Stadtsteinach
Schule

An der Stadtsteinacher Mittelschule steigen Träume in den Himmel

Die Mittelschule Stadtsteinach schickte 16 Absolventen in die Abschlussprüfungen. Zehn davon haben jetzt den Quali in der Tasche.
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Die Mittelschüler ließen zum Abschluss Luftballons steigen - als Sinnbild für ihre Träume und den Start in einen neuen Lebensabschnitt. Foto: Sonny Adam
Die Mittelschüler ließen zum Abschluss Luftballons steigen - als Sinnbild für ihre Träume und den Start in einen neuen Lebensabschnitt. Foto: Sonny Adam
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99 Luftballons waren es zwar nicht ganz, die die Absolventen der Mittelschule Stadtsteinach in den Himmel steigen ließen - trotzdem war der Effekt wunderschön. Die Ballons symbolisierten die Träume, die Hoffnungen und die Erwartungen der jungen Leute.

Schulleiter Michael Pfitzner wünschte den Schülern bei der Abschlussfeier Eigenverantwortung. "Ihr müsst in Zukunft lernen, Pflichten zu erfüllen", mahnte er.

In diesem Schuljahr unterzogen sich 16 Jungen und Mädchen den Qualiprüfungen. Zehn haben den Quali gemeistert, die anderen haben den Mittelschulabschluss in der Tasche. "Das Leben bietet immer Ausreden, aber ihr seid in einem Alter, in dem man Verantwortung übernehmen muss", so Pfitzner.

Ein "bunter Haufen"

Klassenlehrerin Anja Riedel entließ einen "bunten Haufen", der nicht immer homogen gewesen sei. Mehr als ein Drittel der Schüler habe einen Migrationshintergrund. Die Klassenleiterin schenkte den jungen Leuten einen Rucksack fürs Leben. Durchhaltevermögen, Freundlichkeit, Toleranz und Respekt, Zusammenhalt und Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Motivation sollten darin sein. "Solltet ihr auf eurem Weg mal ins Stolpern geraten, steht wieder auf und geht weiter. Ihr schafft das", sagte Riedel.

Bürgermeister Roland Wolfrum verabschiedete die Schüler mit einer gereimten Rede. "Wenn du immer Schule hast, ist das wirklich eine Last", begann er. Auch zeichnete er die drei besten Schüleraus. Jessica Kulig hat den Quali mit einem Schnitt von 1,8 bestanden, Dominik Schier mit 2,0 und Paul Beckmann mit 2,5. Sie bekamen Anerkennungspreise. Bei der Abschiedsfeier ergriffen auch die Elternbeiratsvorsitzende Judith Hofstetter sowie die Klassensprecher Lara Pfändner und Paul Beckmann das Wort. Pfarrer Martin Fleischmann beschloss die Feier mit einem Segen. Lara Pfändner umrahmte die Feier musikalisch.

Auch junge Syrerin hat es geschafft

Mit einem strahlenden Lächeln nahm die junge Syrerin Tasnim Alhammad ihr Zeugnis in Empfang. "Das hast du wirklich gut gemacht. Du kannst stolz sein auf die Leistungen", lobte Schulleiter Michael Pfitzner. Tasnim sei das Paradebeispiel dafür, "dass man es schaffen kann, wenn man will", sagte er.

"Sie hat kontinuierlich gelernt. Sie hat gekämpft - und sie hat es geschafft", freute sich Pfitzner. Er hoffe, dass Tasnim Alhammad auch für andere Flüchtlinge als Beispiel dienen werde. Denn ihr Durchhaltevermögen und ihre Beharrlichkeit hätten zum Erfolg geführt.

"Ich wollte kämpfen"

"Ich war mir nicht sicher, ob sie es wirklich schaffen kann. Denn sie ist noch nicht so lange hier, und natürlich gibt es noch Defizite in Deutsch", meinte Klassenlehrerin Anja Riedel. Doch auch sie gab unumwunden zu, stolz auf ihren Schützling zu sein. Tasnim sei die einzige Asylbewerberin an der Mittelschule Stadtsteinach, die die Aufgaben für den Quali gemeistert habe; noch dazu mit einem Notendurchschnitt von 2,7. Initialzündung für Tasnim war ein Praktikum. "Letztes Jahr war ich in der Apotheke im ,Fritz', und sofort wusste ich, dass ich pharmazeutisch-technische Assistentin werden möchte", sagte sie. Die junge Syrerin ist gut in Mathematik und interessiert sich für Physik, Chemie und Biologie. Und sie könnte sich vorstellen, Medikamente zu mischen.

Doch schnell war klar: Dieser Berufswunsch lässt sich nur realisieren, wenn Tasnim einen mittleren Schulabschluss vorweisen kann. Und der Weg dorthin ist weit. "Ich habe mich entschlossen, für dieses Ziel zu kämpfen", so die 15-Jährige. "Erst dachte ich, dass Mathe leicht ist. Aber dann habe ich die Aufgaben nicht verstanden. Ich kann rechnen, aber ich habe den Text nicht kapiert." Deutsch sei auch nicht so einfach, immer wieder komme es vor, dass sie die Worte verdrehe. "Ich kenne Subjekt, Prädikat, Objekt, die Wortarten, die Kommaregeln", lachte die 15-Jährige. Und am meisten ärgere sie sich, dass es immer wieder Ausnahmen von den Regeln gibt.

In Kunst eine Eins

Die Prüfungen im Bereich Soziales habe sie mit der Note zwei abgelegt, ebenso die in den naturwissenchaftlichen Fächern, in Kunst schaffte sie sogar eine Eins. Den Abschluss feierte sie mit der ganzen Familie. Und nächstes Jahr möchte sie an die Mainleuser Schule wechseln und dort den "9+2-Zweig" wählen. Der führt in zwei Jahren zur mittleren Reife und ist für Schüler gedacht, die etwas mehr Zeit zum Lernen benötigen, aber weiterkommen möchten.

"Ich muss Geduld haben und Schritt für Schritt weitergehen", hat sich Tasnim vorgenommen und ist überzeugt: Es lohnt sich, für seinen Traum zu kämpfen.so

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