Kulmbach
Jubiläum

Arbeitskreis Schule/Wirtschaft Kulmbach: Netzwerken auf hohem Niveau

Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft wird 30 Jahre alt. Ein Blick auf die Schwerpunkte der Arbeit.
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Die Ausbildungsmesse ist seit Jahrzehnten eine gefragte Veranstaltung.Archiv/Stephan Stöckel
Die Ausbildungsmesse ist seit Jahrzehnten eine gefragte Veranstaltung.Archiv/Stephan Stöckel
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Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft bleibt konsequent: Hatte er sein 25. Jubiläum Anfang 2014 gefeiert, lädt er auch erst im Folgejahr seines 30. Geburtstags ein. Am kommenden Dienstag wird es dazu eine Gala für geladene Gäste geben.

Im Jahr 1988 hatte sich das Gremium in den Räumen der Handwerkskammer in Kulmbach erstmals formiert. Damals sollten die Schulen und die Wirtschaft der Region in einen Dialog gebracht werden. Taktgeber in dieser Gründungszeit war bereits Michael Pfitzner, der auch heute noch für den Bereich Schule an der Spitze des Arbeitskreises steht.

"Sehr sinnvoll"

Michael Pfitzner: "Es gab damals bereits einen Arbeitskreis in Kulmbach, der sich mit dem Übergang Hauptschule - Berufsschule beschäftigte. Ich fand das sehr sinnvoll. Auf einer Fortbildung in Westerham/IHK Oberbayern mit einem Unternehmerplanspiel stellte ich fest, dass es einzelne Arbeitskreis unter der der Obhut des Bildungswerks der bayerischen Wirtschaft gab. Dieses Modell (gleiche Augenhöhe) übernahmen wir in Kulmbach."

Von Anfang an wollte der Arbeitskreis informieren und organisieren. Ein Format dafür ist nach wie vor die Ausbildungsmesse, die sich, im Laufe der Jahre zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelte.

Andere Beschäftigungssituation

Jürgen Rötche, erster Vorsitzender des Arbeitskreises für den Bereich Wirtschaft, erinnert sich: "In der Gründungsphase hatten wir eine andere Beschäftigungssituation als heute, es gab mehr Schulabgänger als Lehrstellen. Es galt, Verständnis für beide Seiten zu schaffen, jeweils den Blick der Schule auf die Wirtschaft und umgekehrt zu erweitern, die Probleme/ Bedürfnisse der jeweils anderen Seite zu erkennen."

Anfangs habe man Diskussionsrunden bei verschiedenen Betriebsbesichtigungen organisiert. Mit der ersten Ausbildungsmesse - damals wohl die Erste in Bayern überhaupt - sei schließlich die richtige Plattform geschaffen worden, die heute hervorragend etabliert sei.

Michael Pfitzner dazu: "Anlass für die erste Ausbildungsmesse war ein Gespräch zwischen dem damaligen Innungsobermeister Heinz Vogel und mir. Das Handwerk habe keine entsprechenden Auszubildenden, hatte er geklagt. In der Stadthalle fand dann die erste Messe statt. Jeder Aussteller bekam einen Tisch und einen Stuhl."

Annegret Kühne erinnert sich an ihre Zeit als Vorsitzende, dass man "viel bewirkt" habe. Es sei auch gelungen, interessante Vorträge zu organisieren, unter anderem hätten der Gastronom Gerd Käfer und der Regisseur Dieter Wedel in Kulmbach gesprochen. Auch heute sei der Arbeitskreis noch sehr wichtig.

Der Ausbildungspreis

Ein zweiter wichtiger Pfeiler der Arbeit des Arbeitskreises ist der Ausbildungspreis. Hier erinnert sich Michael Pfitzner: "Die Idee der Ausbildungspreise war das Produkt einer Diskussion mit den Verantwortlichen der Bayerischen Rundschau, dem Herausgeber Helmuth Jungbauer, dem Redaktionsleiter Thomas Lange, der Vorsitzenden Annegret Kühne und mir. Wir wollten Betriebe auszeichnen, die in einer Zeit des Bewerberüberschusses mehr Ausbildungsplätze angeboten haben, als unmittelbar gebraucht wurden. Heute haben wir die umgekehrte Situation - und die Ausbildungsbetriebe erhalten die Möglichkeit, für das Unternehmen zu begeistern."

Jürgen Rötche ergänzt: "Der Wirtschaft musste seinerzeit die Bedeutung des Nachwuchses zur eigenen Zukunftssicherung deutlich gemacht werden vor kurzfristiger betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise. Umgekehrt sollte die Schule stärker die von der Wirtschaft geforderten Grundtugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und Freude an der Arbeit vermitteln."

Das bestätigt auch Bernd Müller, der heute Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken - Fachverlage ist. "Wir haben der Wirtschaft damals aufgezeigt, dass sie mehr in Sachen Ausbildung tun muss. Und auf der anderen Seite war es wichtig, den Lehrern aufzuzeigen, wie die Arbeitswelt heute ist."

"Anerkannter Partner"

Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft sei der gefragte und anerkannte Partner an der sich überlappenden Menge im Bereich Bildung, Innovation, Zukunftsfähigkeit von Schule und der Arbeitswelt, betont Michael Pfitzner. "Die Notwendigkeit für dieses Netzwerk hat eher noch zugenommen. Das Miteinander bei uns im Landkreis hat außerdem eine hervorragende Position."

Das bestätigt auch Clemens Dereschkewitz, der aktuell Vorsitzender für den Bereich Wirtschaft ist. "Der Arbeitskreis ist wichtiger denn je. Die Wirtschaft muss mit Verantwortung übernehmen und sich einbringen. Das ist ein Garant für uns in der Region, dass die Arbeitskräfte den Landkreis nicht verlassen.

