Kulmbach
Beruf

Ausbildungsplätze sind noch zu haben

Kurz vor dem Start in das neue Ausbildungsjahr gibt es immer noch freie Stellen. Es lohnt sich immer noch, sich kurzfristig zu bewerben.
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Andrè Huber an seinem Arbeitsplatz bei Baumann Druck in Kulmbach. Das erste Ausbildungsjahr hat er fast geschafft.Foto: Stefanie Gleixner
Andrè Huber an seinem Arbeitsplatz bei Baumann Druck in Kulmbach. Das erste Ausbildungsjahr hat er fast geschafft.Foto: Stefanie Gleixner

Demnächst steht Bäcker Claus-Jürgen Dippold in seiner Backstube in Melkendorf ohne Auszubildenden da. Eigentlich hatte der 51-jährige Inhaber des Familienbetriebs einen Lehrling - doch der junge Mann eröffnete dem Chef jüngst, dass er nach dem ersten Jahr nicht weitermachen werde. Begründung: die Arbeitszeiten, vor allem das frühe Aufstehen. "Er wechselt in eine ganz andere Branche, und ich werde ihm keine Steine in den Weg legen", sagt Dippold und ergänzt: "Ich bin ihm nicht böse. Weder er noch ich haben was davon, wenn er sich drei Jahre durchschleppt, obwohl er für sich keine Zukunft im Bäckerhandwerk sieht."

Einen Ersatz hat Dippold bislang nicht gefunden. "Es haben sich bei uns einige Praktikanten vorgestellt, da wäre auch der eine oder andere passende Kandidat dabei gewesen - aber da war halt noch nicht absehbar, dass unser Azubi aufhört und wir einen brauchen." Jetzt sucht der Bäckermeister, der seit 25 Jahren in seinem Betrieb ausbildet.

"Glück gehabt mit Lehrlingen"

Wie er die"Qualität" des potenziellen Nachwuchses in seinem Handwerk einschätzt? "Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich oft Glück gehabt habe mit den Lehrlingen bei mir im Laden. Da ich aber auch viele Prüfungen abgenommen habe, weiß ich, dass es bei nicht wenigen Jugendlichen am Elementarsten fehlt und man bei der Ausbildung gar nicht groß zum Fachlichen kommt, weil man erst einmal Grundsätzliches beibringen müsste."

"Wir haben nicht einmal Bewerbungen für unsere Ausbildungsplätze erhalten", sagt Klaus Münster, Chef des Bedachungsgeschäfts K. Münster in Ziegelhütten. Seit 1981 bildet das Unternehmen Dachdecker und Klempner im eigenen Betrieb aus. "Dieses Jahr ist nicht das erste Mal, dass wir die beiden Stellen bei uns nicht besetzen können. Bereits 2017 haben wir leider keine Azubis bekommen", muss Klaus Münster feststellen.

In den vergangenen Jahren habe sich die Situation immer mehr verschärft. Noch vor zehn Jahren sei es einfacher gewesen, geeignete Bewerber zu finden.

Das sagt die Statistik

Und was sagt die offizielle Statistik der Agentur für Arbeit? Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres gibt es demnach in Stadt und Landkreis Kulmbach noch 299 offene Stellen - aber nur noch 112 Jugendliche sind auf der Suche. Die Zahlen zeigen, dass das Fehlen der Bewerber kein Einzelfall ist. Es gibt mittlerweile wesentlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. "Gründe dafür können sein, dass die Vorstellungen von Bewerbern und Arbeitgebern zu weit auseinander lägen. Oder, dass es für Jugendliche, die noch keinen Führerschein haben, schwierig sei, mögliche Ausbildungsplätze zu erreichen", bekundet die Sprecherin der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, Evelyn Kannhäuser.

