Kulmbach
Interview

Autorin Leonie March über Integration: "Wichtig ist es, offen zu sein"

Die Autorin Leonie March liest demnächst in Kulmbach. Von ihren Erfahrungen in Afrika könnten auch die Menschen in Deutschland profitieren.
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In Südafrika ist Nelson Mandela auch fünf Jahre nach seinem Tod unvergessen. Die Autorin Leonie March ist auf seinen Spuren durch Südafrika gereist.Foto: dpa/Raminder Pal Singh
In Südafrika ist Nelson Mandela auch fünf Jahre nach seinem Tod unvergessen. Die Autorin Leonie March ist auf seinen Spuren durch Südafrika gereist.Foto: dpa/Raminder Pal Singh
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Sie ist Journalistin und Autorin mit einer großen Leidenschaft für Afrika. Seit vielen Jahren berichtet sie immer wieder von dort, seit fast zehn Jahren lebt sie dort. Nun hat Leonie March ein Buch geschrieben.

In "Mandelas Traum - Meine Reise durch Südafrika", in dem sie unzählige Eindrücke und Erfahrungen verarbeitet.

Vieles davon ist für uns Deutsche, die wir derzeit intensiv über Migration, Integration und eine multikulturelle Gesellschaft diskutieren, durchaus nachdenkenswert. Sie haben nicht nur beruflich, sondern auch privat Südafrika zu ihrem Hauptthema gemacht. Woher kommt Ihre Leidenschaft für dieses Land? Leonie March: Mein Vater stammt aus Angola, deshalb hatte ich schon als Kind eine Beziehung zum afrikanischen Kontinent. 1990 - da war ich in der elften Klasse - ging ich zum Schüleraustausch nach Südafrika. Da war Nelson Mandela eben aus dem Gefängnis freigekommen. Schon damals hat mich das Land begeistert.

2002 habe ich im Rahmen eines Journalistenaustauschs Südafrika erneut für zwei Monate besucht.Von da an war ich dann jedes Jahr zwei Monate lang in Südafrika und den Nachbarländern unterwegs. Meinen Mann habe ich in Berlin kennengelernt. Er stammt aus Südafrika.

Seit 2009 leben wir gemeinsam dort und ich berichte für verschiedene Printmedien und Rundkfunksender. Südafrika ist für die meisten Menschen ein weitgehend unbekanntes und auch nicht sonderlich interessantes Land - wenn nicht gerade die Fußball-Weltmeisterschaft dort ausgetragen wird. Glauben Sie, dass Sie mit ihrem Buch eine breite Leserschaft erreichen? Ich denke schon! Wer das Land noch nicht oder nicht gut kennt, erhält einen Einblick in die unterschiedlichen Kulturen, die es dort gibt, erfährt etwas aus der Geschichte... er erfährt, wie dieses Land tickt. Und Menschen, die mehr Kenntnisse haben, haben mir schon signalisiert, dass das Buch, weil es manches in einen breiten Kontext einbettet, dazu geeignet ist, vorhandenes Wissen zu vertiefen. In Südafrika ist die multikulturelle Gesellschaft alltägliche Realität. Was funktioniert gut, was weniger gut? Südafrika war, im Gegensatz zu Deutschland, schon immer ein Einwanderungsland. Außerdem leben viele Völker schon seit Jahrhunderten hier. Es gibt viele unterschiedliche Regionen, alle Weltreligionen sind vertreten. Und es gibt keine Probleme. Anders ist das, wenn es um die vielen unterschiedlichen Hautfarben geht. Auch da gibt es im Alltag wenig Konflikt, das mischt sich. Aber privat suchen sich viele Menschen ihre Freunde dann doch wieder in ihrem Kreis. Schwierig wird es immer dann, wenn es eng wird. Derzeit zum Beispiel steigt die Arbeitslosigkeit, da kommen historische Konflikte wieder hoch. Sie waren bei den Recherchen für Ihr Buch auch in abgelegenen Gegenden unterwegs, wo Touristen nicht hinkommen. Haben Sie da nicht manchmal Angst? Angst in dem Sinn habe ich nicht. Aber ich bin wachsam. Wo es gefährlich werden könnte, sichere ich mich ab, bin dann auch oft in Begleitung unterwegs und sorge dafür, dass ich die richtigen Telefonnummern im Handy gespeichert habe. In Deutschland wird derzeit viel über Flüchtlinge, Migration und Integration diskutiert. Gibt es etwas, was wir Deutschen von Südafrika lernen können? Gesellschaftliche oder politische Strukturen, die der Integration dienen sollen, sind das eine. Das andere sind die Menschen, die aufeinander zugehen müssen. Das dauert aber seine Zeit. Aber wenn man miteinander spricht, verschwinden Grenzen.

In Südafrika scheitert das allerdings oft an der Tatsache, dass es hier elf offizielle Landessprachen gibt: Man versteht sich einfach nicht. Was raten Sie uns Deutschen in der gegenwärtigen Situation? Wichtig ist es, offen zu sein, keine Berührungsängste dem Fremden gegenüber zu haben. Man sollte aufeinander zugehen. Integration ist keine Einbahnstraße. Man sollte immer auch fragen, ob wir nicht auch etwas von Menschen aus anderen Kulturkreisen lernen können. Zur Person Journalistin und Autorin Leonie March ist 1974 geboren und lernte Südafrika während eines Schüleraustausches kennen. Später war sie dort immer wieder beruflich unterwegs. Seit 2009 lebt sie dort mit ihrem Mann, einem Südafrikaner, und berichtet für deutschsprachige Medien.

Zum Buch"Mandelas Traum - Meine Reise durch Südafrika" ist der Titel des neuen Buches von Leonie March, das im April diesen Jahres auf den Markt gekommen ist. Erschienen ist es im DuMont Reiseverlag (ISBN: 978-3-7701-8289-3). Das Buch kostet 14,99 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

Lesung Leonie March liest am Freitag, 5. Oktober, um 19 Uhr in der Buchhandlung Friedrich am Holzmarkt 12 in Kulmbach aus ihrem neuen Buch. Begleitend dazu gibt es die Fotoausstellung "Afrika" von Manfred Ströhlein (Fotoclub Mainleus) zu sehen. Die Lesung von Leonie March ist Teil des Programms der diesjährigen Interkulturellen Woche in Kulmbach. gey



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