Die Gewinner des Ausbildungspreises

29 Gewinner des Ausbildungspreises gibt es bereits. Während in den Jahren bis 2013 die Preise in zwei Kategorien verliehen wurden (für das Unternehmen mit den prozentual meisten Ausbildungsplätzen und für außergewöhnliche Leistungen in der Ausbildung) gibt es seitdem nur noch eine Kategorie - dafür aber ein Motto. Dennoch sah die Jury (mit Vertretern aus dem Arbeitskreis, der Bayerischen Rundschau, des Landkreises, der Schulen, von Industrie und Handwerk sowie der begleitenden Agentur "Bergwerk") in den meisten Fällen zwei etwa gleichwertige Bewerbungen. Nur 2016 sicherte sich die Firma Wiegel die Auszeichnung alleine.

2004 Meile technik Heizung-Klima-Sanitär, Kulmbach M+W Zander Energie Anlagen GmbH, Kulmbach

2005 Holz & Hobel, Schreinerei Stefan Moser, Fassoldshof Kulmbacher Brauerei AG, Kulmbach

2006 Heizung - Sanitär - Solaranlagen, Gebhardt GmbH, Weißenbach 27 Raps Gewürzwerke GmbH & Co. KG, Kulmbach 2007 Lutz & Wollnik Metallbau GmbH, Thurnau Saum & Viebahn GmbH & Co. KG, Textilverlag, Kulmbach

2008 Bartels-Möbelbau Echtholzdesign, Thurnau Franken Maxit Mauermörtel GmbH & Co. KG, Azendorf

2009 Schreinerei Thomas Rosenberger, Untersteinach Vitrulan Textilglas GmbH, Marktschorgast

2010 Wiegel Gebäudetechnik, Kulmbach Raps Gewürzwerke GmbH & Co. KG, Kulmbach

2011 SET Energietechnik GmbH, Thurnau Saum & Viebahn GmbH & Co. KG, Textilverlag, Kulmbach

2012 AK - Der Friseur, Marktschorgast Sparkasse Kulmbach-Kronach, Kulmbach

2013 GACK Möbelwerkstätten OHG, Hutschdorf IREKS GmbH, Kulmbach

2014 Landratsamt Kulmbach

Saum & Viebahn GmbH & Co. KG, Kulmbach

2015 ait-deutschland GmbH, Kasendorf

Kulmbacher Bank eG, Kulmbach

2016 Wiegel Gebäudetechnik GmbH, Kulmbach

2017 Sparkasse Kulmbach-Kronach, Kulmbach

Schwender Energie- und Gebäudetechnik GmbH & Co. KG, Thurnau

2018 Raps GmbH & Co KG, Kulmbach

Riegg & Partner Werbeagentur GmbH, Neudrossenfeld Das Motto 2019: "Wir/mein Betrieb schonen/schont die Umwelt". Auszubildende können dabei etwa darstellen, wie sich der eigene Betrieb in diesem Bereich aufgestellt hat und welchen Einfluss das Thema auf die Ausbildung hat. Bewerbungsschluss ist Freitag, 30. August. Der Preis wird dann am 18. Oktober 2019 vergeben.

"Eine gue Erfahhrung"

Linda Hahn (26) ist heute Einkäuferin bei Raps, Bianca Niegel (27) Assistentin im kaufmännischen Bereich. 2010 zählten sie zu dem Raps-Team, das mit einem dreieinhalbminütigen Video über den Azubi-Laden "Rapsody of spices" den Ausbildungspreis gewann.

Damals befanden sich die beiden in der Ausbildung zur Industriekauffrau. Heute blicken sie noch gerne auf die Erfahrungen zurück, die sie bei der Teilnahme an dem Projekt machten.

Es war nicht nur die übergreifende Zusammenarbeit der Azubis vom ersten bis zum dritten Lehrjahr aus allen Bereichen des Unternehmens, die ihnen in Erinnerung geblieben ist, sagt Linda Hahn. Sie erhält ein zustimmendes Nicken von Bianca Niegel. "Auch die Vorstellung des Projekts vor großem Publikum war eine wichtig Erfahrung", erklärt sie.

Die Freude über den Erfolg sei damals natürlich groß gewesen und habe alle Arbeit und Mühen im Vorfeld vergessen lassen. Deshalb können sie anderen Auszubildenden nur empfehlen, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen.

"Die Firma war stolz auf uns und unsere Truppe. Dass wir so etwas auf die Beine gestellt und dabei so viel Unterstützung von den Mitarbeitern bekommen haben", erklärt Bianca Niegel fast zehn Jahre nach dem Erfolg der Azubis.JG

Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft hat traditionell einen Vorsitzenden aus dem Bereich Schule und einen aus dem Bereich Wirtschaft.

Wer hat den Arbeitskreis geleitet?

Schule

1988 bis 1991 Schulamtsdirektorin Margarete Meyer

1991 bis 2003 Schulamtsdirektor Karl Pöhlmann

2003 bis heute Schulleiter Michael Pfitzner

Wirtschaft

1988 bis 2002 Jürgen Rötche (damals Vorstand der Kulmbacher Bank)

2002 bis 2011 Annegret Kühne (Gesellschafterin der Raps Gewürzwerke)

2011 bis 2013 Bernd Müller (Geschäftsführer bei der Mediengruppe Oberfranken)

2013 bis heute Clemens Dereschkewitz (zuletzt Geschäftsführer bei ait Deutschland)

Geschäftsführer

1988 bis 2003 Michael Pfitzner

2008 bis 2013 Manfred Weberred

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