Zultenberg
Naturschutz

Auf dem Weg zurück ins Paradies

Der Landkreis hat auf dem Görauer Anger rund zehn Hektar Grund gekauft. Dort sollen die ökologisch wertvollen Kalkmagerrasen erhalten werden.
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Wertvolle Mitarbeiter in der Landschaftspflege: die Schafe von Felix Steinhagen.Foto: Katrin Geyer
Wertvolle Mitarbeiter in der Landschaftspflege: die Schafe von Felix Steinhagen.Foto: Katrin Geyer
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Wer den ganz besonderen Zauber des Görauer Angers erspüren will, muss dorthin gehen, wenn es grau draußen ist und regnerisch. Dann schieben sich keine Menschenmassen samt Kind und Hund über die Wege, dann gibt es kein ständiges An- und Abfahren auf dem Parkplatz bei Zultenberg, dann ist es still, wunderbar still.

Obwohl: Ganz so still nun auch wieder nicht. Vielstimmiges Blöken kündigt eine Schafherde an, lange, bevor sie zu sehen ist. Und was für eine Herde! Gut 1100 Tiere sind es, dazu noch etwa 70 Ziegen, mit denen in diesen Tagen Felix Steinhagen aus dem mittelfränkischen Uehlfeld auf dem Anger (und später rund um Kasendorf) unterwegs ist. Jedes Jahr zieht er, von Weismain kommend, dort durch. Sein Auftrag und der seiner Tiere: die Flächen so zu beweiden, dass sie nicht verbuschen. Damit sollen die ökologisch wertvollen Kalkmagerrasen, die typisch sind für die nördliche Frankenalb, erhalten werden.

Traditionelle Nutzung

Warum vierbeinige Landschaftspfleger? Es war die Beweidung mit Schafen und Ziegen, die als traditionelle Nutzungsform in den vergangenen Jahrhunderten die Landschaft formte und offen hielt. Über die Jahrhunderte hat sich eine an die Bedingungen auf den Weiden angepasste Tier- und Pflanzenwelt eingestellt.

Seit den 1950er Jahren ging es aus vielerlei Gründen steil bergab mit der Schafhaltung. Das hatte weitreichende Folgen für den Charakter der Landschaft. Viele Weiden wuchsen einfach zu oder wurden mit Kiefern aufgeforstet. Stellenweise hat sich am Görauer Anger noch die Trockenrasenflur erhalten. Diese soll geschützt, weitere Flächen sollen wieder "ausgemagert" werden.

Details dazu erläutern Karin Meißner und Kristina Schröder von der Unteren Naturschutzbehörde im Kulmbacher Landratsamt. Es gibt, so sagen sie, für das FFH-Gebiet "Albtraufhänge zwischen Görau und Thurnau" seit gut einem Jahr einen Managementplan. Aber der Görauer Anger ist nicht nur Fauna-Flora-Habitat, sondern auch Teil des Naturparks "Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst", zudem "geschützter Landschaftsbestandteil" und Biotop nach §30 des Bundesnaturschutzgesetzes. Verwirrend viele Fachbegriffe, verwirrend viele Vorschriften (zur Erläuterung siehe Infobox rechts auf dieser Seite).

Die aber haben letztlich alle ein Ziel: eine wertvolle, über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft zu erhalten - und damit den Lebensraum selten gewordener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Dazu gehören neben den erwähnten Magerrasen, die auf kalkreichem, nährstoffarmen Boden gedeihen, auch magere Mähwiesen, kiefernreiche Waldinseln, Hecken, Gehölzstreifen und die für den Görauer Anger so typischen Felsen mit ihrem breitgefächerten Artenspektrum.

In den letzten Jahren hat der Landkreis Kulmbach Stück für Stück viele Flächen auf dem Görauer Anger gekauft: Ausgleichsflächen für den Bau von Freiflächen-Photovoltaik- oder Windkraftanlagen, Flächen des Marktes Kasendorf und Flächen aus dem Flurbereinigungsverfahren Zultenberg.

Die einschlägige Landkarte der geschützten Landschaftsbestandteile (die in Teilen mit den anderen Schutzgebieten deckungsgleich sind) gleicht auf den ersten Blick einem Fleckerlteppich aus vielen kleinen Einzelflächen. Zusammen genommen aber erstrecken die sich auf rund 900 Kilometer Länge links und rechts des Weges vom Wanderparkplatz in Richtung Görau und bilden mittlerweile eine Gesamtfläche von knapp zehn Hektar. "Ein paar Lücken gibt es noch", sagt Karin Meißner. "Aber wir bleiben dran."

Pflanzensamen im Fell

Felix Steinhagen und seine Schafe sorgen dafür, dass die Flächen bleiben, was sie immer waren: Magerrasen. Oder dass sie wieder dazu werden. Die Schafe helfen dabei der Natur nicht nur, indem sie die Pflanzen kurz halten. In ihrem Fell tragen sie Pflanzensamen über große Strecken, so dass sie sich an neuen Standorten ausbreiten können.

Und so kommt es, dass auf dem Görauer Anger durchaus jene wunderschönen Flecken zu finden sind, an denen Bläulinge flattern und es nach wildem Thymian riecht. Damit das so bleibt, arbeiten die beiden Fachfrauen im Landratsamt derzeit an einem Konzept zur Besucherlenkung. "Wir würden uns wünschen, dass die Menschen auf den Wegen bleiben und die sensiblen Flächen möglichst in Ruhe lassen", so Kristina Schröder.

Nur so wird es gelingen, das kleine Paradies am nördlichen Rand der Frankenalb zu erhalten, das abzuwandern zu allen Tages- und Jahreszeiten ein Genuss für alle Sinne ist. Auch wenn es regnet.

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