Kulmbach

Ausbildungsmesse in Kulmbach: Mit dem Kopftuch zur Arbeit

Die türkische Gemeinde in Kulmbach organisierte eine Ausbildungsmesse für ihre Jugendlichen. Junge Leute stellten ihre Berufe und Karrieremöglichkeiten vor und gingen dabei auch auf besondere Anforderungen für gläubige Muslime ein.
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Kübra Korkmaz (19) ist gläubige Muslima und trägt auch bei der Arbeit das Kopftuch. Sie ist im ersten Lehrjahr und macht eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten.  Fotos: Sonja Adam
Kübra Korkmaz (19) ist gläubige Muslima und trägt auch bei der Arbeit das Kopftuch. Sie ist im ersten Lehrjahr und macht eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Fotos: Sonja Adam
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Die Berufswahl gläubiger Muslime ist durch ihren Glauben ein wenig eingeschränkt. "Es ist uns nicht erlaubt, Geld zu erwirtschaften durch den Verkauf von Schweinefleisch und Alkohol oder durch Glücksspiel", sagt Seyffettin Caglayin. Er ist in der Jugendarbeit der türkischen Gemeinde aktiv, besucht derzeit die Berufsoberschule. Er möchte das Fachabitur machen und dann studieren. Eine Ausbildung zum Industriekaufmann hat er bereits abgeschlossen, erzählt er.

Dass türkische Jugendliche es bei der Berufswahl nicht unbedingt schwerer haben als ihre deutschen Altersgenossen, zeigte eine ungewöhnliche Berufsmesse. Die türkische Gemeinde lud am Samstag zur großen Ausbildungspräsentation ein.
Das Konzept: Jugendliche und junge Erwachsene stellen Schülern ihren Weg in das Berufsleben, ihre Tätigkeit und ihre Karrierechancen vor.


Mit nur einer Bewerbung ans Ziel


"Nein, wir haben es nicht schwerer als andere Jugendliche", meint Emine Yanar. Die 21-Jährige hat nur eine einzige Bewerbung geschrieben und sofort ihren Traumjob bei der Sparkasse gefunden. "Ich war an der Hans-Edelmann-Schule im M-Zug, habe dann ein Praktikum in der Sparkasse gemacht, und das hat mir sehr gut gefallen", erzählt sie. Erst habe sie Riesen-Bammel vor dem Einstellungstest gehabt. Doch sie hat es versucht - und hat eine Ausbildungsstelle bekommen. Inzwischen ist sie seit fünf Jahren bei der Sparkasse, absolviert derzeit ihre Weiterbildung zur Sparkassenfachwirtin. Weiterbildung im Beruf ist für Emine Yanar ein zentrales Thema.

Sedef Algül (22) stellte bei der Berufsmesse in der türkischen Gemeinde ihren Beruf als Steuerfachangestellte vor. Und Gözde Gider (20) ist Physiotherapeutin. Ihr großer Traum ist es, irgend wann einmal eine eigene Praxis oder noch besser - gemeinsam mit ähnlichen Berufen wie Ergotherapeuten oder Logopäden - ein Therapiezentrum zu eröffnen. "Das Einkommen ist unterschiedlich - je nachdem, ob man in einer Praxis,in einem Therapiezentrum oder in einer Klinik angestellt ist", so Gider.


Die meisten haben Verständnis


Ebenfalls im medizinischen Bereich tätig ist Kübra Korkmaz. Die 19-Jährige trägt als einzige ein Kopftuch - auch bei der Arbeit. Aber problematisch sei das bei der Berufssuche nicht gewesen. "Ich werde manchmal gefragt, ob ich krank bin. Aber ich erkläre dann, dass das mit meinem Glauben zusammenhängt, und dann haben die meisten auch Verständnis", erzählt sie. Kübra Korkmaz ist im ersten Lehrjahr und möchte medizinische Fachangestellte werden.

Viele weitere türkische Jugendliche präsentierten ihre Berufe, und die Interessierten hakten nach. Welchen Schulabschluss und welche Noten braucht man, um Chancen zu haben? Was verdient man? Kann man sich weiterbilden und Karriere machen?

"Ich bin im Caspar-Vischer-Gymnasium, in der zehnten Klasse", erzählt Serdar Asal (16). Da er jetzt schon neben Deutsch und Türkisch, Englisch, Französisch und Spanisch spricht, möchte er auf jeden Fall später "etwas mit Sprachen" machen.

Isil Algül (13) ist das einzige Mädchen, das zur Berufsmesse kam. Sie besucht die achte Klasse im M-Zug der Hans-Edelmann-Schule. Sie möchte ihrer großen Schwester nacheifern und eine Ausbildung im Bereich Wirtschaft machen und sich schon frühzeitig informieren, was möglich ist.

Bei der Berufsmesse blieben die Mitglieder der türkischen Gemeinde zwar unter sich, doch Michael Pfitzner, Vorsitzender des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft, der alljährlich gemeinsam mit dem Landkreis und vielen Wirtschaftsunternehmen der Region die große Ausbildungsmesse im Beruflichen Schulzentrum organisiert, hält die Initiative für gelungen.

Pfitzner ist Schulleiter der Mittelschule Stadtsteinach-Untersteinach: "Grundsätzlich sind alle Maßnahmen gut, die geeignet sind, die Jugendlichen zu informieren", so Pfitzner. Besonders gut gefällt ihm am Konzept der türkischen Gemeinde, dass Jugendliche anderen Jugendlichen ihre Berufe vorstellen. "Das machen wir auch bei der Ausbildungsmesse. Junge Leute können ihre Berufe Jugendlichen in ihrer Sprache besser nahe bringen als ein Firmenchef."
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