Kulmbach
Interview

Architektur in Kulmbach: Jetzt spricht die Frau vom Bau

In Sachen Baukultur macht ihr keiner was vor: Marion Resch-Heckel, langjährige Chefin der Bauabteilung der Regierung, spricht über Transparenz, die Mälzerei Müller, noch ein Sorgenkind und den Kauerndorfer Tunnel.
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Noch ein Sorgenkind von Marion Resch-Heckel: das  stadtbildprägende Spinnereigebäude,  dessen äußeres Erscheinungsbild    unbedingt erhalten werden müsse. Foto: Stephan Tiroch
Noch ein Sorgenkind von Marion Resch-Heckel: das stadtbildprägende Spinnereigebäude, dessen äußeres Erscheinungsbild unbedingt erhalten werden müsse. Foto: Stephan Tiroch
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Mehr Frauenpower und Kompetenz am Bau geht fast gar nicht: Architektin, Vizepräsidentin der Architektenkammer, Mitglied im Landesdenkmalrat und - bis Mittwoch - Leiterin der Bauabteilung bei der Regierung von Oberfranken und damit zuständig für alle staatlichen Bauvorhaben im Bezirk. Die Rede ist von Marion Resch-Heckel. Die bayernweit anerkannte Expertin äußert sich im Interview über Transparenz, die Mälzerei Müller, noch ein Sorgenkind und den Kauerndorfer Tunnel.

Wie ist es, wenn die Männer nach Ihrer Pfeife tanzen müssen?

Marion Resch-Heckel: Für mich nie ein Problem, weil ich drei Brüder habe. Für manche Männer aber schon. Wenn man vor 30 Jahren eine Frau als Führungskraft bekommen hat, dann war das für die Männer schon gewöhnungsbedürftig.

Als Spitzenbeamtin waren Sie die Chefin von 850 Mitarbeitern. Mehr Last oder mehr Lust?

Auf jeden Fall Lust. Ich hatte immer Freude am Beruf, an der Architektur, am Bauen - aber auch daran, mit Menschen zusammenzuarbeiten und Menschen zu führen.

Gab es ein Projekt, das Ihnen besonders wichtig war?

Das waren ganz viele, natürlich das Schloss Thurnau oder die Talbrücke Untersteinach. Aber auch das Schloss Steinenhausen und die vielen Kirchen im Landkreis Kulmbach, die ich sanieren durfte.

Worüber haben Sie sich zuletzt besonders gefreut?

Über die Entscheidung, dass der Campus nach Kulmbach kommt - ein Riesenerfolg für die Stadt. Aber auch über den Geldsegen, den wir mit der Förderoffensive Nordostbayern nach Kulmbach gebracht haben. Wenn so was gelingt, ist es für das ganze Team ein echtes Erfolgserlebnis.

Was hat Sie in letzter Zeit besonders geärgert?

Ich habe gelernt, mich möglichst nicht ärgern zu lassen. Ich habe eine positive Grundeinstellung.

Was sagen Sie dann zum Stadtratsbeschluss, den Abbruch der Mälzerei Müller zu genehmigen?

Ich bin ein Stück enttäuscht, weil die Stadt eigentlich in den vergangenen Jahrzehnten viel für ihr Stadtbild getan hat. Enttäuscht, dass man nicht intensiver reflektiert hat, was an dieser Stelle passiert.

Sie hätten das stadtbildprägende Backsteingebäude stehengelassen?

So kann man es nicht sagen. Aber die typischen Elemente, die vorhandene Substanz sollte möglichst beim Neubau mit verarbeitet werden. Da gäbe es Möglichkeiten. Vielleicht gehen Stadt und Investor noch mal in sich, und es gelingt, diesen gesichtslosen Neubau zu vermeiden.

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Problemfälle in Kulmbach?

Man muss aufpassen, dass die leerstehenden Bereiche der ehemaligen Spinnerei - gegenüber dem Bahnhof - in absehbarer Zeit revitalisiert werden. Pläne gibt es viele, jetzt sollte man konkret an die Umsetzung gehen. Dieses prägende Gebäude muss im äußeren Erscheinungsbild als Industriedenkmal unbedingt erhalten werden.

Wie bewerten Sie den Umgang mit dem baukulturellen Erbe in Kulmbach?

Grundsätzlich geht man in Kulmbach behutsam mit den Gebäuden um. Aber man müsste sich manchmal vor einer Entscheidung etwas mehr Zeit lassen und überlegen, was man abbrechen kann und was nicht. Eine transparente Bürgerbeteiligung halte ich dabei für extrem wichtig. Wenn was Neues gebaut wird, dann muss es überzeugend besser sein als das Alte.

Thema Straßenbau: Sie haben den Architektenwettbewerb für die Brücke der Umgehung Untersteinach initiiert. Wie sehen Sie den Kauernburger Tunnel?

Ich habe der Obersten Baubehörde (jetzt Bauministerium) ein Modellprojekt vorgeschlagen: kein Tunnel, dafür Ausbau der Ortsdurchfahrt mit städtebaulicher Neuordnung. Das heißt, eine gerechte Entschädigung für die betroffenen Eigentümer, gegebenenfalls Angebot eines Ersatzneubaus an anderer Stelle, und eben nicht nur nach dem Verkehrswert, da die Immobilien durch die Straße entwertet worden sind. Diese Möglichkeit wurde nicht weiter verfolgt, weil die rechtlichen Bestimmungen es nicht zulassen. Aber es wäre in der Summe wesentlich wirtschaftlicher für den Steuerzahler. Bei so einem Tunnel gibt es nicht nur Baukosten, sondern regelmäßige jährliche Folgekosten. Aber möglicherweise denkt man noch mal darüber nach - es ist nicht zu spät.

Sie waren mit dem Landtagsabgeordneten, Stadt- und Kreisrat Dieter Heckel (CSU / † 2016) verheiratet: Hat es Sie nicht gereizt, in die Politik zu gehen?

(lacht) Es hat mich schon mal gereizt, weil ich es spannend finde, wenn man an entscheidenden Stellen politische Weichen stellen kann. Aber ich habe erkannt, dass ich auf der fachlichen Seite besser aufgehoben bin.

Jetzt im Ruhestand hätten Sie Zeit. 2020 ist Kommunalwahl ...

(lacht) Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich werde mich erst mal weiter um meine Ehrenämter kümmern. Da habe ich genügend Arbeit und Betätigungsfelder. Zum Beispiel haben wir im Landesdenkmalrat heuer den Schwerpunkt: Umnutzung von Kirchen und Klöstern. Das ist auch hier ein Thema, wenn ich nur an Himmelkron denke. Oder bei Marienweiher weiß man auch nicht, ob so ein Kloster auf Dauer erhalten werden kann.

Sehen Sie für sich eine öffentliche Aufgabe in Kulmbach? Wäre hier auch so etwas wie der Gestaltungsbeirat in Bamberg denkbar?

Ein Gestaltungsbeirat wäre sehr nützlich in Kulmbach und sehr zu empfehlen, weil viel gebaut wird - unter anderem Campus und Behördenzentrum Spinnerei. Hier sind jedoch mehr externe Berater gefragt, denn der Blick von außen ist ganz wichtig. Aber ich stehe gerne zur Verfügung, wenn mein Rat gefragt ist.

Zur Person

Kindheit und Jugend geboren 1955; aufgewachsen, Schule und Abitur in Braunschweig

Studium der Architektur in Braunschweig und München

Staatsdienst seit 1980, seit 1982 in Oberfranken, seit 2006 Chefin der Bauabteilung bei der Regierung von Oberfranken

Kulmbacherin seit 25 Jahren

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