Kulmbach
Landtagswahl

Aures: Freistaat soll Million für Kulmbach locker machen

Die Landtagsvizepräsidentin sieht nur einen Weg, wie der Landkreis Kulmbach dem Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg beitreten könnte.
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Kulmbach kann sich den VGN-Beitritt nicht leisten: Deshalb, so Landtagsvizepräsidentin  Inge Aures (SPD), soll der Freistaat  eine Million Euro locker machen.  Dann könnten auch die Kulmbacher im gesamten Großraum Nürnberg mit einer Fahrkarte den ÖPNV nutzen. Foto: Stephan Tiroch
Kulmbach kann sich den VGN-Beitritt nicht leisten: Deshalb, so Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD), soll der Freistaat eine Million Euro locker machen. Dann könnten auch die Kulmbacher im gesamten Großraum Nürnberg mit einer Fahrkarte den ÖPNV nutzen. Foto: Stephan Tiroch
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Die heiße Phase des Wahlkampfs: Ein Termin jagt den anderen. Bis zum 14. Oktober, wenn der neue bayerische Landtag gewählt wird. Noch vier Wochen Dauerstress? Nein, meint Inge Aures und winkt ab. "Das macht mir nichts aus. Es ist nicht anders als sonst auch. Ich bin immer unterwegs", sagt die Powerfrau der SPD.

Aures (62) stellt sich zum dritten Mal zur Wahl und bewirbt sich um ein Landtagsmandat. Ihre Partei hat die frühere Kulmbacher Oberbürgermeisterin (1995 - 2007) auf Platz 1 der Oberfrankenliste nominiert. Kein Wunder, als Landtagsvizepräsidentin ist sie eine Spitzengenossin in Bayern.

Partei geht's richtig schlecht

Ihr Einsatz wird diesmal besonders gebraucht. Denn ihrer Partei geht's richtig schlecht. In aktuellen Umfragen liegt die Bayern-SPD nur bei 13 Prozent. "Das ist ganz bitter. Bei diesen Prognosen verlieren wir Mandate. Wenn sich das so bestätigt, wird es ein ganz schwieriger Wahlabend werden", sagt sie.

Aber Aures ist eine, die nicht so schnell aufgibt. "Wir kämpfen um jede Stimme und machen Politik ganz nah am Bürger", versichert sie. Nach ihrer Ansicht interessieren sich die Menschen nicht in erster Linie für das "von der CSU gesteuerte" Flüchtlingsthema, das der AfD die Wähler zutreibt. "Sie haben in ihrem Alltag ganz andere Sorgen." Die gelernte Architektin spricht von gleichwertigen Lebensverhältnissen, die in Bayern "weit auseinander liegen". Sie macht sich stark für die Belebung verwaister Ortskerne und betont, "dass auch die Menschen auf dem Land bezahlbare Wohnungen, Ärzte, Kinderbetreuung, gute schulische Angebote und einen ÖPNV mit Bus und Bahn brauchen".

"Verstehe die Welt nicht mehr"

Womit sie bei einem ihrer Lieblingsthemen ist: beim barrierefreien Kulmbacher Bahnhof. "Jetzt machen sie das Dach, aber einen Aufzug bauen sie nicht rein. Ich verstehe die Welt nicht mehr", schimpft Aures. Es sei nicht akzeptabel, dass Züge in Kulmbach für Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwagen oder Radtouristen nicht oder nur schwer zu erreichen sind. "Da lasse ich nicht locker."

Dasselbe gilt für den VGN. Denn wer dem Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg angehört, hat den Vorteil, den ÖPNV im ganzen Verbundgebiet mit einer Fahrkarte nutzen zu können. "Unsere Pendler oder die Club-Fans fahren nach Nürnberg, und die Touristen aus der Metropole kommen rauf zu uns", sagt Aures.

Kulmbach und Wunsiedel wären gern dabei

Auch die Landkreise Kulmbach und Wunsiedel, die bei der Landtagswahl einen gemeinsamen Stimmkreis bilden, wären hier gerne dabei. Können es sich aber nicht leisten, können die Beitrittskosten von jeweils über einer Million Euro nicht bezahlen. Deshalb soll der Freistaat das Geld locker machen und ein Sonderprogramm auflegen, fordert Aures.

Was nach dem Wahltag kommt? Von irgendwelchen Planspielen - auch aus "Respekt vor dem Wähler" - hält die Landtagsvizepräsidentin nichts. Nur so viel steht fest: Eine Zusammenarbeit der SPD mit der AfD schließt sie kategorisch aus. Es sei "eine verkehrte Welt", dass eine Partei ohne Konzepte in den Landtag kommen wird.

Sonntagabend ist heilig

Und wie denkt man in der SPD über eine Koalition mit der CSU, die aktuell auf 36 Prozent abgerutscht ist? "Wenn wir nicht zulegen, brauchen wir uns über so was gar keinen Kopf machen", sagt sie und steigt in ihrem roten Opel Adam. Das Wahlkampfmobil mit ihrem großen Konterfei bringt die Abgeordnete zum Bürgerstammtisch mit dem Chef der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher. Aures ist halt immer auf Achse. Fast immer. Einmal hat die Politik Pause: am Sonntagabend. "Dann schaue ich Tatort, das ist mir heilig."

SPD: Politik für die Menschen

Die SPD in Bayern, so Inge Aures, macht Politik für die Menschen. Dabei setzt die Landtagsvizepräsidentin eigene Schwerpunkte. Innere Sicherheit "Ich will, dass die Polizisten auf der Straße sind", erklärt Aures. Man müsse sehen, dass sich der Staat um die Sicherheit kümmert. Kritik übt sie daran, dass in Bayern zehn Prozent der Planstellen bei der Polizei nicht besetzt sind. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass junge Polizisten aus Oberfranken, die nach Oberbayern versetzt wurden, in ihre Heimatregion zurückkehren können. Bildung und Familien Bildung darf laut Aures keine Frage des Geldbeutels sein. Die SPD kämpfe dafür, dass Eltern keine Gebühren für den Kindergarten oder Busfahrkarten für Schüler der Oberstufe und für Auszubildende bezahlen müssen. "Das gehört abgeschafft", so die Abgeordnete. Die Kosten dürften nicht den Kommunen aufgebürdet werden, sondern müsse der Staat übernehmen. Damit könne man Familien echt entlasten. Gleichwertige Lebensverhältnisse Inge Aures fordert eine Strukturpolitik für den ländlichen Raum. "Wir werden die Idylle von früher nicht mehr kriegen, aber die Menschen auf dem Land müssen gut leben können." Auch mit der Benachteiligung Frankens müsse Schluss sein. "Wir sind genauso viel wert. Franken ist unsere Heimat, sie ist uns wichtig und wertvoll, da leben wir gern."

Kommunen Gemeinden und Landkreise brauchen mehr Geld. "Sie sind am nächsten dran und wissen am besten, was für die Bürger gut ist, was sie wollen und brauchen", so Aures. Worauf die Kommunen verzichten können: das Gängelband der Staatsregierung.

Digitalisierung "In der Wirtschaft geht nichts mehr ohne guten Anschluss ans Internet. Mit der Glasfaseranbindung darf bei uns nicht Schluss sein", so Aures. Es sei ein Skandal, dass die CSU viele Jahre nur auf die Marktkräfte gesetzt und damit das Land "schmählich vernachlässigt" habe.



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