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Autobahnbrücke bei Thurnau wächst: Drei Pfeiler stehen schon

Die alte Friesentalbrücke bei Thurnau, über die die A 70 führt, ist abgerissen worden. Noch vor dem Winter soll der Verkehr auf dem Neubau fließen.
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Der linke Brückenpfeiler ist schon betoniert, der rechte wächst gerade in den Himmel. Zwei weitere Pfeiler sind noch zu erstellen, ehe der Überbau in Angriff genommen werden kann. Foto: Sonny Adam
Der linke Brückenpfeiler ist schon betoniert, der rechte wächst gerade in den Himmel. Zwei weitere Pfeiler sind noch zu erstellen, ehe der Überbau in Angriff genommen werden kann. Foto: Sonny Adam
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Ein Unglück wie jüngst im italienischen Genua könnte in Deutschland wegen der engmaschigen Brückeninspektionen und wegen der strengen Vorschriften des Bundesamts für Straßenwesen nicht passieren. Darüber sind sich Thomas Pfeifer und der Brückenverantwortliche Georg Müller von der Autobahndirektion Nordbayern einig.

Hierzulande versuche man stets, rechtzeitig zu sanieren. Aktuelles Beispiel ist die Friesentalbrücke bei Thurnau, über die die A 70 führt.

Strenge Vorschriften - europaweit

Eigentlich sind es ja zwei Brücken. Die mit den beiden Fahrbahnen Richtung Bayreuth wurde 1989 neu gebaut und ist noch absout stabil. Das Bauwerk mit den Fahrbahnen Richtung Bamberg jedoch stammt aus dem Jahr 1961. "Damals galt eine Normtraglast von 60 Tonnen. Anfang der Neunziger ging man von einer Belastungsfähigkeit von 60 plus 30 aus. Das bedeutet, eine Brücke muss einen Sechzig- und einen Dreißigtonner gleichzeitig tragen können", erklärte Georg Müller bei einem Ortstermin.

Inzwischen seien die Vorschriften verändert worden - und zwar europaweit. Nach den neuen Bestimmungen habe Handlungsbedarf bestanden. "Zudem wurde beim Bau Spannstahl eingesetzt. Dieser hätte unter bestimmten Umständen zu einem Versagen ohne vorherige Ankündigung neigen können", so Thomas Pfeifer.

10000 Tonnen Beton werden verbaut

In den vergangenen Wochen wurde deshalb die alte Brücke komplett abgerissen. Jetzt wächst ein neues, tragfähiges und den neuesten Vorschriften entsprechendes Bauwerk in den Himmel. Drei Pfeiler sind bereits betoniert, der vierte ist im Entstehen. Die Schalung ist schon perfekt. Jetzt kann der Beton fließen.

Es sind danach noch zwei weitere Pfeiler notwendig, ehe der Überbau gefertigt werden kann. Fest steht, dass die neue Fahrbahn Richtung Bamberg noch vor dem Winter fertig sein soll. Die Friesentalbrücke hat eine Länge von 122,7 Metern und eine maximale Höhe von 17 Metern. Mehr als 10 000 Tonnen Beton werden verbaut.

Die örtliche Bauleitung hat Bernhard Dirrigl inne. "Der Bauzeitenplan verzögert sich ein bisschen. Aber wir werden vor dem Winter fertig", ist er zuversichtlich. Nötig ist dies vor allem deshalb, weil der Verkehr derzeit nicht nur auf der Autobahnbrücke eingeengt wird.

Bald mehr Durchblick

Eng mit der Friesentalbrücke verknüpft ist nämlich die Unterführung der Kreisstraße KU 17 zwischen Thurnau und Limmersdorf. Und die wird beidseitig neu gebaut und soll künftig deutlich ansprechender aussehen. "Wir haben ein Gestaltungsbeispiel der A 3 zum Vorbild genommen. Sie soll einen erweiterten Durchblick bekommen", erklärte Georg Müller. Die Brücke solle so heller und freundlicher werden - mit schrägen Widerlager.

"Wir träumen derzeit davon, dass wir in wenigen Tagen betonieren können", sagte Müller und schmunzelte. "Unser größtes Problem ist der Fachkräftemangel. Selbst große Firmen haben Probleme, genug Leute zu finden", ergänzte Pfeifer.

Wie einst in Babylon

Auf der Baustelle herrscht aktuell ein geradezu babylonisches Sprachengewirr. Tschechische, rumänische und türkische Männer sind am Werk. Wichtig ist, dass in jeder Sprachgruppe wenigstens ein Arbeiter deutsche Kommandos übersetzen kann. Sonst wäre eine Verständigung unmöglich.

Bauleiter der Firma Bögl ist Waldemar Schewalje. Er stammt ursprünglich aus Kasachstan, hat jedoch in Deutschland die Schule besucht, Fachabitur gemacht und Bauingenieur studiert. "Urlaub gibt es im Sommer bei uns nicht. Wir haben so viel zu tun", sagte er.

In Spitzenzeiten seien auf den beiden zusammenhängenden Baustellen bis zu 40 Arbeiter beschäftigt.

Schon wieder klingelt das Telefon des Bauleiters. Ein Subunternehmer kann plötzlich doch nicht genug Arbeitskräfte bereitstellen. "Der Markt ist leergefegt, weil überall gebaut wird", kennt Schewalje das Dilemma. Aber er hat kein Verständnis dafür, wenn Zusagen nicht eingehalten werden. Aktuell wird an der Autobahn im Zwei-Schicht-Betrieb von morgens 7 bis abends um 21 Uhr gewerkelt.

Künftig rund um die Uhr?

"Ich selbst bin von 7 Uhr bis 18 Uhr da, nur freitags arbeiten wir ein bisschen kürzer", so Schewalje. Sollte sich der Termindruck verschärften, werde der Schichtbetrieb auf 24 Stunden ausgedehnt.

Schewalje geht davon aus, dass die Bausaison auch in diesem Jahr bis 20. Dezember geht. "Normalweise geht es am 7. Januar weiter, wenn der Winter sehr eisig wird, erst am 14.Januar", sagte er.

Die Brücken über die Kreisstraße KU 17 und das Friesental kosten insgesamt 12,5 Millionen Euro. Die Kosten trägt die Bundesrepublik Deutschland.



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