Modschiedel
Natur

Auf dem Jura bei Weismain: Ist der Wolf zurück?

Bei Modschiedel wurde ein Reh gerissen. Der erfahrene Jäger Gisbert Sattler ist sich sicher: Es war ein Wolf. Weil die DNA-Probe zu spät eingeschickt wurde, können die Behörden den Verdachtsfall aber offiziell nicht bestätigen.
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Bei Modschiedel wurde ein Reh gerissen. Der erfahrene Jäger Gisbert Sattler ist sich sicher:  Es war ein  Wolf.  Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Bei Modschiedel wurde ein Reh gerissen. Der erfahrene Jäger Gisbert Sattler ist sich sicher: Es war ein Wolf. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
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Über 150 Jahre war der Wolf in Franken ausgerottet - seit einiger Zeit erobert der große Beutegreifer seinen alten Lebensraum zurück. Erstmals gibt es jetzt Hinweise auf einen Wolf auf der Jurahochfläche im Raum Weismain.

Gisbert Sattler fand bei Modschiedel, wo die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach und Bamberg zusammentreffen, einen gerissenen Rehbock. Auf Anfrage sagt der Jäger aus Kulmbach: "Es besteht kein Zweifel, dass es ein Wolf war."

Blut war noch frisch

Der Järger, der das Revier Modschiedel-Seubersdorf gepachtet hat, kann genau sagen, wann der Rehbock gerissen wurde: Es war am Heiligabend zwischen 5 und 11 Uhr. Sattler war damals in seinem Revier unterwegs und fand in dem Waldstück zwischen Fesselsdorf und Modschiedel - nur etwa 500 Meter von der Staatsstraße 2190 entfernt - die Reste eines 25 Kilo schweren Bocks. Das Blut war noch frisch, überall lagen Fellbüschel herum.

"Der Wolf hatte Riesenhunger. Kopf, Hals, rechter Vorderlauf und ein Teil der Rippen - mehr war nicht übrig", sagt Sattler. Der Räuber habe in der kurzen Zeit zirka 20 Kilo gefressen. "Das ist auch für einen Wolf sehr viel." Er habe nicht mal Knochen oder Gedärm übriggelassen.

Das Fraßverhalten, das typische Trittsiegel und auch das Bissmuster mit dem 15 Zentimeter großen Einbiss am Gerippe weisen nach Ansicht des erfahrenen Jägers, der auch einen Kollegen dazugeholt hat, eindeutig auf einen Wolf hin. "Das war kein Hund. Der kann in so kurzer Zeit gar nicht so viel fressen", so 68-Jährige.

Keine DNA-Analyse

Sattlers Einschätzung wird von den Behörden offiziell aber nicht bestätigt. Das Landesamt für Umwelt, Augsburg, teilt mit: "Ein Wolf kann von unserer Seite nicht bestätigt werden." Das Tier sei bereits seit einigen Tagen tot und - durch Fuchs und Vögel - stark befressen gewesen. "Eine Analyse genetischer Proben wurde aus diesen Gründen nicht vorgenommen."

Das DNA-Material ist tatsächlich erst nach den Weihnachtstagen genommen worden. Also offenbar zu spät. Dennoch bleibt Sattler bei seiner Ansicht, dass ein Wolf das Reh gerissen hat. Denn die Behörde schließe einen Wolf nicht definitiv aus. Und ihm sei vom LfU gesagt worden: "Das wird bei uns als wahrscheinlicher Wolfsriss geführt." Der Jäger geht davon aus, dass ein Jungwolf auf der Suche nach einem eigenen Revier durchgezogen ist.

"Hätten keinen Wolf gebraucht"

Auf dem Jura machen sich jetzt besonders die Viehalter Sorgen. Daniel Stief aus Buckendorf, der 150 Schafe und 250 Ziegen hält, ist aber vorbereitet: "Wir haben seit zwei Jahren 15 Herdenschutzhunde im Einsatz." Traurig findet er es, dass er für den besonderen Aufwand bisher vom Staat keine finanzielle Unterstützung bekommt.

Sein Kollege Herbert Schubert aus Fesselsdorf berichtet, dass er bisher von der Anwesenheit des Wolfs nichts bemerkt habe. Aber er meint: "Wir hätten keinen Wolf gebraucht. Deutschland ist zu dicht besiedelt."

Wölfe in Bayern und Deutschland

Vorkommen In Bayern gibt es zwei Wolfsrudel im Veldensteiner Forst in Oberfranken und im Bayerischen Wald. Dazu kommen durchziehende Einzeltiere. Ein weiteres Rudel ist in Thüringen auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf beheimatet. 400 Wölfe dürften nach aktuellen Erkenntnissen des Bundesamts für Naturschutz in Deutschland leben.

Schutz Der Wolf ist in Europa streng geschützt. Er untersteht dem Naturschutzrecht und darf nicht bejagt werden. Ein Abschuss wäre nur zulässig, wenn Menschen gefährdet werden.

Strafen Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der vorsätzliche Abschuss eines Wolfes eine Straftat und wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet.



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