Besonders in den Berufen Verkäufer, Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Elektroniker im Bereich Energie-/Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker, Koch, Klempner und Mechatroniker gebe es noch die meisten freien Stellen. Beliebt sind hingegen insbesondere Ausbildungsstellen als Industriekaufmann und Einzelhandelskaufmann, sowie Tischler bei den Männern und Medizinische Fachangestellte bei den Frauen.

Die Firma Glen Dimplex beispielsweise hat Glück. Sie konnte, wie es aus dem Personalbüro heißt, alle Stellen besetzen, die sie auch besetzen wollte. In Kürze werden 16 neue Auszubildende im kaufmännischen und gewerblichen Bereich, unter anderem Mechatroniker für Kältetechnik, Elektriker und Werkzeugmechaniker, ins Arbeitsleben starten.

Bereits ins zweite Jahr der Ausbildung geht André Huber. Sein Job bei Baumann Druck macht ihm Spaß. "Ich wollte was im technischen Bereich machen. Praktisch arbeiten liegt mir mehr." Der Burghaiger hatte zunächst ein Praktikum im Betrieb gemacht - und es hat ihm dort gut gefallen, also ist er geblieben. Drei Jahre dauert seine Ausbildung zum Mediengestalter in Digital und Print.

Interview mit Thomas Hager, Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bayreuh-Hof

Der Start in den Beruf ist für junge Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Worauf es ankommt und wo die Stolperfallen liegen, verriet uns Thomas Hager, Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof. Herr Hager, kann man sich jetzt noch für einen Ausbildungsplatz bewerben?

Thomas Hager: Jeder Schulabgänger kann sich auch jetzt noch um einen der offenen betrieblichen Ausbildungsstellen bewerben. Es gibt sowohl im Handwerk als auch in der Industrie noch verschiedenste Ausbildungsmöglichkeiten. Am besten vollständige und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen bei den Firmen abgeben, gegebenenfalls vorher auch telefonisch nachfragen und unter Umständen auch noch ein kurzes Praktikum anbieten.

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn man keinen passenden Ausbildungsplatz findet?

Am besten immer ein Beratungsgespräch mit der Berufsberaterin/dem Berufsberater vereinbaren. Die Berufsberatung kann umfassend über den regionalen aber auch überregionalen Ausbildungsmarkt informieren und dabei immer die Interessen und Fähigkeiten der Schüler beachten. Neben den betrieblichen Ausbildungsplätzen stehen für bestimmte Berufe auch schulische Ausbildungen zur Verfügung. Ebenso kann der Berater über die unterschiedlichsten Fördermöglichkeiten informieren, die entweder über die Arbeitsagentur selbst finanziert werden oder über Dritte gehen wie das Förderprogramm "Fit-for-work". Über die Arbeitsagentur gibt es unter anderem ausbildungsbegleitende Hilfen, Einstiegsqualifizierungen oder berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen sowie assistierte Ausbildung. Auch über Berufsausbildungsbeihilfe kann der Berufsberater informieren.

Empfiehlt sich ein Beratungsgespräch bei der Berufsberatung?

Als Grundlage für eine Berufswahlentscheidung empfiehlt sich immer ein Beratungsgespräch mit der neutralen Berufsberatung. Berufsorientierung, Berufsberatung, Vermittlung in betriebliche Ausbildungsstellen und gegebenenfalls notwendige Förderungen laufen über die Berufsberatung. Zusätzlich können wir noch unsere vielfältigen elektronischen Informationsmöglichkeiten unter www.arbeitsagentur.de vertieft und konkret auf das Einzelschicksal bezogen vorstellen.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn das Kind keine Stelle findet?

Immer die Tochter oder den Sohn unterstützten. Gerade aktuell gibt es sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, den Übergang von der Schule in Ausbildung oder Arbeit zu gestalten. Jeder hat seine Chancen - er/sie muss nur auch selbst mit tätig werden und realistisch überlegen, was will und kann ich erreichen! Wir empfehlen auch gemeinsam zum Beratungsgespräch in die Berufsberatung zu kommen. Die Fragen stellte Stefanie Gleixner.



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