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Untersteinach bei Kulmbach
100-Jahr-Feier

Anja Müller nimmt SPD-Parteiaustritt zurück

Eine Überraschung erlebte der SPD-Ortsverein Untersteinach bei der 110-Jahr-Feier in der Turnhalle: Anja Müller, die ihr Parteiaustrittserklärung bereits abgeschickt hatte, freute sich so sehr darüber, dass sie für ihre 25-jährige Treue zur SPD ausgezeichnet wurde, dass sie darum bat, diese wieder zurückzunehmen.
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Anja Müller schwenkt die SPD-Fahne wieder aus Überzeugung.  Sie  wollte aus der  Partei  austreten, hat ihre Austrittserklärung bei der Feier in Untersteinach aber  zurückgezogen. Fotos: Sonja Adam
Anja Müller schwenkt die SPD-Fahne wieder aus Überzeugung. Sie wollte aus der Partei austreten, hat ihre Austrittserklärung bei der Feier in Untersteinach aber zurückgezogen. Fotos: Sonja Adam
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Anja Müller ist Mitbegründerin der Jusos und engagiert sich seit Jahren für die Sozialdemokraten. "Letztes Jahr hat es mir mit der SPD gereicht - das lag an einem Mann namens Thilo Sarrazin", sagte sie. Sie habe sich so sehr über den früheren Berliner Finanzsenator und umstrittenen Buchautor ("Deutschland schafft sich ab") und seine Ratschläge an Hartz IV-Empfänger geärgert, dass sie der Partei den Rücken kehren wollte. "Inge, bitte zerreiße den Brief. Sarrazin hin oder her, ich kann die Verbindung zu Euch nicht kappen", rief sie nun und erklärte: "Ich will auch in Zukunft dabei sein."

"Der schönste Effekt"


"Das ist natürlich der schönste Effekt, den eine Ehrung haben kann", zeigte sich Ortsvorsitzender Volker Schmiechen zufrieden. Auch Heinz Brauersreuther, Erich Klötzer und Rita Schuberth, die alle seit 25 Jahren Mitglied sind, freuten sich über Anja Müllers Kehrtwende. Auch für 40 Jahre Treue wurden viele Genossen geehrt: Hermann Pöhlmann, Hilde Schaller, Peter Schuberth, Inge Winkler, Doris Trapper, Hans-Dieter Wagner, Carmen Krasser und Volker Rauh. Karl Früchtel, der Träger der Bürgermedaille ist, der wie Inge Winkler aber nicht an der Feier teilnehmen konnte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Inge Winkler, die Vorsitzende der Schützen, wird sich über eine noble Geste freuen: "Wir spenden den Erlös des Jubiläums für den Wiederaufbau des Schützenhauses. Denn wir waren immer gut aufgehoben, haben dort immer unser Heringsessen gemacht", sagte Schmiechen.

Auf Bahnhofsvorplatz verbrannt


Die Geschichte des Ortsvereins Revue passieren zu lassen, war kein leichtes Unterfangen. Die meisten Unterlagen der 1902 gegründeten Partei sind während der NS-Zeit vernichtet worden. Einige wurden öffentlich auf dem Bahnhofsplatz verbrannt, hat Schmiechen in Erfahrung gebracht. Doch eine Besonderheit konnte recherchiert werden: "Die SPD Untersteinach war und ist eine starke Bastion. Seitdem 1966 Georg Hahn als erster Sozialdemokrat den Bürgermeistersessel erobert hat, ist sie lückenlos an der Macht."

"Untersteinach ist einer der beständigsten Ortsvereine", sagte Unterbezirksvorsitzender Simon Moritz. "Es macht mich glücklich, ein Teil von Euch zu sein", stellte SPD-Gemeinderätin Christa Müller fest. Wie Holger Grießhammer, der Wunsiedler SPD-Kreisvorsitzende, machte auch die Landtagsabgeordnete Inge Aures Mut für kommende Aufgaben.

"Wir wollen an die Regierung"


"Die Zeichen stehen gut. Wir wollen in Berlin und in München an die Regierung", sagte sie. Auf einen Regierungswechsel in Kulmbach hofft Ingo Lehmann, der sich vor der OB-Wahl zuversichtlich zeigte. "Ich kämpfe bis zum letzten Tag und hoffe, dass es heißt: Ingo Lehmann ist Oberbürgermeister."

Über die Grundwerte der SPD referierte der SPD-Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher seiner Partei, Thomas Beyer. Er forderte mehr soziale Gerechtigkeit, Maßnahmen gegen Altersarmut, eine gerechtere Besteuerung und eine Mehrbelastung der Besserverdiener. Die Feier wurde von der Untersteinacher Blasmusik unter der Leitung von Lothar Huber umrahmt.
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