Kulmbach
Gericht

Kulmbacher Brandstiftungs-Prozess: Früher als Feuerwehrmann selbst gezündelt

Er soll in Kulmbach ein BRK-Auto angezündet haben. Es war wohl nicht die erste Tat: Jahre zuvor hatte er ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken versetzt.
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Am  Fahrzeug der Wasserwacht  war im November Feuer gelegt worden. Ob der 35-Jährige der Täter war? Der Angeklagte bestreitet es. Foto: Archiv
Am Fahrzeug der Wasserwacht war im November Feuer gelegt worden. Ob der 35-Jährige der Täter war? Der Angeklagte bestreitet es. Foto: Archiv
Der 35-Jährige Kulmbacher muss sich vor dem Landgericht Bayreuth verantworten. Ihm wird zweifache Brandstiftung vorgeworfen. Er soll (wie berichtet) am 12. November 2016 an einem auf dem Gelände des BRK geparkten Einsatzfahrzeug der Wasserwacht Feuer gelegt, im Februar diesen Jahres dann ein Privatauto in der Johann-Eck-Straße angezündet haben.


Ein Dorf war in Angst und Schrecken

Der Angeklagte bestreitet die Taten. Er äußert sich in der Verhandlung nicht. Ob er die Brände in Kulmbach gelegt hat, das muss die Kammer unter Vorsitz von Richter Michael Eckstein herausfinden. Was feststeht, ist, dass der Mann schon mehrfach Feuer gelegt hat. Am zweiten Verhandlungstag wurde ein Urteil aus dem Jahre 2008 verlesen, nach dem er wegen mehrfacher Brandstiftung zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Der Angeklagte hatte sich in seiner früheren Heimatgemeinde in der Nähe von Naumburg von seiner Ex-Freundin und dem gesamten Umfeld ausgestoßen gefühlt und Rachegefühle gehabt, urteilten damals die Richter. Der heute 35-Jährige habe zwei Mal in einem Kälberstand Feuer gelegt, auch im Haus einer Kleingartenanlage und in einem Hausmeister-Schuppen an einer Schule gezündelt. Er habe selbst den Notruf abgesetzt und als aktiver Feuerwehrmann die Brände zusammen mit seinen Wehrkameraden gelöscht. Er habe ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken versetzt, heißt es in dem Urteil.


Unauffällig, ruhig

In Kulmbach hatte der gelernte Koch im September 2016 eine Umschulung begonnen. Seine Mitschüler schilderten ihn wie die Betreuerin des Schülerwohnheims, in dem er von September bis Dezember untergebracht war, als einen unauffälligen, ruhigen Zeitgenossen.


Das Feuer in der Johann-Eck-Straße

Am zweiten Verhandlungstag stand nicht der Brand am Wasserwacht-Fahrzeug, sondern das Feuer in der Johann-Eck-Straße im Mittelpunkt. Dorthin war er zu Jahresbeginn umgezogen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, gegen 3.30 Uhr in alkoholisiertem Zustand den Vorderreifen eines vor dem Nachbaranwesen geparkten Wagens in Brand gesteckt zu haben. Er habe hierfür einen Papier- und Zeitungsstapel angezündet, ein mit Wachsstücken befülltes Papiertaschentuchknäuel auf den rechten Hinterreifen gelegt und und das Taschentuch entzündet. Der rechte Vorderreifen habe schnell Feuer gefangen, das auf den vorderen Teil des Fahrzeugs übergegriffen habe. Im hinteren Bereich hätten sich die Flammen nicht ausgebreitet.


Ein lauter Knall

Der Besitzer des Autos schilderte im Zeugenstand, dass seine Frau mitten in der Nacht von einem lauten Knall aufgeschreckt sei und ihn aufgeweckt habe. Der Angeklagte, der im Nachbarhaus wohnte, wurde schon kurz nach fünf Uhr festgenommen. Ein Polizeibeamter, der als Zeuge aussagte, teilt mit, dass er nach dem Feuer auf dem BRK-Gelände als möglicher Brandstifter ins Visier der Ermittler geraten sei. In der Nacht habe er die Wohnungstür trotz mehrfachen Klingelns nicht aufgemacht. Die Tür sei mit Hilfe der Feuerwehr geöffnet worden. Er und sein Kollege hätten den Angeklagten schlafend im Bett überrascht, so der Polizeibeamte. Der 35-Jährige habe sehr abgeklärt reagiert, später auf der Polizeiwache sinngemäß erklärt, dass man ihm die Brandstiftung sowieso nicht nachweisen könne.


"Nicht einfach zum Täter machen"

Man dürfe seinen Mandanten aufgrund der einschlägigen Vorstrafe nicht einfach zum Täter machen, stellte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Jauch, fest. Bei den Taten, für die er 2008 verurteilt worden war, sei er aufgrund persönlicher Probleme in einer schlechten psychischen Verfassung gewesen. In Kulmbach habe er keine Probleme gehabt, sei auch von Zeugen als ein unauffälliger, ruhiger Zeitgenosse bezeichnet worden, so Jauch.
Ob der 35-Jährige die Brände in Kulmbach gelegt hat, darüber wird die Landgerichtskammer erst in einigen Wochen urteilen. Die Verhandlung wird am 3. November fortgesetzt.


Die anderen Anschläge auf das BRK

2016 hatten weitere Anschläge auf das BRK für Aufsehen gesorgt. Möglicherweise war der 35-Jährige auch für die Zündeleien an der Ruppert-Villa verantwortlich. Wie Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel von der Staatsanwaltschaft Bayreuth, mitteilt, wurde das Verfahren nach §154, Absatz 1 ("Die zu erwartende Strafe ist nicht erheblich genug im Hinblick auf die verfolgten Taten") des Strafgesetzbuches vorläufig eingestellt. Es bleibe eingestellt, wenn es im anderweitigen Fall zu einer Verurteilung kommt, so Potzel. Geschieht dies nicht, werde das Verfahren wieder aufgerollt.
Zum Fall der gelösten Radmuttern am Einsatzwagen in Stadtsteinach kann Potzel derzeit keine Auskunft geben.

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