Metzdorf
Naturschutz

Baumfrevel in Kulmbach: Plötzlich war die Eiche weg

Im Wohngebiet "Alte Ziegelei" in Kulmbach-Metzdorf wird ein Baum gefällt. Ohne Grund, denn der Baum war gesund und erhaltenswert.
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Von der Eiche steht nur noch ein Stumpf. Der Grundstückbesitzer hat die Äste noch am Freitag abtransportiert. Foto: Katrin Geyer
Von der Eiche steht nur noch ein Stumpf. Der Grundstückbesitzer hat die Äste noch am Freitag abtransportiert. Foto: Katrin Geyer
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Die Empörung bei den Anwohnern des Wohngebietes "Alte Ziegelei" ist groß: Der Besitzer eines noch unbebauten Grundstücks an der Dobrachstraße hat eine alte Eiche gefällt - obwohl er dafür keine Genehmigung hatte. Auf dem Grundstück soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Die Baugenehmigung dafür hatte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung erteilt.

Video im Netz

Auf der Internet-Plattform Facebook machte am Donnerstag ein Video die Runde, das die Baumfällung zeigt: Es dauert nur kurze Zeit, bis die mehr als zehn Meter hohe Eiche, die am Boden einen Stammdurchmesser von knapp einem Meter hatte, zu Boden fällt. Am Freitagmorgen lagen die Überreste des Baums in der Wiese - bereits in handliche Stücke gesägt. Noch am Freitag hat der Grundstücksbesitzer, der aus dem Kulmbacher Oberland stammt, das Holz dann abtransportiert.

"Ein Unding", so die einhellige Meinung der Kommentatoren im Netz. Ein Unding, finden auch Anwohner aus dem Wohngebiet. Man möge sie nicht falsch verstehen, sagt eine von ihnen: "Mir geht es nicht darum, dass auf dem Grundstück nicht gebaut werden darf. Ich bin die erste, die dabei ist, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der in Kulmbach einfach fehlt."

Aber es mache sie wütend und traurig, dass hier im Handstreich ein gesunder Baum einfach beseitigt werde.

Ähnlich äußert sich ein Nachbar der Frau. Auch er kritisiert den rücksichtlosen Umgang mit der Natur. Ärgerlich ist es in seinen Augen auch, dass sich der Grundstücksbesitzer offensichtlich bewusst über Gesetze hinwegsetze.

Die Fällung des Baumes nämlich war nicht genehmigt. In der Stadt Kulmbach gibt es eine Baumschutzverordnung, wonach Bäume ab einer bestimmten Größe nur dann beseitigt werden dürfen, wenn eine Genehmigung dafür vorliegt (siehe Info unten). "Der Besitzer hat bei der Stadt einen Fällantrag gestellt", sagt Pressesprecher Simon Ries.

"Eine Genehmigung wurde aber noch nicht erteilt - und sie wäre wohl auch nicht erteilt worden, denn eine Prüfung hat ergeben, dass die Eiche gesund und erhaltenswert war."

Die Stadt hat Ries zufolge sofort reagiert, als sie von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden war. "Der Besitzer des Grundstücks wird zu einer Anhörung geladen. Da muss er sich erklären. Und je nachdem, wie sich die Sachlage dann darstellt, werden Sanktionen verhängt." Das könne eine Geldbuße sein, aber auch die Verpflichtung, anderswo Ersatzpflanzungen vorzunehmen.

Naturschutzbehörde prüft

Mit der Fällung der Eiche befasst sich mittlerweile auch die Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach. "Da der Baum offensichtlich nach dem 28. Februar gefällt wurde, stellt sich aus naturschutzrechtlicher Sicht die Frage, ob es sich um eine gärtnerisch genutzte Fläche handelt oder eine dringende Verkehrssicherungsmaßnahme erforderlich war, also ob der Baum zum Beispiel bruchgefährdet war. Nur dann kann außerhalb der vorgegebenen Schnittzeit ein Baum gefällt werden. Das müssen wir noch prüfen", sagt Pressesprecher David Buchwald auf Anfrage.

Der Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes besagt, dass Bäume, die außerhalb des Waldes oder von gärtnerisch genutzten Flächen stehen, in der Zeit vom 1. März bis 30. September nicht gefällt werden dürfen. Dieses Verbot dient dem Artenschutz: Brütende Vögel und solche, die ihre Jungen aufziehen, sollen nicht gestört werden.

David Buchwald zufolge wird die Angelegenheit geprüft. "Stellt sich heraus, dass die gesetzliche Schnittzeit hätte eingehalten werden müssen, handelt es sich um einen Verstoß, und wir leiten ein Ordnungswidrigkeitserfahren ein."

Die Bayerische Rundschau hätte gerne auch eine Stellungnahme vom Besitzer des Grundstücks eingeholt. Der aber hat auf eine Bitte um Rückruf bis zur Stunde nicht reagiert.

Geschütze Bäume Baumschutzverordnung Durch die Baumschutzverordnung der Stadt Kulmbach geschützt sind alle Bäume, die einen Stammumfang von 80 Zentimetern und mehr in 130 Zentimetern Höhe über dem Erdboden haben und innerhalb genau begrenzter Gebiete - im Wesentlichen alle Siedlungsbereiche - liegen. [...] Es ist verboten, Bäume, die unter die Schutzverordnung fallen, ohne Genehmigung der Stadt Kulmbach zu entfernen, zu zerstören oder zu verändern.

Ausnahmen Ausnahmen sind möglich, bedürfen aber der ausdrücklichen Genehmigung.

Sanktionen Verstöße gegen die Baumschutzverordnung werden nach Auskunft der Stadtverwaltung Kulmbach sanktioniert. Wie, hängt vom Einzelfall ab. Geldbußen sind ebenso möglich wie die Verpflichtung zu Ersatzpflanzungen.

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