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Asylheim Neuenmarkt: Die Hilfe geht weiter

Die Unterstützung und Integration der Flüchtlinge in Neuenmarkt gelingt dank vieler freiwilliger Helfer und Spender. Auch das soziale Kaufhaus Ruth ist ein großer Erfolg. Jetzt soll die Erwachsenen- und Kinderbetreuung gefördert werden.
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Marina Mewes (links) und Anita Lange gehören zu den Helfern im Kaufhaus Ruth. Foto: Jürgen Gärtner
Marina Mewes (links) und Anita Lange gehören zu den Helfern im Kaufhaus Ruth. Foto: Jürgen Gärtner
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Einen Mantel, Pullis, Schals und einen Hosenanzug hat Erika Hahn zusammengepackt. "Alles Winter sachen", die die Neuenmarkterin im Haus "Sonnenschein" in der Schulstraße 9 auf dem Gelände des früheren Diakonissen-Wohnheims abgibt. In das bislang leerstehende Gebäude ist inzwischen das soziale Kaufhaus Ruth umgezogen.

Jeden ersten Dienstag im Monat werden dort von 17 bis 18 Uhr Spenden angenommen - Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug und vieles mehr. "Das ist eine gute Sache, das kann man unterstützen", sagt Erika Hahn.

So wie sie denken glücklicherweise viele. An dem Abend gleicht das Haus ein bisschen einem Bienenstock. Unten fahren Autos aus Neuenmarkt, Himmelkron und Bayreuth vor, wird ausgeladen. Helfer tragen die Sachen in den ersten Stock, wo Inge Hoch und ihre Tochter Jessica Göldel eine erste grobe Sortierung vornehmen.
Der Socken mit Loch wird ausgesondert, die guten Sachen auf die Zimmer verteilt und fein säuberlich in Regale geschlichtet oder auf Kleiderstangen gehängt. Darum kümmern sich beispielsweise Marina Mewes und Anita Lange.

Spenden von Firmen

Die ganzen Regale für die Kleiderkammer im Wert von 3000 Euro wurden von einer Firma aus dem Landkreis gespendet, berichtet Helferin Melanie Schwabbauer über Unterstützung aus der Wirtschaft - auch aus Neuenmarkt. So habe die Firma Fischer Material für den Garderobenbau gespendet, die Firma Wanderer hat sich bereit erklärt, den Einbau einer Küche im Saal von Haus "Sonnenschein" zu übernehmen.

Eine Küchenzeile für 300 Euro haben die rund 20 freiwilligen Helfer im Auge, finanziert werden soll sie durch Spenden und dem Erlös aus der Kleiderkammer. Der Saal soll zu einem Ort der Begegnung werden, ein Platz für die Arbeit mit Erwachsenen und Kindern entstehen. Verschiedenste Aktionen sind geplant, Ideen immer willkommen. Nach wie vor beliebt sind die Deutschkurse, die Haydee Stölzel zwei Mal in der Woche anbietet.

Die Finanzierung teilen sich die Kirchengemeinde und die politische Gemeinde. Wobei die Nebenkosten einen großen Brocken ausmachen. Mit 600 bis 700 Euro im Monat inklusive Heizung rechnen die Helfer.

Zu ihnen zählt auch Kerstin Wanderer, die sich um die Koordination kümmert und auf ein besonderes Ereignis in der Asylunterkunft aufmerksam macht: auf die Geburt des kleinen Junis, der am 19. Oktober das Licht der Welt erblickte. "Das spricht sich rum, jeder hat ein Auge auf den Kleinen", lobt sie das gute Miteinander im Flüchtlingsheim.

Modell zieht Kreise

Das Neuenmarkter Modell zieht inzwischen Kreise, war sogar schon Thema in der Dekanatssynode in Thurnau, erzählt Kerstin Wanderer weiter. "Wir wollen unser Wissen und unsere Erfahrungen nicht für uns behalten, sondern andere mit ins Boot holen und dabei helfen, Ängste abzubauen", sagt sie.

Dass das den Neuenmarktern vorbildlich gelingt, das sieht auch Pfarrer Ulrich Böhm so. "Die Asylbewerber fühlen sich hier willkommen dank der vielen Helfer. Das ist unsagbar wertvoll." Konfliktsituationen wie es sie in isolierten Einrichtungen gibt, würden so gar nicht entstehen. Freuen würde sich Böhm auch über personelle Unterstützung durch angestellte Kräfte, da bislang alles ehrenamtlich geregelt werde.

Pfarrer Böhm weist darauf hin, dass das soziale Kaufhaus Ruth nicht nur für die Flüchtlinge gedacht ist, sondern für alle Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden. Die Kleiderkammer ist immer mittwochs von 17 bis 18 Uhr geöffnet. Dass inzwischen einige der rund 50 Asylbewerber auch die Gottesdienste besuchen, freut den Geistlichen natürlich besonders.

Abholservice geboten

Pfarrer Ulrich Böhm würdigte auch das Engagement des Ehepaars Ulrich und Ellen Stelter, das sich um die Spenden kümmere, sogar einen Abholservice für die Sachen biete.

Ulrich Stelter ist bereits am überlegen, sich als Integrationsbeauftragter der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, erklärt er. "Das geht aber nur mit Unterstützung von Leuten wie Melanie Schwabbauer und Kerstin Wanderer."
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