Kulmbach
Umwelt

Bienenweiden mitten in der Stadt Kulmbach

Die Stadt Kulmbach setzt sich aktiv für die Artenvielfalt ein. Im ganzen Gebiet hat sie in diesem Frühjahr deshalb einige Blühstreifen mehr angelegt.
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An der Bayreuther Straße in Kulmbach stadteinwärts wurde im vergangenen Jahr der erste Blühstreifen gepflanzt.Mirjam Stumpf
An der Bayreuther Straße in Kulmbach stadteinwärts wurde im vergangenen Jahr der erste Blühstreifen gepflanzt.Mirjam Stumpf
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Vereinzelt hört man es schon summen zwischen Löwenzahn und Butterblume. Die Blühstreifen, die in der ganzen Stadt verteilt und teilweise neu angelegt worden sind, scheinen die Insekten wie gewünscht bisher gut anzunehmen. Zumindest an den Stellen, die schon in voller Blüte stehen.

Die Stadt legt in diesem Frühjahr eigens solche speziellen Grünflächen an, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. In den nächsten Frühlingswochen sollen die Streifen langsam zu blühen beginnen.

"Diese Flächen sind nicht nur schön zum Anschauen und tragen zu einem lebendigen, grünen Flair in unserer Stadt bei, sie sind vor allem für die Insektenwelt, insbesondere für Wildbienen und Schmetterlinge, wertvolle Pollen- und Nektarquellen", betont Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU). Von dem erhofften Insektenreichtum würden dann auch Fledermäuse und Vögel profitieren.

Entscheidend bei der Anlage derartiger Flächen sei es laut Stadtgärtner Jürgen Ganzleben vom Bauhof Kulmbach, sonnige Plätze auszuwählen und die richtige Samenmischung einzusetzen. Wichtig seien mehrjährige Mischungen, damit die Pflanzen von selbst wieder aussäen. "Ziel ist es, dass die Wiese über Jahre Bestand hat", so Jürgen Ganzleben, "etwa sechs bis acht Jahre". Der Boden spiele dabei auch eine wichtige Rolle: "Am besten funktioniert es dort, wo schon magere Standorte vorhanden sind." Denn nährstoffreiche Flächen eigneten sich nicht für eine Wildwiese, der Boden müsste zuerst abgemagert werden. "Eine fette Wiese ergibt keinen Sinn", macht der Stadtgärtner deutlich.

Über die Stadt verteilt

Die erste intensive Blühwiese entstand im vergangenen Jahr in der Bayreuther Straße am Haus des Handwerks. In diesem Frühjahr kommen nun fünf weitere solcher Flächen im Stadtgebiet dazu, wie die Stadt Kulmbach verlauten lässt. Sowohl an der Bundesstraße B85 im Bereich der Einmündung der Ziegelhüttener Straße, im Pörbitscher Weg, am Schwedensteg, im Kemmetweg als auch im Stadtpark wird das Saatgut ausgebracht.

"Insgesamt investieren wir 2019 rund 50000 Euro, um die weitere Umsetzung von naturnahen Blühflächen voranzutreiben und somit dem Insektensterben entgegenzuwirken", so Henry Schramm weiter. Auf 7000 Quadratmetern verteilt in der Stadt dürfen sich die Insekten dabei einnisten.

Zudem werden weitere vier größere Grünflächen als sogenannte extensive Insektenwiesen entstehen. Während der Vegetationsperiode werden diese nicht gemäht, um hier neue Lebensräume für Insekten und Bienen zu schaffen. "Dafür haben wir uns vor allem für Flächen entschieden, an denen keine wir Sichtbehinderung für den Verkehr befürchten müssen", erklärt Jürgen Ganzleben. Anders als bei den intensiven Blühflächen soll die Wiese sich verstärkt selbst überlassen werden, damit sich auch Pflanzen, die vorher noch nicht da waren, neu ansiedeln. Dazu gehöre es zum Beispiel auch, das Schnittgut, ähnlich einer Heuernte, über den Winter liegen zu lassen.

Der Blühstreifen im eigenen Garten

Einen Blühstreifen im kleineren Format anzulegen ist Interessierten ebenfalls möglich. Über das Landratsamt sind seit November vergangenen Jahres eigens Startpakete, sogenannte "Heile Welt Pakete", erhältlich. Diese enthalten neben der Blühmischung auch eine Insektennisthilfe, ein Hinweisschild, Infomaterial und Anleitungen.

"Die Mischung wurde von Rieger-Hofmann zusammen mit dem Netzwerk Blühende Landschaft entwickelt", erklärt Kristina Schröter von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Kulmbach. Diese Möglichkeit sei Teil des Projektes "Blütennetz Kulmbach", welches sie initiiert hat und das landkreisweit und unabhängig von den Blühflächen der Stadt zu sehen sei. Das Paket enthalte viele heimische Kulturarten, sodass sich langfristig auf den Standorten eine artenreiche Blumenwiese etablieren könne.

Es gibt allerdings ein paar Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um im Gegenzug ein "Heile Welt Paket" zu bekommen, so Kristina Schröter. Die zu bepflanzende Fläche müsse mindestens zehn Quadratmeter groß sein. Außerdem soll der Bereich für mindestens fünf Jahre erhalten bleiben und dürfe nur einmal im Frühjahr abgemäht werden.

Bisher hätten Schulen, Kindergärten und Kommunen sowie Privatpersonen bereits davon Gebrauch gemacht. Gerade durch Aktionen wie das "Volksbegehren Artenvielfalt" sei das Thema bei einigen präsenter geworden.Trotzdem gibt Kristina Schröter zu bedenken, dass das Anlegen einer Blühwiese gleichzeitig viel Aufwand bedeute, den man sich gut überlegen müsse. Die Erde müsse richtig umgegraben werden, nach Möglichkeit noch Splitt und Sand zur Abmagerung beigefügt werden, damit die Wiese optimal blühen kann.

Zeigen Kommunen oder Einrichtungen Interesse, schaue sie sich die geplanten Stellen vorher an, um dann darüber aufzuklären, ob sich eine Blühwiese auf dem ausgewählten Rasen überhaupt eigne. "Man muss ja nichts kaputtmachen, was schon gut ist", erklärt sie.

"Im eigenen Garten nur zu empfehlen"

"Eine Blühwiese ist wie eine Prothese", verdeutlicht Kristina Schröter, denn die künstlich angelegte könne die natürlich gewachsenen Wiese nicht völlig ersetzen. "Aber sie ist allemal besser als der Golfrasen", sagt sie. "Und im eigenen Garten nur zu empfehlen".

Für das kommende Jahr seien weitere Blühstreifen bei der Stadt in Planung, so Oberbürgermeister Henry Schramm. Dabei gebe es Kooperationen mit Schulen, die beispielsweise beim Bau von Insektenhotels mithelfen, um die Artenvielfalt zu erhalten.

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