Laden...
Kulmbach
Schicksal

Aufgeben kommt für Frank Walther nicht in Frage

Der Kulmbacher Fiseurmeister und Laienschauspieler Frank Walther erkrankte mit 39 Jahren am seltenen Guillain-Barré-Syndrom. Sein ganzer Körper war gelähmt. Doch er kämpfte sich zurück in ein normales Leben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bewegungsunfähig ans Bett gefesselt: 2010 ist Frank Walther fast vollständig gelähmt. Nur mühsam kann er sprechen, als ein Freund die Situation in einem Kurzvideo festhält. Fotos: privat/BR-Archiv
Bewegungsunfähig ans Bett gefesselt: 2010 ist Frank Walther fast vollständig gelähmt. Nur mühsam kann er sprechen, als ein Freund die Situation in einem Kurzvideo festhält. Fotos: privat/BR-Archiv
+18 Bilder
Sein Lachen vermisst er am meisten - ansteckend fröhlich, übers ganze Gesicht. Frank Walther lacht immer noch gern und oft, doch seine Mimik-Muskeln machen heute nur noch teilweise mit - sichtbares Zeichen einer schweren und glücklicherweise inzwischen fast überstandenen Krankheit.

Drei Jahre liegt der Ausbruch des Leidens jetzt zurück. Im April 2010 bekam Frank Walther Schmerzen im linken Arm, "wie bei einem Tennisarm", erinnert er sich. "Dann taten mir die Beine weh, ich musste mich beim Gehen festhalten, weil ich so schwach war, als wäre ich plötzlich 80 Jahre alt."

Der damals 39-Jährige ist fit und sportlich, kann sich den Verfall seiner Kräfte nicht erklären. Hausarzt und verschiedene Fachärzte sind ebenfalls ratlos.
"Im Klinikum wurde ich komplett durchgecheckt, aber es schien alles normal zu sein."

Der selbstständige Friseurmeister schleppt sich weiter täglich in seinen Salon in Melkendorf. Einmal steht er im Aufenthaltsraum, will Wasser trinken, doch alles läuft ihm übers Kinn. "Im Spiegel konnte ich sehen, dass meine rechte Gesichtshälfte schlaff herunterhing, wie nach einem Schlaganfall."

So wird es sein, wenn du alt bist

Wieder ins Klinikum. Einen Schlaganfall können die Ärzte ausschließen, doch am nächsten Tag sackt auch die zweite Gesichtshälfte, das gesamte Gesicht ist gelähmt. "Ich konnte nur noch mühsam gehen und erinnere mich, dass ich gedacht habe: So wird es sein, wenn Du alt bist. Dein Kopf will, aber der Körper macht nicht mehr mit."

Frank Walther wird in die Hohe Warte nach Bayreuth verlegt. "Da konnte ich gar nicht mehr gehen, auch nicht mehr richtig sehen." Eine Ärztin in der Notaufnahme kommt nach verschiedenen Tests zur richtigen Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom - eine neurologische Erkrankung, bei der es zu entzündlichen Veränderungen des peripheren Nervensystems kommt. Betroffen sind vor allem die aus dem Rückenmark hervorgehenden Nervenwurzeln. Die Ursache? "Ein Infekt, wahrscheinlich ein gewöhnlicher Schnupfen, den mein Körper nicht auf normalem Weg bekämpft hat. In einer Autoimmun-Reaktion hat er statt dessen die Nerven angeknabbert."

"Ich werde nicht daran sterben"

Die Diagnose, so schlimm sie war, habe er als große Erleichterung empfunden, erzählt Frank Walther. "Die Wochen, in denen es mir täglich schlechter ging und niemand wusste warum, waren schrecklich.



Aber als die Krankheit einen Namen hatte, wusste ich: Das kann behandelt werden, und ich werde nicht daran sterben."
Ein Medikament gibt es gegen das Guillain-Barré-Syndrom nicht. Optimismus und eiserner Wille beim Üben der einst selbstverständlichen alltäglichen Bewegungen sind Frank Walthers Medizin. Und seine Familie und Freunde, die ihn fast täglich besuchen und ihm Mut machen. "Bei meinen ersten Gehversuchen haben mich zwei Therapeuten gestützt, einer links, einer rechts. Nach ein paar Tagen hatte ich kleine Erfolge, und das hat meinen Ehrgeiz richtig angetrieben."

In der Reha-Klinik arbeitet der 39-Jährige intensiv an sich. Gleichgewicht, Koordination, Feinmotorik - alles muss neu erlernt und trainiert werden. Massagen von Gesicht und Körper helfen Frank Walther, seinen Körper wieder zu spüren, stimulieren Nerven und Muskeln.

Die Haarschneide-Therapie

Er will möglichst schnell wieder anfangen zu arbeiten, muss jedoch feststellen, dass er sein Handwerkszeug, Schere und Kamm kaum handhaben kann. "Da bin ich zu den Therapeuten gegangen und habe gesagt: Programmänderung - ich schneid Euch jetzt die Haare." Frank Walther schmunzelt: "Die haben wirklich mitgemacht, und ich habe ihnen auch anständige Frisuren verpasst - aber es hat halt jedes Mal ewig gedauert.
Heute geht es dem 42-Jährigen wieder gut, "obwohl kleine Einschränkungen geblieben sind". Die Mimik hat sich verändert, die körperliche Belastbarkeit verringert, und der leidenschaftliche Schauspieler des "Schauhaufens" und der "Buschklopfer" beschränkt sich jetzt auf kleine Rollen und hat im Regiefach seine neue Berufung entdeckt. "Auf der Bühne fühle ich mich nicht mehr so wohl wie früher. Dafür habe ich in der Regie eine Aufgabe gefunden, die genau so befriedigend ist."

Bilder, die Mut machen sollen

Wieviel er erreicht hat, zeigt ein kleines Video, das ein Freund damals im Krankenhaus aufgenommen hat. Zum dritten Jahrestag bekam Frank Walther das Filmchen geschenkt - und hat es einem spontanen Impuls folgend auf Facebook gepostet. Es ist eine berührende Szene vom Krankenbett, von einem Menschen, der kaum sprechen und die Hand heben kann und trotzdem Zuversicht ausstrahlt. "Was ich erlebt habe, kann jeden treffen, und ich möchte allen Mut machen, dass man es schaffen kann." Auf seiner Facebook- Seite schreibt er "Morgen kann es dich treffen, und dann wünsche ich dir diese Kraft und Zuneigung, die ich erhalten habe."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren