Kulmbach
Stichtag

Analoge Rundfunksignale werden abgeschaltet

Die analogen Rundfunksignale werden abgeschaltet. Am Donnerstag ist der Stichtag für Kulmbach. Wer schaut jetzt in die Röhre?
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Sascha Weberpals, Bereichsleiter für Unterhaltungselektronik bei Media Markt in Kulmbach, zeigt einen Digital-Receiver. Damit lässt sich ein alter Röhrenfernseher für das digitale Kabelsignal aufrüsten.Peter Müller
Sascha Weberpals, Bereichsleiter für Unterhaltungselektronik bei Media Markt in Kulmbach, zeigt einen Digital-Receiver. Damit lässt sich ein alter Röhrenfernseher für das digitale Kabelsignal aufrüsten.Peter Müller
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Bis Frühjahr 2019 soll die bundesweite Abschaltung des analogen Kabelfernsehens abgeschlossen sein. Das planen die Netzbetreiber, in Bayern hauptsächlich Vodafone. Die Umsetzung ist in vollem Gange. Welche Region wann mit der Abschaltung dran ist, hat das Projektbüro Digitales Kabel veröffentlicht. Am Donnerstag ist der Stichtag für Kulmbach. Wer sich darauf nicht vorbereitet hat, schaut womöglich in die sprichwörtliche Röhre.

"Auf jeden Fall alle, die noch einen Röhrenfernseher haben", erklärt Sascha Weberpals, der beim Media Markt Kulmbach Bereichsleiter für Unterhaltungselektronik ist. Bei Flachbild-Geräten könne man dies nicht pauschal sagen, nachdem analog und digital seit längerer Zeit parallel laufen. Da könne es durchaus sein, dass dass TV-Gerät nur falsch eingestellt ist.

Tuning für alte Geräte

"Wenn es einen DVB-C-Receiver - das steht für Digital Video Broadcasting-Cable - eingebaut hat, dann muss nur ein neuer Sendersuchlauf gestartet werden", so Weberpals, der aber auch für Besitzer alter Röhrenfernseher Entwarnung gibt. "Dafür gibt es Receiver ab 37 Euro, deren Nachteil allerdings ist, dass man dann zwei Fernbedienungen herumliegen hat."

Ob man von der Abschaltung betroffen ist, lässt sich nach den Worten von Media-Markt-Geschäftsführerin Elke Farniok leicht feststellen. Sei der Fernseher direkt mit der Kabelanschlussdose verbunden, sehe man höchstwahrscheinlich noch analog. Auch wenn die Anzahl der Programme auf maximal 32 Sender beschränkt ist, weise dies auf einen Analoganschluss hin.

Bild und Ton wesentlich besser

Für manche Kunden könne der Abschalttermin auch ein Anlass sein, sich gleich ein neues TV-Gerät anzuschaffen. Dies mache auch deshalb Sinn, weil man damit sofort digitale Programme empfangen könne und in den Genuss einer weitaus besseren Bild- und Tonqualität komme.

Das Geschäft habe in den vergangenen Tagen merklich angezogen, so Farniok, die dem Wochenende mit Spannung entgegensieht. "Aber wir sind für einen eventuellen Kundenansturm gerüstet."

Die Baugenossenschaft in Kulmbach zählt etwa 1300 Wohnungen - und deren Mieter werden in Sachen TV-Anschluss von der Firma G. Ziegelmeier mit Sitz in Augsburg betreut. Das Unternehmen ist ein Betreiber von Kabelnetzen und hat nach eigenen Angaben in seiner 40-jährigen Geschichte in der deutschen Wohnungswirtschaft annähernd 165 000 Wohneinheiten mit Rundfunk- und Fernsehempfangsanlagen ausgestattet.

Eine Mitarbeiterin berichtet, man habe die Mieter in Kulmbach darüber informiert, dass der analoge Anschluss Ende des Jahres abgeschaltet wird. Bislang seien aber noch keine Anlagen umgestellt worden; das erfolge vermutlich nach und nach in den kommenden Tagen und Wochen. Manche Mieter hätten bereits Geräte, die digitale Signale verarbeiten könnten, andere sähen bestimmte Programme noch analog.

Einer derjenigen, die das Umstellen vor Ort für ihre Kunden noch als Serviceleistung anbieten, ist Elektrotechniker-Meister Raimund Graß vom gleichnamigen Elektrohandel mit Sitz in Wartenfels.

Schon viele Geräte umgestellt

"Ja, es sind viele Leute auf uns zugekommen. Ich schätze mal, dass wir bestimmt schon 50 Geräte umgestellt haben, noch mal so viele stehen an. Es gibt ja kaum noch Servicestationen, die das überhaupt als Dienst am Kunden anbieten. Viele kaufen ihre online, haben dann aber keinen Ansprechpartner und damit auch niemanden, der in einem solchen Fall dann persönlich vorbeikommt - und wenn, dann kostet das richtig Geld."

Die Kunden seien rechtzeitig über die Abschaltung informiert worden, sagt Graß. "Die meisten TV-Geräte werden sicher nicht plötzlich komplett schwarz bleiben, es werden einzelne Programme womöglich nicht mehr laufen. Viele haben auch schon Fernseher zu Hause, die digitalfähig sind." Vor allem ältere Menschen aber seien - trotz aller Aufklärung - benachteiligt, viele warteten zu. "Wenn da in der Familie niemand ist, der sich für die Mutter oder die Oma drum kümmert, dann kann es schon vorkommen, dass das Ende des TV-Empfangs überraschend kommt."

Er selber und sein Team seien mit der Umstellung "sehr gut beschäftigt", wie er sagt. "Ich suche händeringend zwei weitere Techniker, auch für solche Aufgaben, aber ich bekomme niemanden." Und Graß zeichnet noch eine andere Prognose: "Wenn es aufgrund des Onlinehandels keine Händler mehr vor Ort gibt - dann werden die Menschen für solche Dienstleistungen wohl bald tief in die Tasche greifen müssen."

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