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Kulmbach
Landwirtschaft

Bauern: "Wir wollen keine Sündenböcke sein"

Die Bauern in der Region hadern mit dem Bild, das sich die Öffentlichkeit von ihnen macht.
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Nur noch zwei Prozent der Gesamtbevölkerung sind Landwirte. Sie fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt.  Foto: Bayerischer Bauernverband
Nur noch zwei Prozent der Gesamtbevölkerung sind Landwirte. Sie fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Foto: Bayerischer Bauernverband
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Sie sorgen dafür, dass die Kulturlandschaft gepflegt wird und Lebensmittel ständig verfügbar sind. Aber sie fühlen sich nicht akzeptiert in einer Gesellschaft, in der sie zu oft als Sündenböcke herhalten müssen für belastete Böden und sterbende Insekten: Eine Diskussion mit Landwirten wird schnell zur Abrechnung - auch mit den Medien.

Nun ist zumindest das Verhältnis zwischen der Bayerischen Rundschau und den Landwirten in der Region ganz prinzipiell ein gutes. Diskussionswürdig ist aber doch manches. Die Redaktion nutzt einmal im Jahr die Gelegenheit, mit Vertretern des Bauernverbands (BBV), der Landfrauen, dem Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung (VlF), dem Maschinen- und Betriebshilfsring und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ins Gespräch zu kommen. Die Runde - wegen der wohlschmeckenden Mitbringsel der Gäste scherzhaft als "Bauernfrühstück" bezeichnet - erörtert dabei aktuelle landwirtschaftspolitische und gesellschaftliche Themen ebenso wie die Frage der Aufarbeitung in den Medien.

Mangelnde Wertschätzung

Hier vermissen die Gäste bisweilen die Wertschätzung für ihren Berufsstand. Noch immer sitzt der Ärger tief über das Volksbegehren für mehr Artenvielfalt ("Rettet die Bienen"). Wenn in der Zeitung ausgerechnet zum Erntedankfest die Frage gestellt werde, ob man noch Fleisch essen solle, oder wenn durch die Berichterstattung über Einzelfälle, in denen Landwirte sträflich das Tierwohl missachteten in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entstehe, alle Bauern seien so, dann sei das für die Landwirte wie ein Schlag ins Gesicht.

Ganz allgemein sieht vor allem der Bauernverband Optimierungsbedarf, was das Bild des Berufsstandes in der Öffentlichkeit angeht. Kritik übt Obmann Wilfried Löwinger auch daran, dass Gesetze oft kontraproduktiv seien. Gesetzesentscheidungen würden oft weniger auf der Basis nachprüfbarer Fakten, sondern auf der Basis von Stimmungen erfolgen. Als Beispiel nannten die Landwirte die Düngeverordnung. Wie die zugrundeliegenden Werte ermittelt wurden, sei ganz unterschiedlich. Zudem seien nicht alle Werte aktuell - das Ergebnis falle deshalb entsprechend nachteilig aus.

Michael Schmidt, seit kurzem Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, beobachtet ebenfalls eine zunehmende Emotionalisierung bei landwirtschaftlichen Themen. Erklärte Aufgabe seiner Behörde sei es, hier in gewisser Weise gegenzusteuern: "Wir wollen den Dialog mit der Gesellschaft suchen und stärken."

Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass die Landwirte oft als Sündenböcke herhalten müssten. "Wir alle haben einen Lebensstil, den wir uns eigentlich nicht leisten können. Für unser schlechtes Gewissen suchen wir dann ein Ventil. Und da trifft es dann oft die Bauern, die sich zu Recht in die Ecke gedrängt fühlen", so Schmidt, der den Zulauf zu Volksbegehren, Demonstrationen und ähnlichem als "modernen Ablasshandel" bezeichnete.

Ohne Technik geht es nicht

Zahlen zur aktuellen Situation der Landwirtschaft im Landkreis Kulmbach lieferte bei der Gesprächsrunde Werner Friedlein, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsrings Kulmbach. Demzufolge hat es 1982 im Landkreis noch etwa 2250 bäuerliche Betriebe gegeben, in denen etwa 7000 Menschen arbeiteten - also im Schnitt etwa drei Menschen je Betrieb. Die durchschnittliche Betriebsgröße habe bei 15 Hektar gelegen. Heute verzeichne man nur noch 850 Betriebe, auf denen bei einer Durchschnittsgröße von 40 Hektar im Schnitt zwei Beschäftigte tätig seien.

1982 habe man in der Region rund 33 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche registriert. Hier habe es nur geringfügige Veränderungen gegeben. "Den Bauern wird oft zum Vorwurf gemacht, dass sie mit zu viel Technik ans Werk gehen. Aber wenn immer weniger Menschen immer größere Flächen bearbeiten müssen, geht das nicht mehr wie früher mit dem kleinen Traktor oder dem Pferd vorm Pflug. Da muss einfach moderne Technik ran."

Worum es den Landwirten aber vor allem geht, erläuterte Kreisbäuerin Beate Opel. Der Bauernstand sei nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft verankert - nur noch zwei Prozent der Gesamtbevölkerung seien Landwirte. Viele Landwirtsfamilien bewirtschafteten ihre Höfe seit Generationen. "Da spielt sich auch viel im Herzen ab. Deswegen geht es vielen von uns so nahe, wenn negativ berichtet wird."

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