Kulmbach
Hobby

Bei der Kulmbacher Zinnfigurenbörse sieht man Mangafiguren im Minirock

Seit Freitag dreht sich in Kulmbach alles um Miniaturen aus Zinn. 172 Aussteller aus 18 Ländern präsentieren winzige und auch etwas größere Figuren.
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Tomasz Kusion aus Krakau erzählt mit seinen Figuren die Weltgeschichte nach. Er hat sich auf vollplastische Figuren spezialisiert. "Für mich ist der Bierstadel wie ein Palast", freute sich der Pole auf gute Geschäfte.  Foto: Sonny Adam
Tomasz Kusion aus Krakau erzählt mit seinen Figuren die Weltgeschichte nach. Er hat sich auf vollplastische Figuren spezialisiert. "Für mich ist der Bierstadel wie ein Palast", freute sich der Pole auf gute Geschäfte. Foto: Sonny Adam
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Ganz hinten in der Ecke, dort wo noch vor wenigen Tagen Bier gezapft wurde, hat Reha Karlitekin aus Istanbul seinen Stand aufgebaut. Der 25-Jährige ist zum ersten Mal als Aussteller auf der Zinnfigurenbörse in Kulmbach und vom Flair begeistert. "Ich bin durch einen Freund auf die Idee gekommen, Zinnfiguren zu bemalen", erzählt der junge Türke. Seine Figuren sind kleine Meisterwerke. "Bei uns gibt es keine Zinnfigurenmanufaktur, aber ich wusste nicht, dass noch nie ein Aussteller aus der Türkei hier in Kulmbach war", zeigte sich Karlitekin erstaunt.

Am anderen Ende des Stadels trifft man auf einen "alten Hase" der Zinnfigurenbörse: Werner Fechner aus Michelbach. Er ist 89 Jahre alt. "Ob ich in zwei Jahren noch hierherkommen kann, weiß ich nicht - sehen wir mal", sagt der Senior. Werner Fechner sammelt seit 83 Jahren Zinnfiguren und bemalt sie.

Vollplastik im Trend

Jetzt trennt er sich - aus Altersgründen - von einem Teil seiner Sammlung. Er verkauft Soldaten, die aussehen wie geclont. Einer gleicht akkurat dem anderen. "Wenn man malen kann, kann man auch mit 90 noch malen", lacht Werner Fechner. Er ist nicht nur passionierter Sammler, sondern auch Zinnfigurenherausgeber. 3500 verschiedene Flachfiguren hat er im Angebot. Die Geschäfte laufen gut. "Zinnfiguren kommen nie aus der Mode", ist er sicher.

Absolut im Trend bei den Sammlern liegen vollplastische Figuren. "Die Flachfigur gibt es ja seit den 20er Jahren, aber auch die Themen wandeln sich", erklärt Thomas Beier, Präsident der deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren (Klio). Die Sammler suchten nach Fantasy-Figuren, nach historischen vollplastischen Büsten. Sogar Abbildungen von Queen Elizabeth oder König Ludwig gebe es inzwischen, aber eben auch halbnackte Ladies, Manga-Figuren mit blauen Haaren und kurzen Röckchen, Zwerge, Fantasygestalten und berühmte Männer und Frauen der Geschichte.

Internationales Publikum

Im Bierstadel wird zur Zinnfigurenbörse in fast allen Sprachen dieser Welt gesprochen. Die Aussteller kommen aus 18 verschiedenen Ländern.

Auch das Publikum ist international. Zinnfiguren muss man sehen und in die Hand nehmen. Die Gravur muss fein sein, zart, darf kein Manko haben. Die Sammler prüfen alles ganz genau. Philipp Fourquet ist eigens aus Colmar angereist. Er sucht Figuren aus dem deutsch-französischen Krieg. "Ich gebe immer viel zu viel Geld aus", amüsiert sich Philippe Fourquet und zeigt schon nach einer Stunde Öffnungszeit eine ganze Tüte voller Figuren.

Auch sein Landsmann Gerard Gordeana aus Toulon lässt sich durch die Börse in eine Art Kaufrausch versetzen. "500 Euro lasse ich immer hier - nur für Figuren. Und ich sammle schon seit über 40 Jahren", lacht der Franzose. Er hat sich auf das Mittelalter spezialisiert und bemalt 30 Millimeter große Flachfiguren.

"Ein echter Palast"

"Für mich ist der Stadel hier ein echter Palast", schwärmt Tomasz Kusion aus Krakau. "Bei mir wird die ganze Weltgeschichte lebendig."

"Ich habe schon 15 000 Figuren zu Hause", lacht Carsten Schulz aus Hannover. Doch nur rund 2000 davon sind bemalt. "Wenn man im Berufsleben steht, hat man das Geld, um Figuren zu kaufen. Aber eben nicht die Zeit, um sie immer gleich zu bemalen", entschuldigt er sich und bummelt weiter durch das Zelt.

Auch Oberbürgermeister Henry Schramm ließ sich von der Begeisterung der Aussteller und Sammler anstecken. "Die Zinnfigurenbörse in diesem Ausmaß ist einmalig in Deutschland und der Welt", sagte er zur Eröffnung.

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