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Awo sucht Alltagshelfer mit Herz und Geduld

Im Awo-Mehrgenerationenhaus in Mainleus startet im Oktober eine besondere Schulung zum Alltagsbegleiter.
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Spielerische Vorbereitung: Die Leiterin des Awo-Mehrgenerationenhauses in Mainleus, Ingrid Wagner (Mitte), im Gespräch mit Heidi Pitroff (rechts) vom ehrenamtlichen Helfer/innenkreis und Regina Stein, die für ihren demenzkranken Mann das Betreuungsangebot  der Arbeiterwohlfahrt in Anspruch nahm.Jochen Nützel
Spielerische Vorbereitung: Die Leiterin des Awo-Mehrgenerationenhauses in Mainleus, Ingrid Wagner (Mitte), im Gespräch mit Heidi Pitroff (rechts) vom ehrenamtlichen Helfer/innenkreis und Regina Stein, die für ihren demenzkranken Mann das Betreuungsangebot der Arbeiterwohlfahrt in Anspruch nahm.Jochen Nützel

Regina Stein kennt die segensreiche Tätigkeit der ehrenamtlichen Demenzbegleiter. Als ihr Mann zunehmend durch seine Erkrankung zum Betreuungsfall wird, kommt Heidi Pitroff ins Spiel - und ihr besonderes Gespür für Menschen. Sie lässt sich auf den zunehmend der Wirklichkeit entrückten Mann ein, unternimmt Spaziergänge mit ihm, liest ihm vor. Die zwei Stunden verschaffen Regina Stein Luft im Alltag, in dem sich ansonsten faktisch rund um die Uhr um ihren Gatten dreht - Tag und Nacht. Sie findet Zeit, sich zu entspannen, mal wieder Kaffee mit einer Freundin zu trinken. "Das ist eine wunderbare Hilfe."

Diesen ehrenamtlichen Helferkreis Mainleus/Kulmbach gibt es seit 2015. Nun soll sich das Angebot aber nicht mehr nur an Familien mit Demenzkranken allein richten, sondern breiter gefächert werden. "Bisher war es den Ehrenamtlichen innerhalb der Betreuungsstunden nicht möglich, Verrichtungen im Haushalt oder Einkäufe zu tätigen. Das geht ab sofort mit den Alltagsbegleitern", sagt Ingrid Wagner, Leiterin des Awo-Mehrgenerationenhauses in Mainleus. Die Ausbildung dafür startet im Oktober (siehe Infokasten unten). "Ich fand es wichtig, das anzubieten. Aus meinen Erfahrungen im Beratungs- und Betreuungsdienst weiß ich, dass es für alle Seiten ein Gewinn ist: für die Kranken, deren Angehörige - und für die Helfer selber." Alter habe einen Wert an sich, sei nicht bloß Krankheit und Siechtum, sondern spiegele die Weisheit der Menschen wider. "Sie spüren, da ist jemand, der sich Zeit nimmt. Deswegen sollten die Betreuer nicht per se den Kranken sehen, sondern eine Person, die es wert ist, sich mit ihr abzugeben - bei allen Eigenheiten."

Die Heilpädagogin macht deutlich, dass sich Angehörige möglichst frühzeitig solche Hilfe von außen holen sollen. "Oft denkt man, es geht schon. Dann kommt die Erkenntnis, dass es eben nicht geht - dann kann es zu spät sein, um schnell die nötige Unterstützung von außen zu bekommen."

Regina Stein kann das bestätigen. "Man macht sich lange vor, man könnte es alleine schaffen, nebenher zum Job einen pflegebedürftigen Menschen zu betreuen. Das ist ein Trugschluss, dem man aufsitzt."

Heidi Pitroff kennt das aus ihrer langjährigen Praxis. Sie geht seit einigen Jahren in die Familien - und muss sich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen. "Ich weiß, dass Angehörige oft Scheu haben, sich helfen zu lassen. Aber es ist absolut keine Schande, im Gegenteil."

Ihr selber gibt die Zeit bei den Betroffenen viel, wie sie berichtet. "Meine Eltern sind relativ früh verstorben, aber ich bin gerne mit älteren Menschen zusammen." Natürlich muss sie sich auf ihr Gegenüber einlassen. Muss sich Zeit nehmen. Hektik ist absolut fehl am Platz, Geduld lautet das Zauberwort. "Da kann es auch sein, dass ich wieder und wieder die gleiche Geschichte von Flucht und Vertreibung im Krieg höre. Aber wenn es dem anderen wichtig ist, dann darf und soll er erzählen. Menschen mit Demenz leben in ihrer Welt - und auf die muss ich mich einlassen, nicht umgekehrt. Wenn also jemand im Sommer Weihnachtsgeschenke aussuchen möchte, dann blättere ich mit ihm eben Kataloge durch."

Hilfe im Haushalt

Die Alltagsbegleiter dürfen in ihrem Betätigungsfeld mehr als das: Sie sind explizite Hilfe im Haushalt - aber mit genau definiertem Inhalt, wie Ingrid Wagner bestätigt: "Sie können und sollen Essen kochen, aber eben mit dem Betroffenen zusammen. Es soll also nicht sein, dass der Betreute vor dem Fernseher sitzt, während der oder die Ehrenamtliche die Wohnung putzt." Medikamente dürfen die Alltagshelfer übrigens nicht verabreichen. Überhaupt sind pflegerische Tätigkeiten tabu. Das hat, so Ingrid Wagner, einen simplen Grund: "Wir wollen die Pflegedienste ergänzen, aber in keinem Fall ersetzen."

Wissenswertes zur Schulung

Kurs Die Awo Mainleus bietet in Kooperation mit dem Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimergesellschaft eine Schulung für ehrenamtliche und nichtehrenamtliche Helfer/innen zum Alltagsbegleiter nach Paragraf 45a Sozialgesetzbuch XI an. Mit dieser Qualifizierung können Personen zur Unterstützung in Familien mit pflegebedürftigen

Angehörigen eingesetzt werden. Für die ehrenamtlich tätigen Personen übernehmen das Mehrgenerationenhaus Mainleus und der Beratungs- und Betreuungsdienst der Arbeiterwohlfahrt die Anleitung und Vermittlung.

Inhalte: Der Kurs ist zweigeteilt. Block eins dreht sich um die Betreuung Pflegebedürftiger, Kommunikation und Begleitung (ab 10. Oktober, 30 Unterrichtseinheiten). Block 2 (ab 27. Oktober) vermittelt Informationen zur Unterstützung im Haushalt (10 Einheiten). Die Leitung übernimmt eine Referentin der Alzheimergesellschaft. Die Teilnahme kostet 80 Euro, Anmeldeschluss ist Freitag, 27. September.

Teilnehmer Jeder, der volljährig ist, kann sich für den Kurs anmelden. Gedacht ist er unter anderem für Menschen, die rüstig in Rente gegangen sind und eine sinnvolle Beschäftigung suchen; für jüngere Menschen, die neue Berufsfelder kennenlernen möchten oder bereits als ungelernte Kraft oder als Betreuerin in der Altenhilfe tätig sind; für Angehörige, die betreuen und pflegen.

Der Kurs ist auf maximal 20 Personen begrenzt.

Berechtigte Einen Alltagsbegleiter (nach § 81 Nr. 5 AVSG) können Menschen ab Pflegestufe 1 beantragen. Das können Rollstuhlfahrer sein, Menschen mit epileptischen Anfällen, aber auch Demenzkranke.

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