Himmelkron
Verkehr

Baustelle auf der A 9: Riesiger Rückstau bei Himmelkron

Die Sanierung der Lanzendorfer Talbrücke auf der A 9 sorgt für erhebliche Probleme: Es kommt zu Unfällen, oft stecken gerade Lkw fest. Die Autobahndirektion Nordbayern denkt nun auch über die Sperrung einer Himmelkroner Zufahrt nach. Die fürchten aber viele.
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Vor der Lanzendorfer Talbrücke stockt der Verkehr. Vor allem Lastwagen-Fahrer brauchen viel Geduld. Der Rückstau auf der rechten Fahrspur geht teils bis Gefrees. Fotos: Alexander Hartmann
Vor der Lanzendorfer Talbrücke stockt der Verkehr. Vor allem Lastwagen-Fahrer brauchen viel Geduld. Der Rückstau auf der rechten Fahrspur geht teils bis Gefrees. Fotos: Alexander Hartmann
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Es war der folgenschwerste Unfall, der sich auf der A 9 als Folge der großen Brücken-Baustelle bei Himmelkron ereignet hat: Ein Sattelzug war am Mittwochvormittag mit hoher Geschwindigkeit in das Stauende bei Marktschorgast gekracht. Der Fahrer hatte offenbar die elektronischen Hinweise übersehen, die schon bei Gefrees aufleuchten und vor dem warnen, was auf der Strecke fast täglich zu beobachten ist: vor dem Rückstau auf der Lkw-Spur, der sich an der Talbrücke bei Lanzendorf in Fahrtrichtung München bildet und der nicht selten zehn Kilometer lang ist.

Ein Sorgenkind

Die Verkehrsführung im Baustellenbereich ist das Sorgenkind der Autobahndirektion Nordbayern, wie der Leiter der Bayreuther Dienststelle, Thomas Pfeifer, erklärt. "Die Baustelle selbst läuft super. Wir liegen im Zeitplan. Der Verkehrsfluss ist aber alles andere als zufriedenstellend", stellt er fest.

Die Verkehrsführung überfordert offenbar viele. Allein am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch hat es dort sechs Mal gekracht. Den Grund hierfür glauben nicht wenige zu kennen. "Die Fahrspuren sind zu eng", sagt etwa Benjamin Schmidt aus Himmelkron, der täglich nach Bayreuth pendelt, oder auch der Geschäftsführer der "Frankenfarm", Jürgen Stübinger, der die Strecke Tag für Tag mehrmals zurücklegt.

14,5 Meter für fünf Spuren

Dass die Fahrspuren nicht breit sind, das weiß auch Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion. 14,5 Meter stehen im Baustellenbereich insgesamt zur Verfügung - für drei Spuren Richtung Berlin und für zwei Richtung München. Pfeifer kennt die Forderung, die viele haben: Aus fünf sollen vier Spuren werden, um die einzelnen Spuren breiter zu machen. Das wünscht sich auch der Zweite Himmelkroner Bürgermeister Harald Peetz (CSU). "Dann hätten die Fahrspuren eine annehmbare Breite."

Komfortabler, aber ...

Ein Argument, dem Thomas Pfeifer nicht widerspricht. "Dann wäre die A 9 Richtung Süden sicherlich komfortabler zu befahren", so der Sprecher der Autobahndirektion. Was sich in Richtung Bayreuth positiv auswirken würde, hätte seinen Worten zufolge aber negative Auswirkungen auf der Gegenfahrbahn. Würde die Fahrbahn Richtung Berlin von drei auf zwei Spuren reduziert, wären dort längere Stauungen gerade am Donnerstag und Freitag programmiert. Das habe sich bei früheren Baustellen gezeigt.

Ursachenforschung

Die Behörde sucht, wie Pfeifer mitteilt, nach Verbesserungen. Eine für alle zufriedenstellende Lösung werde es an der Strecke, die mit 70 000 Fahrzeugen am Tag die meistbefahrene in ganz Oberfranken sei, aber nicht geben. In der kommenden Woche wird der Baustellenbereich videoüberwacht, um auf Ursachenforschung zu gehen. "Wir wollen ermitteln, warum es konkret zu den Stauungen kommt, die vor allem Lastwagen trifft, die aus Richtung Hof kommen." Ein Stau, der sich vor allem mit dem Pendlerverkehr am Montag und Dienstag bilde. Pfeifer: "An den anderen Tagen ist es nicht so dramatisch." Pkw kämen ohnehin meist gut durch. Sie müssten oft nur eine längere Fahrzeit von drei bis vier Minuten in Kauf nehmen.

Einige Maßnahmen, die zu einer spürbaren Entlastung sorgen sollen, wurden bereits ergriffen. So gilt neuerdings ein Lkw-Überholverbot. Zudem wird laut Pfeifer versucht, Lastwagen, die Richtung München wollen, bereits am Dreieck Bayerisches Vogtland mit Stauwarnungen über die A 72 und A 93 Richtung Regensburg zu leiten.

Geprüft wird auch, ob die Verkehrssituation durch die Sperrung der Autobahnzufahrt Bad Berneck/Himmelkron in Richtung München verbessert werden kann. Würden keine Fahrzeuge mehr von der B 303 auf die A9 einbiegen, würde der Verkehrsfluss für Lkw auf der rechten Fahrspur der A 9 optimiert, sagt Pfeifer, der weiß, dass diese Maßnahme in Himmelkron nicht bejubelt würde.

Gastronomie hat Bedenken

"Das wäre eine Katastrophe. Nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Firmen", sagt Zweiter Bürgermeister Harald Peetz, der weiß, dass die Baustelle erst Ende 2019 abgeschlossen werden soll.

Dass die Gastronomie bei der Sperrung der Zufahrt mit einem Umsatzverlust von 50 Prozent rechnen müsste, erklärt Jürgen Stübinger von der "Frankenfarm".

Mehr Zeit, mehr Kosten

Treffen würde diese natürlich vor allem auch die Speditionsbetriebe, wie Emons-Niederlassungsleiter Stephan Meixner deutlich macht. Lastwagen, die Richtung Süden fahren, müssten dann die Ausweichstrecke über den Bindlacher Berg nehmen oder auch auf die A 9 Richtung Berlin fahren, um bei Marktschorgast zu wenden. Die Strecke über Marktschorgast wäre Meixner zufolge die bessere, weil normalerweise zeitlich kürzere, doch sei es ein Umweg von 17 Kilometern. Bei 40 Emons-Lkw am Tag, die auf der Strecke Richtung Süden unterwegs seien, würden insgesamt täglich 133 Liter mehr Sprit verbraucht. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich die Fahrer dann in den langen Stau Richtung Süden einreihen müssen. Meixner: "Für uns würde die Sperrung eine riesige zeitliche wie auch finanzielle Belastung mit sich bringen."



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