Kulmbach
Umzug

"Bockela": Zukunftsplanung für Kulmbacher Jugendzentrum läuft

Das Kulmbacher Jugendzentrum in der Alten Spinnerei muss wegen Bauarbeiten umziehen. Als neues Zuhause wird die frühere Bahnhofsgaststätte favorisiert.
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Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler und die Vorsitzende des Kreisjugendrings, Sabine Knobloch, haben sich bereits ein Bild von den Räumlichkeiten der ehemaligen Bahnhofsgaststätte "Bockela" gemacht - hier im Gastraum mit dem großen Tresen.   Fotos: Stadt Kulmbach
Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler und die Vorsitzende des Kreisjugendrings, Sabine Knobloch, haben sich bereits ein Bild von den Räumlichkeiten der ehemaligen Bahnhofsgaststätte "Bockela" gemacht - hier im Gastraum mit dem großen Tresen. Fotos: Stadt Kulmbach
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Im September 2012 kam von der Obersten Baubehörde in München die Förderzusage über eine Million Euro - der Startschuss für die Sanierung der Industrie-Ruine Alte Spinnerei. Im 2. Obergeschoss sollen Räume für Vereine, Theatergruppen oder Bands entstehen. Jetzt, sechs Jahre später, wird das Projekt gestartet, zumal auch die neue Fakultät der Uni Bayreuth vorübergehend Räume mitnutzen möchte.

Der Knackpunkt: Die Baumaßnahme ist so umfangreich, dass beim Einsatz von schwerem Gerät das darunter liegende Jugendzentrum und dort befindliche Gäste Schaden nehmen könnten. Deshalb endet der Vertrag zwischen Stadt, Landkreis und Kreisjugendring am 31. Dezember - Stefan "Bonsai" Lehner muss mit seinem Angebot für Kinder und Jugendliche umziehen.

Als Favorit für das neue Zuhause des JUZ, dass pro Jahr mittlerweile rund 20 000 Besucher zählt, hat sich die frühere Bahnhofsgaststätte "Bockela" herauskristallisiert, was auch durch einen Beschluss in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich wurde. 1. Wie ist der derzeitige Stand der Planungen? Die Beteiligten haben die frühere Bahnhofsgaststätte am 17. September besichtigt. Bereits am Freitag soll eine weitere Besprechung stattfinden, bei der es laut Stadtsprecher Simon Ries inhaltlich darum geht, was der Kreisjugendring im "Bockela" umsetzen kann. Parallel dazu sei die Stadt bereits mit der Bahn in Verhandlungen darüber, zu welchen Konditionen und wie schnell die Räumlichkeiten übergeben werden können. "Wir müssen davon ausgehen, dass zunächst kein Verkauf stattfindet, sondern erst einmal ein Mietverhältnis entsteht. Von daher wird es keine Luxussanierung werden", so Ries, demzufolge außerdem das städtische Bauamt derzeit den Sanierungsbedarf berechnet. 2. Welchen Einfluss werden die künftigen Räume im "Bockela" auf die Jugendarbeit haben? In der Alten Spinnerei, so Jugendzentrumsleiter Stefan "Bonsai" Lehner, stehen einschließlich des großen Saales 1460 Quadratmeter zur Verfügung, davon 1250 für die reine Jugendarbeit. Der Rest sind Betriebsflächen, zum Beispiel Lagerräume. Das "Bockela" hat nur circa 380 Quadratmeter. Laut Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler geht es primär darum, was das JUZ anbieten will. "Wenn wir künftig andere Räume haben, wird sich auch das Konzept ändern müssen." 3. Wie könnte das Konzept aussehen? Lehner und Ziegler unterscheiden zwischen "must have" und "nice to have", also zwischen unbedingt notwendigen und wünschenswerten Angeboten. Unabdingbar sind demnach der Offene Betrieb (Gespräche, Beratung, Hilfe bei der Berufswahl, Spiele-Klassiker wie Dart, Kicker, Billard oder Tischtennis) und die ganztägige Betreuung in den Ferien (Ziegler: "Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in Oberfranken"). Zudem sollten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, selbst Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Wichtig sind ferner ein eigener Raum für Mädchen und die Präventionsarbeit. 4. Was ist mit den anderen Angeboten, zum Beispiel Konzertarbeit, Indoor-Spieltage oder Kinder-Kreativtage? Für Jürgen Ziegler ist es denkbar, Teile des Konzepts im Bahnhof zu verwirklichen und andere auszugliedern, etwa in eine Turnhalle. "Da müssen wir uns mit der Stadt und dem Landkreis in Verbindung setzen, um zu sehen, was machbar ist." 5. Bleibt das JUZ im "Bockela" oder kehrt es nach Abschluss der Bauarbeiten zurück in die Alte Spinnerei? "Es hat ja keinen Sinn, sich hinzustellen und 1000 Quadratmeter zu fordern", sagt Jürgen Ziegler. "Wenn das Quartier in Bezug auf Betrieb und Akzeptanz der Jugendliche passt, warum sollte man dann nicht dauerhaft drinbleiben. Wir sind optimistisch, dass wir da was Gutes herausholen können." 6.Auf der Facebook-Seite der BR wurde bereits die Sicherheit beleuchtet und das Bahnhofsgelände für Heranwachsende als kritisch eingestuft. Zu Recht? Stefan Lehner begrüßt zunächst einmal die zentrale Lage ohne Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten. Die Sicherheit sei am ZOB auch nicht optimal, insbesondere wegen des starken Busverkehrs. "Wir können das aber auch am Bahnhof steuern - durch unsere Anwesenheit und dadurch, wie wir unseren Betrieb gestalten." 7. Findet ein optimaler Übergang statt? Die Bauarbeiten haben weder in der Spinnerei noch im "Bockela" begonnen, und die Baufirmen haben volle Auftragsbücher. Für die Maßnahmen in der Spinnerei läuft bereits die Ausschreibung. Ob ein nahtloser Übergang möglich ist, lässt sich laut Simon Ries gegenwärtig nicht seriös beantworten. "Alle Beteiligten sind aber guten Willens, zu improvisieren und das Projekt so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen."

Und Oberbürgermeister Henry Schramm unterstreicht: "Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Landkreis und Kreisjugendring hat sich bewährt. Wir wollen in dieser Konstellation weiterarbeiten."



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