadtmarketing. CIMA hat 90 Mitarbeiter an neun Standorten. Der aktuelle Trend, machte Wölfel klar, sind Erlebniseinkäufe. "Negative Erlebnisse werden zwölf Mal weitererzählt, positive nur drei Mal", erklärte der Experte.

Nähe sticht Größe

Natürlich trifft der Onlinehandel die örtlichen Geschäfte hart. Doch das Vorurteil, dass Einzelhändler beraten und dann im Internet gekauft wird, stimmt schon lange nicht mehr. Eher das Gegenteil ist der Fall. Kunden lassen sich im Netz beraten, suchen gezielt nach Informationen und kaufen dann vor Ort. Meistens wird im Internet gekauft, weil es bequem und einfach ist. Doch die Einkaufsvorliebe der Menschen hat sich schon wieder gewandelt: Nicht die Mega-Häuser sind in, sondern Nähe sticht Größe.

Einen absoluten Trend sieht Wölfel beim Thema Nachhaltigkeit und Regionalität. Dazu gehören auch Radschnellwege, ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept mit ÖPNV, Car-Sharing, E-Mobilität und Car-Sharing.

Er skizzierte den Teufelskreis der Innenstädte: Der Handel gerät in eine Krise, immer mehr Läden stehen leer, dies fördert auch in anderen Bereichen Krisen. Durch Zwischennutzungen könne man dem Leerstand entgegenwirken. "Eine Bratwurstbude reicht nicht mehr. Man muss den Menschen ein Erlebnis bieten", sagte Wölfel. Er brachte Themenmärkte oder Dauer-Märkte als Beispiel. Außerdem müsse Kulmbach seine Markenentwicklung weiter verbessern. Plassenburg und Bier seien nicht genug.

Wölfel zeigte Beispiele aus anderen Städten, wo es gelungen ist, eine eigene Stadtgeschichte aufzubauen. Man könne Abendspaziergänge oder Viertelspaziergänge machen, man könne gemeinsame Weihnachts- und Geschenkeeinkäufe anbieten oder ähnliches.

Mehr Raum für die Radler

Auch die Radfahrer seien eine wichtig Zielgruppe. "Man muss den Radlern mehr Raum geben. Mit dem Auto kommt man einmal zum Einkaufen, die Radler kaufen fast die gleiche Menge und kommen fünf bis sechs Mal pro Woche in die Stadt. Das belebt die Stadt", erklärte Wölfel. Tatsächlich haben die Städte, die als attraktiv bewertet wurden, ein sehr gut ausgebautes Radwegekonzept.

"Bei den Radwegen gibt es gerade eine große Diskussion. Keiner ist so klug wie alle", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm. "Aber nur fordern, nichts machen, bringt auch nichts. Es geht nur Miteinander. Sie haben einen leichten Job, sie reden, aber machen tun Sie nichts", griff der OB den Referenten an. Dieser wehrte sich jedoch, da er ebenfalls in der Lokalpolitik engagiert sei und Stadtmanagement in vielen Städten anbiete.

"Besser sein könnte es immer, aber ich bin jeden Tag darauf aus, etwas nach Kulmbach zu bringen", so Schramm. Schramm setzt vor allem auf den Unistandort. "Natürlich haben wir 13 Prozent Leeerstand, aber es wird immer einen Wandel geben. Und ich will ja keine neue Einzelhandelsfläche", so der Oberbürgermeister. Angesiedelt werden solle der Campus auf dem Güterbahnhof, das Kaufplatzareal sei nur Plan B, betonte der Kulmbacher OB.

Schon im Vorfeld bemühe sich die Stadt, vom "Bier-Burg-Bratwurst"-Image wegzukommen. Man tue etwas für junge Leute, indem man das Spartan-Race nach Kulmbach bringt. Die Feste wie Bierfest, Altstadtfest und die Konzerte auf der Plassenburg brächten Menschen in die Stadt.

Die Einzelkämpfer

Aus dem Publikum allerdings kamen so manche Klagen. "Wir haben eigentlich alles probiert. Aber man kommt an die Kollegen nicht ran. Manche machen einfach nicht mit - wir sind letztlich Einzelkämpfer", klagt Christof Hofmann von der Händlergemeinschaft "Unser Kulmbach". "Man muss die Allianz der Willigen nutzen. Man darf die, die wollen, nicht von denen, die nicht wollen, bremsen lassen", regte Wölfel an.

Peter Alexander Pelz von Esther Pralinen forderte ein Konzept für den Handel - gemeinsam mit der Stadt und der Gastronomie. Er wünscht sich, dass mehr Menschen in die Stadt gelockt werden sollten.

Helmut Völkl vom Tourismusservice betonte, dass die Belebung der Stadt in Kulmbach vonstatten gehe. Durch das Spartan-Race sollen 3000 bis 4000 Sportler nach Kulmbach kommen, zuzüglich Begleitpersonen. Das Streetfoodfestival wurde in die Innenstadt geholt. "Was ich vermisst habe, war das Begleitprogramm des Handels", monierte Völkl. "Wenn die Bereitschaft nicht da ist, dann nützt auch ein Kümmerer nichts"; machte Oberbürgermeister Henry Schramm klar.

Ursula Lauterbach zeigte sich von der Idee, Touristinformationsmaterialien auch in den Geschäften auszulegen, begeistert. Andi Schulze von Katz + Katz forderte gemeinsame Öffnungszeiten, ein Leerstandsmangement, mehr Raum für Radfahrer. "Wir kleinen Einzelhändler sind doch überfordert, solch ein Konzept auszuarbeiten. Wir brauchen jemand, der das professionell macht und der ein Gesamtkonzept ausarbeitet. Wir brauchen einen Kümmerer", sagte Schulze.

"Die Uni ist kein Allheilmittel"

Der Unicampus könne nicht alle Probleme heilen, relativierte Lehrstuhl-Manager Matthias Kaiser die Erwartungen. "Ich habe Respekt vor all den Erwartungen, die mit dem Unicampus verbunden sind, aber wir bringen nur die Arbeitsbedingungen für die Wissenschaftler ein. Die Lebensbedingungen für die Studenten müssen schon selber geschaffen werden." Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Wissenstransfer in Kooperation mit dem beruflichen Schulzentrum und der Medienakademie klappen könne. "Wir wollen uns in die Stadt integrieren, aber die Uni ist kein Alheilmittel", so Kaiser.

Auch Stephan Ertl warnte vor zu viel Euphorie. Sicherlich wird der Trend in Kulmbach hin zu vegetarischen und veganen Gerichten gehen. "Vielleicht haben wir irgendwann in Kulmbach auch einen Kimchi-Laden, aber das muss man auf sich zukommen lassen, planen kann man das nicht", so Ertl.

Als Fazit freute sich Michael Möschel über die gelungene Veranstaltung. "Ich habe selten einen so emotionalen OB erlebt, aber jeder hat gesagt, was er gefühlt hat." Die IHK hat jedenfalls ein Gespräch in Gang gebracht. Moderiert wurde der Abend von Markus Weber.

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