Neuenmarkt

Auf Film-Zeitreise mit Hitlers Salonwagen

Als der Film zu Ende war, war es im Lokschuppen des DDM so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Dann gab es Applaus. Die mit Spannung erwartete Premiere des Dokumentarspielfilms "Salonwagen 10242 - Mit den Kanzlern unterwegs" war geglückt.
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Wolfgang Krebs aus Mainleus spielt eine tragende Rolle im "Salonwagen 10242 - Mit den Kanzlern unterwegs".  Fotos: Jürgen Gärtner
Wolfgang Krebs aus Mainleus spielt eine tragende Rolle im "Salonwagen 10242 - Mit den Kanzlern unterwegs". Fotos: Jürgen Gärtner
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Und Landrat Klaus Peter Söllner, der den Film als DDM-Zweckverbandsvorsitzender vorgestellt hatte, war mehr als zufrieden. Eine halbe Stunde lang wurden die geladenen Besucher mitgenommen auf eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte, die 1937 beginnt und 2013 endet. Im Mittelpunkt steht dabei eben jener Salonwagen 10242, der im Deutschen Dampflokomotiv-Museum zu sehen ist.

Zahlreiche Staatsmänner nutzen den Wagen. Angefangen 1937 bei Adolf Hitler und dessen Außenminister Joachim Ribbentrop. 1945 wurde der Wagen von Generalfeldmarshall Montgomery beschlagnahmt und 1953 an die Bundesrepublik zurückgegeben. Umgebaut als Funkwagen begleitete er Konrad Adenauer auf zahlreichen Reisen. Er beherbergte später nicht nur die Kanzler Ludwig Erhardt, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt, sondern auch Queen Elisabeth. 1988 musterte die Bundesbahn den 10242 trotz seiner historischen Bedeutung aus.


Der Film erzählt die Geschichte des Wagens aus der Sicht eines fiktiven Wagenbegleiters, gespielt von Hubert Burcek aus Berlin. Dessen Vater wird dargestellt von Wolfgang Krebs aus Mainleus, der das stereotype Idealbild des deutschen Ingenieurs im Dritten Reich mit dem streng zurückgekämmten Haar und dem kantigen Gesicht perfekt verkörpert. Auch viele Laiendarsteller aus der Region, beispielsweise vom Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach, wirkten mit.

Zeitgeschichtliche Aufnahmen

Neben der erdachten Handlung sind viele zeitgeschichtliche Aufnahmen - vor allem aus der Zeit des Dritten Reichs mit dem Schwerpunkt der sudetendeutschen Problematik - zu sehen. Alles verschmilzt zu einem Dokumentarspielfilm, der den Vergleich zu einer TV-Produktion nicht eine Sekunde zu scheuen braucht.

Produziert wurde der Film von der Kama Media GmbH aus Kulmbach. Deren Geschäftsführer Axel Klawuhn berichtete von umfangreichen Recherchen für das Projekt. So wurden nicht nur 9800 Seiten Stasiunterlagen durchforstet, sondern auch 400 Stunden Filmmaterial gesichtet.

Der Film, der 175.000 Euro kostete, wurde durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit 122.500 Euro ebenso gefördert wie durch die Oberfrankenstiftung mit 30.000 Euro. 22.500 Euro zahlte das DDM aus Eigenmitteln.

Am Samstag öffentliche Premiere

Öffentliche Premiere feiert der Salonwagen 10242 am kommenden Samstag um 10 Uhr im DDM. Danach ist er drei Mal täglich zu festen Zeiten im Museum zu sehen. Vorführungen sind auch nach Absprache möglich. Schulen wird der Film kostenlos zur Verfügung gestellt.

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