Marktschorgast
Obstanbau

Auch Streuobstwiesen im Kreis Kulmbach haben einen Besitzer

Streuobstwiesen gehören zum Gemeindebild im Landkreis Kulmbach. Der Gebrauch dieser ist sehr unterschiedlich, doch Naschen darf jeder.
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Monika Graß aus Marktschorgast freut sich über die Ernte aus ihrem Biotop.Foto: Stefanie Gleixner
Monika Graß aus Marktschorgast freut sich über die Ernte aus ihrem Biotop.Foto: Stefanie Gleixner
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Ein schöner Spaziergang durch die Landschaft - und man steht vor einer Wiese mit Obstbäumen voller Äpfel, Kirschen, Pflaumen und Birnen. Jeder ist versucht, sich auf der Streuobstwiese zu bedienen und genüsslich in den Apfel zu beißen. Naschen ist doch auch erlaubt, egal für welchen Zweck die Bäume dort stehen, oder?

In vielen Gemeinden im Landkreis gibt es Streuobstwiesen. Beispielsweise in Neudrossenfeld und Marktschorgast. Dort hat man vor zwei Jahren eine Streuobstwiese der besonderen Art gepflanzt.

"Auf unserer Streuobstwiese wachsen nur alte Sorten, die veredelt sind", erzählt Monika Graß, Vorsitzende des Bund Naturschutz in Marktschorgast. Die Regierung von Oberfranken startete zusammen mit dem Botanischen Garten in Bayreuth eine Aktion, bei der alte Sorten auf Streuobstwiesen gepflanzt werden.

"Voraussetzung war, dass es sich um eine kommunale Fläche handeln musste und sich jemand für die Pflege verantwortlich fühlt. Die Fläche bekamen wir - und die Pflege für die 50 Bäume haben wir übernommen", sagt Monika Graß.

Die Aktion wurde gestartet, damit die Kunst des Veredelns erhalten bleibt. "Jeder, der diese Kunst beherrscht, darf sich einen Zweig dafür auf der Wiese abschneiden, um die Veredelung weiterzutreiben", erklärt Monika Graß.

2016 wurden die Bäume gepflanzt. Es werde noch mindestens fünf bis zehn Jahre dauern, bis das Obst geerntet werden kann. "Deswegen haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, was mit dem Obst dann passieren soll. Aber es soll auf jeden Fall auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen", ist sich Monika Graß sicher, was auch Bürgermeister Hans Tischhöfer (Freie Wähler) bestätigt.

Monika Graß ist es wichtig, dass jeder, der etwas von den Bäumen erntete, sie dabei nicht beschädigt. Und auch vorher fragt, ob es in Ordnung ist, ein paar wenige Früchte zu ernten. "Wenn genug Ertrag da ist, sollte es für alle reichen", meint die ....

In Neudrossenfeld werden die Erträge der Streuobstwiesen für die Obstpresse verwendet. "In Jahren mit viel Ertrag ist es kein Problem, wenn sich jemand einen Apfel nimmt", sagt Harald Hübner (CSU), Bürgermeister von Neudrossenfeld. "Der eigentliche Zweck ist aber die Herstellung von Säften in der Obstpresse. Die Obst- und Gartenbauvereine in der Gemeinde sind hier aktiv", sagt Harald Hübner. Die Säfte werden dann von den Vereinen an die Schulen, Kitas und Kindergärten geliefert.

"Natürlich stört sich keiner daran, wenn sich jemand einen Apfel nimmt, aber es würde sich gehören vorher zu fragen. Dann kann man das auch gestatten. Denn rechtlich ist die Sache eindeutig", sagt der Bürgermeister, der gelernter Jurist ist.

"Auch öffentliche Flächen gehören jemandem. Da gilt genauso das Bürgerliche Gesetzbuch wie bei privaten Besitztümern. Das Pflücken von Äpfeln ist daher auch Diebstahl", erklärt Harald Hübner. "Wegen eines Apfels wird aber in unserer Gemeinde keiner strafrechtlich verfolgt."

Doch woher weiß man, ob man etwas naschen darf oder nicht? Die Organisation Transition Kulmbacher Land (TraKuLa) möchte einen Lösungsweg einschlagen, von dem sowohl Streuobstwiesen-Besitzer, als auch Nascher profitieren. "Wir planen ab dem Frühjahr eine Aktion, bei der Besitzer von Streuobstwiesen Schilder aufstellen können, ob das Obst gegessen werden darf oder nicht", erklärt Uschi Prawitz von TraKuLa. "Lebensmittel sollen so vor dem Verderben gerettet werden. Ältere Menschen schaffen es oftmals nicht, ihre Bäume alleine abzuernten oder benötigen so viele Früchte gar nicht." Die Schilder ermöglichen es auch, dass man als Besitzer flexibel entscheiden kann, ob man sein Obst teilen möchte oder nicht. Und man muss sich nicht ärgern, wenn unerlaubterweise Obst genommen wird.

"Für den normalen Bürger bringen die Schilder den Vorteil, dass sie wissen, wo sie etwas nehmen können - und es fördert den regionalen Obstbau. Der Gang in den Supermarkt kann man sich so sparen, wenn man Äpfel, Birnen und Kirschen direkt vom Baum ernten kann", begründet Uschi Prawitz die Aktion.

"Streuobstwiesen sind allerdings nicht dafür da, dass man etwas erntet, um es dann zu verkaufen. Jeder soll etwas davon haben können. Und gerade in Jahren, in denen es viel Obst gibt, wäre es schade, wenn das Obst verdirbt, weil es keiner isst", sagt Uschi Prawitz.



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