Kulmbach
Redaktionsgespräch

Benker und Tischhöfer: Gemeinsam gegen Gleichstrom

Marc Benker (CSU) fordert den amtierenden Bürgermeister von Marktschorgast, Hans Tischhöfer (FW), heraus. Einig sind sie sich, was Nahwärmenetz und Stromtrasse angeht, uneins beim demographischen Wandel. Im Redaktionsgespräch stellen sie ihre Positionen dar.
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Herausforderer Marc Benker (links) und Amtsinhaber Hans Tischhöfer kämpfen um das Bürgermeisteramt in Marktschorgast. Fotos: Dagmar Besand
Herausforderer Marc Benker (links) und Amtsinhaber Hans Tischhöfer kämpfen um das Bürgermeisteramt in Marktschorgast. Fotos: Dagmar Besand
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Marc Benker und Hans Tischhöfer sitzen seit zwölf Jahren zusammen im Gemeinderat. Sie schätzen aneinander die faire Zusammenarbeit und die kurzen Wege. Einig sind sie sich bei den Themen Nahwärmenetz und Gleichstrom trasse. Bei der Frage, wie man dem demographischen Wandel begegnen sollte, haben sie unterschiedliche Vorstellungen.


Herr Benker, vor sechs Jahren haben Sie die Wahl knapp verloren. Warum treten Sie wieder an?
Marc Benker: Kommunalpolitik macht mir einfach Spaß, vor Ort etwas bewegen, nah an den Menschen. Ich bin in Marktschorgast aufgewachsen, und auch meine Kinder wachsen hier auf. Ich will die Zukunft des Ortes mitgestalten.

Herr Tischhöfer, Ihr Gegenkandidat ist jung, hat aber in den letzten sechs Jahren im Gemeinderat viel Erfahrung gesammelt. Wie schätzen Sie den Wahlausgang ein?
Hans Tischhöfer: Nun, ich kann sagen, dass ich sehr gern Bürgermeister bin, ein Bürgermeister für alle, und ich möchte das auch weiterhin sein. In den zwölf Jahren, in denen Marc Benker und ich zusammen im Gemeinderat waren, hat sich gezeigt, dass er ein engagierter und kompetenter Marktgemeinderat ist, und dafür bin ich dankbar. Ich denke, es ist wichtig, dass es bei einer Wahl zwei Kandidaten gibt, damit es wirklich ein demokratischer Vorgang ist.

Sie wollen in Ihrer Gemeinde ein Nahwärmenetz aufbauen. Wie weit ist das Projekt?
Tischhöfer: Wir hätten das gern schon 2014 verwirklicht, mussten unsere Planungen aber verschieben. Leider gab es von den Betrieben, die wir als Zulieferer beziehungsweise Großabnehmer bräuchten, nicht viel Resonanz. Wir müssen jetzt erstmal eine Machbarkeitsstudie durchführen. Dafür brauchen wir aber Fördermittel, die noch nicht bewilligt sind.
Benker: Ja, das ist ein großes Ärgernis. Den Plan für diese Studie haben wir schon im Herbst 2013 gefasst. Leider gibt es auch noch Skepsis gegenüber der Technik. Ich würde mir wünschen, dass die öffentliche Hand, auch der Bürgermeister, jetzt voranschreiten, um Ängste abzubauen. Wenn das Nahwärmenetz zustande käme, wäre das eine einmalige Sache im Landkreis, ein Vorzeigeobjekt für Marktschorgast.

Das Thema Gleichstromtrasse hat Sie in jüngster Zeit viel beschäftigt. Was wollen Sie tun, um hier Mitspracherecht zu bekommen?
Benker: Wir müssen stichhaltige, überzeugende Argumente gegen die Trasse in dieser Form finden. Zur Energiewende muss jeder etwas beitragen, das ist klar. Aber wir haben schon viel getan, indem wir Flächen für Windräder zur Verfügung gestellt haben - insgesamt gibt es bereits zehn in unserer Umgebung. Wichtig ist auch die Solidarität in der Region. Die Kommunen dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen: Hochfranken auf der einen Seite, Himmelkron und wir auf der anderen. "Bloß nicht bei mir, lieber bei den anderen" - das kann nicht die Lösung sein.
Tischhöfer: Wir wollen eine gemeinsame Resolution mit anderen Kommunen in den Landkreisen Kulmbach, Wunsiedel und Hof beschließen. Der Landrat hat uns Kommunen da Rechtsberatung zugesichert.

Thema Nahversorgung. Wie kann die Gemeinde die sicherstellen?
Tischhöfer: Im Moment haben wir ja Einkaufsmöglichkeiten: einen Bäcker, zwei Metzger, einen Schreibwarenladen. Die sind bereit, ihr Sortiment dauerhaft zu erweitern, wenn die Lebensmittelhandlung Günther schließt. Da muss die Gemeinde also nicht eingreifen.

Der demographische Wandel ist auch in Marktschorgast spürbar. Wie wollen Sie dem begegnen?
Benker: Wir müssen unseren Bürgern etwas bieten. Den Senioren, aber vor allem auch der Jugend, denn das sind unsere Einwohner von morgen. Wir sollten sie ernst nehmen, einbinden, zeigen, dass sie zur Gemeinde gehört. Mein Vorschlag wäre, einen Jugend-Treff einzurichten, zum Beispiel in einem zusätzlichen Stockwerk, das auf den Bahnhof aufgesetzt wird. Wir sollten einen Jugendpfleger einstellen, der auch Kontakte zu Firmen vermitteln könnte. So können wir junge Leute in der Gemeinde halten. Mit denen, die weggehen, für Ausbildung oder Studium, sollten wir in Kontakt bleiben, per E-Mail-Newsletter zum Beispiel, oder über soziale Netzwerke, damit sie uns verbunden bleiben und wieder zurück kommen.
Tischhöfer: Das stimmt, wir müssen den Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit schenken. Da ist aber vor allem die Vereinsarbeit ganz wichtig.
Benker:Wir müssen außerdem unseren Schulstandort erhalten, denn das ist ein Argument für junge Familien.

Bewirbt sich die Gemeinde deshalb um das Konzept Flexible Grundschule?
Benker: Wir müssen auch mit wenig Kindern eine Schule betreiben können. Mit der Grundschule und dem Haus des Kindes gibt es in Marktschorgast ein sehr gutes Angebot für Kinder bis zehn Jahre.
Tischhöfer: Das wird aber nicht reichen, um für Familien attraktiv zu sein. Wir haben schon das Kinder-Bau-Geld, aber wir brauchen vor allem günstigen Wohnraum zur Miete und Sozialwohnungen. Dafür sollten wir Leerstände wiederbeleben.

Sie bieten auf der Internetseite der Gemeinde 20 Hektar Gewerbeflächen an. Wie ist da die Nachfrage?
Tischhöfer: Wir haben gute und leistungsfähige Unternehmen in Marktschorgast, die über 600 Arbeitsplätze bieten und im letzten Jahr für über eine Million an Gewerbesteuer-Einnahmen gesorgt haben.
Benker: Wir müssen aber noch mehr tun, um für Firmen attraktiv zu sein, müssen Bauflächen schnell verfügbar machen. Himmelkron macht vor, wie das geht.
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