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Hohenberg
Porträt

Bauamtsleiter Ott geht in Ruhestand

Manfred Ott könnte ein Buch über sein Berufsleben als Bauamtsleiter und stellvertretender Leiter der Verwaltungsgemeinschaft Marktleugast schreiben. Künftig treibt er aber lieber Sport und singt.
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Ständig auf der Suche nach neuen Liedern für das Wirtshaussingen: Manfred Ott. Foto: Matthias Beetz
Ständig auf der Suche nach neuen Liedern für das Wirtshaussingen: Manfred Ott. Foto: Matthias Beetz
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Was hat das Bauamt einer Verwaltung mit Ehestreitigkeiten zu tun? Welchen Bauhofmitarbeiter hat ein ehemaliger Verwaltungsleiter auf der Fahrt mit dem Spurschlitten in dichtem Schneetreiben schlichtweg verloren. Und welcher Bürgermeister musste sich einst am Schlawittchen packen lassen?

Wer Antwort auf diese Fragen haben möchte, braucht nur nachzufragen bei Manfred Ott. Für Antworten hat er jetzt auch Zeit. Am Dienstag wurde der langjährige Leiter des Bauamts und stellvertretende Leiter der Verwaltungsgemeinschaft Marktleugast in den Ruhestand verabschiedet.

Dass der gebürtige Hohenberger die lustigsten Ereignisse in seiner 30-jährigen Karriere im Marktleugaster Rathaus sofort parat hat, spricht für seine Natur.
Denn Ott war nicht nur einer der wichtigsten Mitarbeiter, sondern auch einer mit einer gehörigen Portion Humor.

Einer der Besten in Bayern

Dabei hätte nicht viel gefehlt und Manfred Ott hätte die Dame im Rathaus verpasst, die ihn allen Ernstes aufforderte, dem trinkfesten Ehegatten einmal die Lebenshaltungskosten vorzurechnen und die Leviten zu lesen. Denn Manfred Ott schwankte nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsangestellten, die er damals als einer der Besten in ganz Bayern absolvierte, zwischen zwei Arbeitsplätzen: dem Landratsamt Kulmbach, wo er 1980 nach achtjähriger Tätigkeit beim BGS seine Verwaltungsanwärterstelle angetreten hatte, und eben dem Marktleugaster Rathaus. "Das war die schwierigste Entscheidung meines ganzen Lebens", erinnert sich der 60-Jährige.

Hätte sich Ott für das Landratsamt entschieden, dann wäre ihm die enge Zusammenarbeit mit gleich sechs Bürgermeistern in den Gemeinden Marktleugast und Grafengehaig entgangen. Eine Zusammenarbeit, die freilich sehr viel Einsatz abverlangte. "In den ersten zehn bis 15 Jahren war Marktleugast ja nur Baustelle. Kanal, Wasser, Hochwasserfreilegung, Straßenbau - ganz Marktleugast war aufgegraben", erzählt der Hohenberger, der auch den Bau von fünf Kläranlagen im Gemeindebereich Grafengehaig begleitete. Bei einem dieser Projekte, so erinnert sich Ott, ging jemand dem damaligen Bürgermeister Hans Burger wütend an den Kragen.

Bauplanungen, Abwicklungen, Zuschussanträge und die dazugehörigen Verwendungsnachweise, Bauabwicklungen und -abnahmen - 30 Jahre bestimmten sie den Tagesablauf des Hohenbergers. Im Nachhinein, so schätzt Manfred Ott, dürften es zweistellige Millionenbeträge gewesen sein, die er rückwirkend bis in die 1960er Jahre abzurechnen hatte. Und viele Millionen kamen später hinzu. "Dass man da nicht immer der Beliebteste im Rathaus war, ist ja klar."

Besonders viel Aufwand machte der Umbau des Knarrhauses. "Damals waren 42 Gewerke ausgeschrieben. Die Angebotseröffnung allein dauerte drei Tage von früh bis abends."

Dass der Hohenberger, der auch als Standesbeamter tätig war, ein Faible für Computertechnik entwickelte, bescherte ihm Ende der 1980er Jahre obendrein den Posten des EDV-Beauftragten im Rathaus, der bisweilen 50 Prozent seiner Arbeitszeit aufbrauchte.

Fußball, Radeln und Musik

Dass Manfred Ott künftig viel Zeit für seine Hobbys hat, freut ihn natürlich. 38 Jahre hat er aktiv Fußball gespielt, seit mehr als 30 Jahren arbeitet der Club-Fan im Vorstand des FC Hohenberg mit. Und daran will er vorerst auch nichts ändern.

Mehr Zeit will er künftig dem Radsport widmen. Bei 5000 Kilometern pro Jahr wird es wohl nicht mehr bleiben. "Ich möchte jetzt verstärkt Touren machen", sagt der Hohenberger, der schon in ganz Deutschland auf zwei Rädern unterwegs war.

Momentan freilich rangiert die Musik an erster Stelle. Manfred Ott war im vergangenen Jahr der Initiator für das Hohenberger Wirtshaussingen, das jeden ersten Freitag im Monat im FC-Sportheim über die Bühne geht. Seitdem sammelt er Liedtexte, um sie in das eigens angelegte Liedheft zu übernehmen. "Den Leuten gefällt das. Mit über 50 Personen hatten wir jetzt nach der Sommerpause einen Rekordbesuch", freut sich der 60-Jährige. "Selbstgesungene Lieder, dazu Witze, Geschichten und eine Brotzeit - das passt."

Im Winter wird er wieder die Langlaufskier anschnallen und auch tagsüber seine Runden am Walberngrüner Gletscher drehen können. Dass er dort Gerd Fischer mit dem Spurschlitten treffen wird, ist unwahrscheinlich. Der ehemalige Marktleugaser Verwaltungsleiter transportiert auch bei Schneechaos keine Bauhofmitarbeiter mehr, er ist längst in Ruhestand ...

"Ein Glücksfall"

Manfred Ott wurde jetzt auch offiziell verabschiedet. Bürgermeister Norbert Volk und Verwaltungsleiter Michael Laaber würdigte seine Kollegialität und seine Kompetenz.

Ebenfalls verabschiedet wurde Wieland Oelschlegel, der 1991 als Gemeindearbeiter in den Dienst der Gemeinde Grafengehaig trat. Bürgermeister Werner Burger zitierte aus dem Lebenslauf seines scheidenden Mitarbeiters: Berufserfahrung auf sämtlichen Kipper- und Schneeräumfahrzeugen sowie als Kraftfahrer und Bauhelfer im Baugewerbe, speziell Tiefbau. "All diese Kenntnisse waren für den Markt Grafengehaig sehr von Vorteil bei seiner Tätigkeit im Bauhof und als langjähriger Vorarbeiter", betonte der Bürgermeister. Und weiter: "Der Wieland war ein Glücksfall für unsere Marktgemeinde. Er hat alles bestens erledigt. Der Bauhof arbeitete mit ihm und seinen beiden Kollegen über die Jahre viel in Eigenverantwortung und ist das Aushängeschild unserer Oberlandgemeinde."
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