Kulmbach

Bauernprotest: Stummes Blinken als Mahnung an die Politik

Zur Feierabendzeit sah man im Landkreis am Straßenrand blinkende Traktoren stehen. Hinter der Aktion steckt die Vereinigung "Land schafft Verbindung".
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"Sorry, aber sonst werden wir nicht gehört" mahnten die Landwirte. Die Kulmbacher Bauern wollten Solidarität mit niederländischen Landwirten zeigen und blinkten am Straßenrand. Das Blinken sollte eine Warnung an die Politik sein. Die Landwirte ärgern sich darüber, dass sie nicht genug Gehör finden würden.Sonny Adam
"Sorry, aber sonst werden wir nicht gehört" mahnten die Landwirte. Die Kulmbacher Bauern wollten Solidarität mit niederländischen Landwirten zeigen und blinkten am Straßenrand. Das Blinken sollte eine Warnung an die Politik sein. Die Landwirte ärgern sich darüber, dass sie nicht genug Gehör finden würden.Sonny Adam
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Zwei Traktoren stehen bereits um kurz nach 16 Uhr auf dem Parkplatz zwischen Lösau und Kulmbach. Weitere kommen hinzu - fast wie bestellt. Aber alles nur Zufall, beteuern die Bauern. Nein, es handelt sich nicht um eine Demonstration. Um exakt 16.30 Uhr stehen sieben Traktoren aus dem nördlichen Landkreis Kulmbach in der Parkbucht in Reih und Glied. Mehr hätten auch keinen Platz gehabt. Die Landwirte schalten die orangefarbenen Blinklichter an und wollen nur eins: die Aufmerksamkeit der Menschen, die in den Feierabend fahren.

"Wir sind die Praktiker"

Es geht wieder einmal um die Agrarpolitik - und zwar um die Agrarpolitik auf allen Ebenen. "Wir haben einfach die Schnauze voll. Das ist keine Demonstration, wir sind nur zufällig da. Aber so geht es nicht weiter", klagte Markus Münch an. Die Landwirte sind so sauer, weil auch bei den jüngsten Entscheidungen, die seitens der Politik getroffen worden sind, das Gespräch mit den Akteuren selbst nicht gesucht worden sei. "Politik wird ohne die Wissenschaft, ohne die Landwirte, die ja Praktiker sind, gemacht. Das geht doch nicht", sagt Münch und prangert an, dass doch genau dies bei den Mega-Demonstrationen in Berlin versprochen worden sei. "Tausende von Traktoren in Berlin sind anscheinend nicht genug."

Ärgernis Düngeverordnung

"Die Düngeverordnung passt nicht", erklärt Alexander Eber, ebenfalls Landwirt. Auch Eber ist in "Land schafft Verbindung" aktiv. Das als vertraulich gestempelte Regierungspapier über das Ausbringen von Gülle bringt die Landwirte erneut auf die Palme, beziehungsweise auf die Traktoren. Denn es verbietet jegliche Düngung während der Zwischenfruchtphase. "Wenn das so kommt, dann fällt die Zwischenfrucht spärlicher aus. Dann geht mehr Unkraut auf - und dann brauchen wir wieder mehr Pestizide, genau das, was man ja nicht will", sagt Eber.

Ein großes Problem sei außerdem, dass - wenn die Verordnung im nächsten Jahr in Kraft tritt - die Landwirte größere Güllelager bauen müssen. "Es ist doch sinnvoller Gülle das ganze Jahr auszubringen, nicht auf einmal", sagt Eber.

Doch das Ausbringen der Gülle ist nur ein kleiner Punkt. Auch das Walzverbot bringt die Bauern auf die Palme. "Ich bin schon gespannt, wie man diesen Zeitpunkt festlegen wird. Das soll ja auf Regierungsbezirksebene passieren - und bei uns sind Hof und Bamberg zusammen", prangert Eber an. "Ich sehe diesen festen Walztermin als problematisch an, weil wir einen hohen Wildschweindruck haben. Wir müssen walzen, damit kein Dreck im Futter ist."

Doch all diese Details sind nur Kleinigkeiten. Die Uferrandstreifen, ein Kataster, das nicht mit der Realität übereinstimmt - die Agrarpolitik sei von Pannen geprägt. "Wir stehen auf dem Parkplatz und schalten die Lichter an - bevor bei uns die Lichter ausgehen", erklärt Eber die Aktion.

Auch Uli Schmidt und andere Landwirte sind dabei. Es geht nicht darum, Verkehrsblockaden zu erreichten, sondern die Landwirte möchten auf ihre Situation aufmerksam machen. Sie möchten nur eins: gesehen, wahrgenommen, gehört werden. Mehr nicht.

Ein Zeichen setzen

Alle befürchten, dass durch die politischen Neuerungen kleine landwirtschaftliche Betriebe zur Aufgabe gezwungen werden. "Ideologische Entscheidungen sollen nicht mehr wert sein als Wissenschaft und Erfahrung von Praktikern. Wir Landwirte wollen einmal ein Zeichen setzen!", heißt es in der Presseerklärung von "Land schafft Verbindung!"

Übrigens trafen sich nicht nur in Kulmbach die Landwirte, an vielen viel befahrenen Straßen blinkten die Traktoren und trafen sich in kleinen Grüppchen. Auch in Kupferberg, Mainleus, Unterbrücklein, Himmelkron und Leuchau wurden solche "Flashmobs" durchgeführt. Die Landwirte wollten damit zeigen, dass sie vernetzt sind, dass sie solidarisch sind. Nicht nur mit den deutschen Landwirten, sondern auch mit Landwirten aus den Niederlanden. Denn dort fanden zur gleichen Zeit riesige Demonstrationen statt - auch dort geht es um das Ansehen der Landwirte, um Verordnungen und um immer schlechter werdende Bedingungen. Motto ist: "Genug geredet!"

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