Kulmbach

Bauern-Protest mit dem Traktor: Auch Kulmbacher sind dabei

Hunderte von Landwirten nahmen gestern an einer Kundgebung in Bayreuth teil. Auch Kulmbacher waren dabei.
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Der Konvoi aus dem Raum Coburg/Lichtenfels wählte für die Fahrt nach Bayreuth die Route über die Bundesstraße 289. Weil im dichten Nebel ein Überholen nahezu unmöglich war, kam es, wie hier auf der Kulmbacher Nordumgehung, an vielen Stellen zu Behinderungen. Der Verkehr rollte nur langsam.Foto: Katrin Geyer
Der Konvoi aus dem Raum Coburg/Lichtenfels wählte für die Fahrt nach Bayreuth die Route über die Bundesstraße 289. Weil im dichten Nebel ein Überholen nahezu unmöglich war, kam es, wie hier auf der Kulmbacher Nordumgehung, an vielen Stellen zu Behinderungen. Der Verkehr rollte nur langsam.Foto: Katrin Geyer
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Zwischen Kulmbach und Unterbrücklein geht es an diesem Dienstagmorgen nur langsam voran: Immer wieder Traktoren, zwei oder drei hintereinander, nur 40 oder 50 Stundenkilometer langsam. Überholen? Ist im Berufsverkehr und angesichts des dichten Nebels so gut wie nicht möglich.

Ähnlich sieht es auf der Kulmbacher Nordumgehung aus. Hier ist die Schlange der Traktoren weitaus länger. An die 50 werden es alles in allem sein. Der Stau, den sie im Morgenverkehr verursachen, ist beachtlich.

Ein Bild, wie es sich in vielen Orten in Oberfranken bot. Hunderte von Landwirten haben sich am frühen Morgen in einer Sternfahrt auf den Weg nach Bayreuth gemacht. Ihr Ziel: eine Kundgebung, bei der sie deutlich machen, was ihrer Ansicht nach schief läuft im Verhältnis zwischen den Bauern und den Verbrauchern, aber auch zwischen den Bauern und der Politik.

"Es fehlt der Respekt für die Arbeit der Bauern, die Wertschätzung", schimpft Manfred Stark aus Mainleus, der seinen Traktor zwischen rund 30 anderen im Gewerbegebiet bei Unterbrücklein geparkt hat. Sein Berufskollege Manuel Faßold aus Mainroth wirft der Politik Unredlichkeit vor: Offiziell werde Politik für die Bauern gemacht. "Aber in Wirklichkeit ist das Politik gegen die kleinen Betriebe."

"Kleine Bauern" sind sie alle, die etwa 30 Frauen und Männer, die sich hier getroffen haben, um gemeinsam nach Bayreuth zur Kundgebung zu fahren: Besitzer, künftige Betreiber oder Mitarbeitende in Familienbetrieben. So, wie Kurt Hacker aus Dreschenau und sein Sohn Horst, die den Kulmbacher Part der Sternfahrt organisiert haben, und die nun Aufkleber und Banner für die Traktoren verteilen.

"Für alles verantwortlich"

Immer wieder wird Ärger laut darüber, dass die Bauern in der öffentlichen Wahrnehmungen diejenigen sind, die schuld sind am Insektensterben und der Nitratbelastung des Trinkwassers, die Pflanzen und Tieren schaden.

"Wir werden für alles verantwortlich gemacht", sagt Manfred Stark. "Dabei ist doch die Nachhaltigkeit der zentrale Punkt unserer Arbeit. Die Natur ist unser Kapital. Und mit diesem Kapital gehen wir sorgsam um."

Das wollen die Bauern bei der Kundgebung an der Tierzuchtklause im Bayreuther Westen deutlich machen, wollen damit auch die Verbraucher aufrütteln: Faire Preise, regionale Produkte, mehr Wertschätzung der Arbeit in den Familienbetrieben - das wünschen sie sich.

Für mehr Wertschätzung

Was sie sich wünschen? Dass ihre Arbeit mehr geschätzt wird, dass sie nicht verunglimpft werden. "Wenn du früher gesagt hast, dass du Bauer bist, warst du das Depperla", sagt Manfred Stark. "Heute wirst du beschimpft und die Kinder werden in der Schule gemobbt."

Darum geht es beim Protest der Landwirte

"Land schafft Verbindung" Unter diesem Motto standen die Kundgebungen von Landwirten, die gestern bundesweit stattfanden. Die zentrale Veranstaltung für Oberfranken fand in Bayreuth statt. Bei der Sternfahrt dorthin waren zeitweise bis zu 1000 Traktoren auf den Straßen unterwegs.

Was wollen die Landwirte? Mehr Wertschätzung für ihren Berufsstand. Sie fühlen sich zu Unrecht verunglimpft als diejenigen, die der Natur Schaden zufügen. Außerdem wehren sich die Bauern gegen eine steigende Belastung durch die Bürokratie. Die Demonstrationen sollen ein "Weckruf an die Verbraucher" sein. Die will man daran erinnern, regional einzukaufen.

Wie argumentieren die Bauern? Sie berufen sich darauf, dass die Natur die Grundlage ihrer Arbeit sei, dass es also in ihrem Interesse liege, sorgsam mit der Natur umzugehen und nachhaltig zu wirtschaften. gey

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