Kulmbach
Prozess

Brandstiftung in Kulmbach: Alibi ist verwässert

Am Landgericht Bayreuth ging der Prozess gegen einen Mann weiter, der in Kulmbach Brände gelegt haben soll. Zeugen verstrickten sich in Widersprüche.
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In der Nacht zum 12. November 2016 brannte ein Einsatzfahrzeug der Wasserwacht auf dem Gelände des Kulmbacher BRK. Derzeit läuft in Bayreuth der Prozess gegen einen 35-Jährigen. Foto: Archiv
In der Nacht zum 12. November 2016 brannte ein Einsatzfahrzeug der Wasserwacht auf dem Gelände des Kulmbacher BRK. Derzeit läuft in Bayreuth der Prozess gegen einen 35-Jährigen. Foto: Archiv
Zwei absichtlich gelegte Brände in Kulmbach beschäftigten am Freitag erneut das Landgericht Bayreuth. Beide Male waren Fahrzeuge das Ziel. In der Nacht vom 11. auf den 12. November 2016 brannte auf dem BRK-Gelände in der Meußdoerffer-Straße ein Einsatzwagen der Wasserwacht und am frühen 2. Februar 2017 ein Pkw in der Johann-Eck-Straße.


Ein Angeklagter, zwei Taten

Beide Taten wirft die Staatsanwaltschaft einem 35-Jährigen vor, der seit 2016 in Kulmbach lebt und vorher in Sachsen-Anhalt wegen versuchten Brandstiftungen im Gefängnis saß. Der Mann, zu den Tatzeitpunkten Schüler der Fachschule für Lebensmitteltechnik, bestreitet die Vorwürfe. Nicht angeklagt sind zwei weitere Fälle, die sich im November 2016 gegen das Rote Kreuz richteten und zunächst im Zusammenhang mit dem Rettungswagen-Feuer gesehen wurden. An der Ruppert-Villa wurde gezündelt, und in Stadtsteinach waren Radbolzen eines Rettungswagens locker.

Bei der Fortsetzungsverhandlung am Freitag sagten zwei Schüler der Lebensmittelschule aus, die von Verteidiger Thomas Jauch benannt wurden. Dieser vertrat den Angeklagten bereits bei seinem Prozess in Naumburg, wo er 2012 für eine versuchte Brandstiftung an einem historischen Gebäude verurteilt wurde. Anwohner hatten ihn beobachtet, der Mann stritt aber jegliche Tatbeteiligung ab.

Zurück in die Gegenwart: Die beiden Zeugen entlasteten den Angeklagten bezüglich des Brands beim BRK. Er habe das Feuer kurz nach 1 Uhr nicht legen können, da er zur Tatzeit mit ihnen und weiteren Schulkameraden in der Kulmbacher Innenstadt unterwegs gewesen sei.


Erst Winterdorf, dann Obere Stadt

Der erste Zeuge erzählte, dass die Gruppe am Abend des 11. November zur Feier von absolvierten Klausuren das Winterdorf besucht habe. Als es um 23.30 Uhr schloss, sei es im "Casablanca" und der "Sohle" in der Oberen Stadt weitergegangen.

Zwischen 3 Uhr und 3.30 Uhr am Morgen hätten sich die Zeugen und der Angeklagte auf den Heimweg gemacht. Der zweite Zeuge habe ein Stück weit den gleichen Weg gehabt und sei dann abgebogen. Der erste Zeuge hingegen sei mit dem Angeklagten bis zum unweit des Tatortes gelegenen Schülerwohnheim gelaufen, in dem beide ein Zimmer hatten. Vom Rettungseinsatz einige Meter weiter hätten sie nichts mitbekommen.


Entlastende Aussage kommt spät

Auffallend war, dass sich der Schüler an manche Details genau erinnerte, an andere gar nicht. So konnte er nur vage beschreiben, wie der Abend sonst verlief und welche Schüler noch Teil der Gruppe waren. "Bei uns ist immer ein Kommen und Gehen." Auf die Frage, warum er sich nicht eher bei der Polizei gemeldet habe, um seinen Bekannten zu entlasten, antwortete er: "Ich habe es angeboten, aber er wollte uns da rauslassen."

Ebenfalls entlastend für den Angeklagten sagte der zweite Zeuge aus. Er gab an, dass der 35-Jährige mit weiteren Schülern noch in der "Sohle" gewesen sei, als er diese gegen 3 Uhr verließ. Dabei erwähnte der Zeuge mehrmals den Namen einer Frau, die ebenfalls noch anwesend gewesen sein soll. Gegenüber der Polizei hatte diese das aber verneint.

In der Folge verstrickte sich der Zeuge in Widersprüche. Im Gegensatz zur Aussage seines Vorredners will er den ganzen Weg alleine nach Hause gegangen sein. Auch an Klausuren als Feiergrund konnte er sich nicht erinnern. "Sie sollen nur sagen, was Sie wissen. Nicht das, was Sie sich jetzt erschließen. Ich will keine Lügen", mahnte Staatsanwalt Bernhard Birxler. Im Fortgang relativierte der Zeuge seine Aussage bezüglich der Schulkameradin. "Es könnte sein, dass sie noch dort war."

Ansonsten ging es bei der Verhandlung um den Pkw-Brand. Der Angeklagte, der anschließend einige Zeit in U-Haft saß, geriet in Verdacht, weil er nach einem Umzug in der Nähe wohnte. Die Polizei fand in seiner Wohnung eine Kerze mit herausgebrochenen Wachsstücken sowie eine fast leere Packung Taschentücher. Und rund um das zerstörte Auto hatten die Beamten Wachsstücke und Taschentuch-Reste sichergestellt.


Richter fragt kritisch nach

Ein Sachverständiger bestätigte, dass die Materialien am Tatort und aus der Wohnung übereinstimmten. Nicht nachweisen könne man aber, dass es sich um Teile genau der Kerze und genau der Taschentuch-Packung aus der Wohnung handelte. "Das ist beides Massenware."

Dennoch fragte Vorsitzender Richter Michael Eckstein den Angeklagten mit Blick auf die Aservate: "Wenn ich mir das so anschaue: Bleiben Sie immer noch dabei, dass Sie es nicht waren?" Der Mann bejahte dies.

Die Verhandlung wird am Montag ab 9.30 Uhr im Schwurgerichtssaal mit der Zeugenbefragung der angesprochenen Schulkollegin und einem psychologischen Gutachten fortgesetzt.
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