Kulmbach
Landwirtschaft

Bauern im Kreis Kulmbach warten sehnsüchtig auf den Regen

Sonnig und warm - für die meisten Menschen der perfekte Start ins Frühjahr. Doch die Bauern warten sehnsüchtig auf Regen. Die wenigen Liter der letzten Tage reichen nicht, um die ausgetrockneten Felder zu bewässern. Die Situation der Landwirte im Landkreis Kulmbach ist Thema einer neuen Serie.
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Wilfried Löwinger betrachtet die Entwicklung der Wintergerste auf seinem Acker. Noch ist alles im grünen Bereich, doch die Pflanzen brauchen jetzt dringend einen kräftigen Regen.  Foto: Jochen Nützel
Wilfried Löwinger betrachtet die Entwicklung der Wintergerste auf seinem Acker. Noch ist alles im grünen Bereich, doch die Pflanzen brauchen jetzt dringend einen kräftigen Regen. Foto: Jochen Nützel
Sorgenvoll schaute Wilfried Löwinger in den letzten Wochen täglich zum Himmel und auf seine Felder. Kaum ein Wölkchen zu sehen, kein Tropfen Regen. Die Böden auf den Feldern sind hart und trocken. Keine guten Voraussetzungen für das Wachstum des Getreides. Jetzt atmet der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands auf, denn zumindest ein wenig Regen ist gefallen, noch etwas mehr ist angekündigt.

"Die Trockenheit ist bedrohlich für uns, aber auch nicht total außergewöhnlich", sagt Löwinger. "Solche Situationen gab's schon immer. Heuer hatten wir allerdings den trockensten März seit Jahrzehnten." Das Problem: "Wir hatten auch keine Winterfeuchte, weder in Form von Schnee noch von Regen. Die Wassersättigung der Böden ist dadurch sehr gering."

Und noch ein Faktor verschärft die Lage: "Wir hatten im Winter keinen richtigen Frost. Hätten wir gefrorenen Boden gehabt, wäre ein stärkerer Wasserzufluss von unten da. Aber so kommt von oben und von unten kein Wasser."

Zwei Liter sind viel zu wenig
Deshalb sind die wenigen kurzen Regenfälle der letzten drei Tage auch nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. "Das waren nur etwa zwei Liter pro Quadratmeter. Die haben gerade mal Staub gewischt und die Blätter erfrischt, aber für den Boden noch nicht viel gebracht. Mindestens zehn Liter, besser 20 bis 30 pro Quadratmeter bräuchte die Landwirtschaft jetzt: "Mal ein richtig ordentlicher Landregen über ein paar Stunden - das wäre ideal."

Das ist nicht nur nötig, damit die Saat aufläuft und die Jungpflanzen gut versorgt sind. "Auch das Futterwachstum auf den Wiesen beginnt. Wenn da der Regen fehlt, reduzieren sich die Mengen, und vom letzten Jahr gibt's kaum Vorräte."

Wenig Wasser ist Anfang April normalerweise noch nicht dramatisch, "aber durch die Wärme ist die Vegetation drei Wochen voraus". Wilfried Löwinger hofft, dass die Natur das noch regelt: "Die Natur versucht immer, solche Mangelsituationen auszugleichen, aber oft kommt das zu spät, und dann haben wir echte Probleme."

Für Prognosen noch zu früh
Welche Kulturen sind besonders betroffen? "Im Moment sind es vor allem Wintergetreide, Winterweizen, Wintergerste und Raps", sagt der Harsdorfer Landwirt. Für Prognosen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Ernte 2014 ist es jetzt noch zu früh. "Wir sind gewöhnt, dass es im Lauf des Jahres immer wieder nasse und trockene Perioden gibt. Ein richtig normales Jahr kann man auch schon als Extremjahr betrachten. Optimale Verhältnisse gibt's genauso selten wie zu nass oder zu trocken. Man muss das realistisch sehen, lamentieren bringt nichts. Wenn man mit der Natur arbeitet, muss man einfach mit gewissen Situationen leben." Wichtig ist aus der Sicht des Bauernvertreters, dass im Durchschnitt der Jahre die Erträge passen.

Für 2014 sei noch nichts verloren, sagt Wilfried Löwinger. Sollte der April ebenfalls sehr trocken werden, wird's aber kritisch. Das gilt nicht nur für Wiesen und Felder, sondern auch für den Wald. Löwinger ist besorgt wegen der "enormen Borkenkäfergefahr". Das trockene Frühjahr begünstigt die Vermehrung dieses gefürchteten Schädlings. "Das kann vor allem bei den Fichten ein Problem werden."


Zum Interview mit dem Leitenden Landwirtschaftsdirektor Guido Winter geht eshier.

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