Kulmbach
Entdecker-Tour (135)

An einem Kulmbacher Gebäude findet man Stadtgeschichte in drei Teilen

"Kunst am Bau" kann auf dem Kulmbacher Eku-Platz bestaunt werden. Und man erfährt dabei etwas über die Stadtgeschichte.
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Am Eku-Platz kann ein besonderes Exemplar von "Kunst am Bau" bestaunt werden. Foto: Erich Olbrich
Am Eku-Platz kann ein besonderes Exemplar von "Kunst am Bau" bestaunt werden. Foto: Erich Olbrich
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Eine besondere Form von "Kunst am Bau" ziert das ehemalige Geschäftsgebäude der Firma Eka-Gardinen am Kulmbacher Eku-Platz. Der Hausschmuck unterstreicht, dass sich alt und neu durchaus gut verbinden lassen.

Ganz ohne staatlichen Zwang

Tritt der Staat als Bauherr auf, ist er verpflichtet, etwa ein Prozent der Kosten eines Gebäudes für die "Kunst am Bau" zu verwenden. Unabhängig von dieser öffentlichen Zielsetzung fühlen sich auch manche Privatleute diesem Ziel verpflichtet und realisieren entsprechende Projekte. Solche Werke, die unter Beteiligung von Künstlern entstehen, sollen innen oder außen dauerhaft fest mit dem Bauwerk verbunden sein.

Die Idee, an der Fassade von Eka-Gardinen die geschichtliche Entwicklung der Stadt Kulmbach darzustellen, hatte zunächst der Architekt Fritz Schmidt. Sie fiel bei den damaligen Hausbesitzern Manfred und Annemarie Eckardt auf fruchtbaren Boden.

Ein Werk Max Wilds

Der Kunstmaler Max Wild, der das Thema in unterschiedlichen Techniken schon wiederholt bearbeitet hatte, fertigte einen Entwurf. In der Flaschnerei von Karl Mattis entstanden dann drei Kupfervignetten, die das Erscheinungsbild von Stadt und Burg um 1400, nach der Zerstörung 1554 und in der Zeit der Neugestaltung des Eku-Platzes 1982 darstellen.

Die Einzelteile der künstlerisch bemerkenswerten Objekte wurden getrieben und geschnitten und schließlich mit Nieten und Hartlot zusammengefügt.

Nun zu den einzelnen zeitlichen Abschnitten. Das linke Motiv zeigt Kulmbach um 1400.

Die Stadt hatte damals etwa 1600 Einwohner. Die Burggrafen erhielten 1363 das Fürstenprivileg sowie 1415 die Kurwürde und die Mark Brandenburg, weshalb sie sich in der Folgezeit auch die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach nannten.

Die Mangersreuther Kirche war ein bekannter Wallfahrtsort. Es existierte bereits die hoch angesehene Lateinschule, zu deren Schülern einmal der Humanist Friedrich Taubmann zählen sollte. Am Burgberg wuchs Wein. Drei Bader waren tätig, und zwar in der Oberen und in der Mittleren Badstube sowie im Mainbad.

Die Stadt selbst bestand in dieser Zeit aus drei Teilen: der eigentlichen, von einer Mauer und einem Graben umgebenen Stadt, der Wolfskehle mit dem damals schon bekannten Näpfleinsbrunnen und der Vorstadt am Grünwehr.

Die Zeit nach dem Konraditag

Das mittlere Motiv zeigt Kulmbach im Jahr 1554. Die Stadt hatte gerade einmal noch 440 Einwohner. Der 26. November 1553 (Konraditag) gilt als der schwarze Tag in der Geschichte Kulmbachs. Die Stadt wurde von den vereinigten Gegnern eingenommen und geplündert. Am 21. Oktober 1554 wurde die Plassenburg, "des ganzen Kurhauses Stolz und Kleinod", von den Besatzern mutwillig zerstört und in Brand gesetzt.

Diese Vorgänge erregten in ganz Deutschland Aufsehen. Die Bundesstände wurden zur Wiedergutmachung gezwungen. Auch der Kaiser steuerte beträchtliche Mittel bei. Unter Markgraf Georg Friedrich und dem Renaissancebaumeister Caspar Fischer entstand dann die Plassenburg als fürstliche Residenz und Landessitz größer und schöner als zuvor.

E-Auto in Kulmbach erfunden

Rechts wird die Zeit um 1982 dargestellt. Die Einwohnerzahl Kulmbachs war auf 28 700 gestiegen. In Bonn wählte der Bundestag Helmut Kohl nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt zum neuen Regierungschef. Der erste Commodore 64 - ein Computer - kam auf den Markt.

Und der Kulmbacher Ingenieur Erich Pöhlmann brachte ein von ihm entwickeltes Elektroauto zur Serienreife, die Pläne landeten jedoch bei RWE in der Schublade. Die Wirtschaft litt unter einer schlechten Großwetterlage, die Arbeitslosenquote stieg auf 10,6 Prozent.

In Kulmbach wurde die neue Bücherei am Stadtpark eingeweiht. Ein Frevel im alten Friedhof erschüttert die Menschen: Unbekannte schändeten das Grab des Ehrenbürgers Michel Weiß. Große Sorgen bereiten damals schon der Natur- und Umweltschutz.

Nach dem Abbruch der Eku-Brauerei im Jahr 1970 und der langen Nutzung der Freifläche als Parkplatz wurden das Haus der Firma Eka-Gardinen und die Randbebauung unter Einbeziehung des alten Verwaltungsgebäudes der Eku, dem sogenannten "Besenstiel", fertiggestellt.

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