Kulmbach
Entdecker-Tour (114)

Am Kulmbacher Röhrenplatz wohnte ein bedeutender Baumeister

Der Wappenstein über der Tür des Hauses Röhrenplatz 5 erinnert an Johann Georg Hoffmann. Er hat mehrere Markgrafenkirchen in der Region geschaffen.
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Im Gebäude Röhrenplatz 5 befanden sich einst auch eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Foto: Erich Olbrich
Im Gebäude Röhrenplatz 5 befanden sich einst auch eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Foto: Erich Olbrich
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Der Röhrenplatz am Ende der Oberen Stadt breitet sich in Richtung Wolfskehle aus. Der Bereich wurde schon von jeher als Vorstadt bezeichnet. In früheren Zeiten fertigte man auf diesem Platz die Holzröhren für die Wasserleitungen zu den Brunnen der Stadt Kulmbach und lagerte sie dort.

Wasser floss durch Holzröhren

Dazu wurden Kiefern ausgebohrt, mit einem glühenden Dorn durchstoßen und aneinander gefügt. Durch die Röhren floss dann das Wasser von den Quellen oberhalb der Stadt zu den Brunnen in der Innenstadt.

Am Röhrenplatz wohnte Christian Weiß - auch Brunnen-Weiß genannt - , der die Aufsicht führte und bereits im Jahr 1860 eine Firma für Brunnen- und Rohrbau gründete.

1869 regte Bürgermeister Rosenkrantz (Amtszeit von 1864 bis 1887) die Erbauung einer Leitung an, die das Wasser nicht nur bis zu den Brunnen, sondern bis in die einzelnen Häuser bringen sollte. Am 14. Mai 1900 wurde dann die Wasserleitung von Marktschorgast nach Kulmbach in Betrieb genommen. Seitdem bezieht die Stadt ihr Trinkwasser aus den Quellen um Marktschorgast, Stammbach, Marienweiher, Gundlitz und Ziegenburg.

Beeindruckendes Gebäude

Ein beeindruckendes Gebäude am Röhrenplatz ist die Hausnummer 5. In dem Haus eröffnete der Brauer Andreas Planck 1882 eine Gaststätte. 1905 kaufte der Metzgermeister Johann Müller das Anwesen und betrieb neben der Wirtschaft noch eine Metzgerei.

1937 übernahm Willy Merz das Gewerbe, während des Zweiten Weltkriegs führte seine Frau die Wirtschaft. Sie und ihr Mann konnten nach dem Ende seiner Kriegsgefangenschaft auch die Metzgerei wieder eröffnen. Nach Willi Merz' Tod schloss man 1975 zuerst die Metzgerei, ein Jahr später auch den Gasthof.

Auch das Rathaus stammt von ihm

In dem Haus Röhrenplatz 5 wohnte und arbeitete ein bedeutender Kulmbacher. Dies verkündet eine Inschrift über der Eingangstür: "An Gottes Segen ist alles gelegen. Johann Georg Hoffmann 1736".

Johann Georg Hoffmann, geboren am 6. April 1705 in Kulmbach und hier gestorben am 29. Oktober 1778, war Rats- und Schlossbaumeister. Unter seiner Federführung entstanden unter anderem die Spitalkirche, das Kulmbacher Rathaus, das Gebäude Obere Stadt 10 und die Gastwirtschaft "Zum Seelöwen".

Ferner steht am südlichen Ende des Festungsberges ein zweigeschossiges Sandsteinhaus mit Walmdach, das ehemalige Pfarrhaus am Kirchwehr 14. Die Inschrift ist mit 1747 datiert. Auch dieses wird dem Stadtbaumeister Johann Georg Hoffmann zugeschrieben. Hier finden sich auch bauliche Übereinstimmungen mit dem Wohnhaus am Röhrenplatz 5.

1767 starb seine "Frau Eheliebste". Noch schmerzlicher für Hoffmann war aber wohl der Tod seines Sohnes und Nachfolgers Caspar. Am 1. November 1778 trug man ihn schließlich selbst auf den Friedhof am Hang vor seiner Vaterstadt, dorthin, wo er 30 Jahre zuvor - zurückhaltend in der Form und doch leicht und heiter wie einen Pavillon - die Jahn'sche Gruft erbaut hatte. Als Zeugnisse seines Lebens sind seine schlichten und doch wunderbaren Kirchen geblieben. Er wurde zum Vollender des Typus der Markgrafenkirchen mit Kanzelaltar und Emporen in Trebgast, Seibelsdorf, Benk, Nemmersdorf und Neudrossenfeld. Auch die Pfarrkirche in Streitberg stammt von Hoffmann.

Letzter Eintrag ins Sterberegister

Ein letzter Eintrag im Sterberegister der Petrikirche zu Kulmbach lautet: "Herr Johann Georg Hoffmann, des Innern Raths Mitgliedt wie auch Burger dann Schloß- und Stadt-Mauer-Meister allhier, ist gestorben Donnerstag den 29ten October 1778 zu frühe um 6. Uhr. Seines Alters: 73. Jahr, 6. Monathe, 3. Wochen und 3. Tag. Begraben am XX. Sonntag nach Trinitatis den l.ten November, wobey Herr Schlosprediger Haaß in Gegenwartt einer Männer-Procession, die Predigt verrichtet hat."

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