Kulmbach
Leserbriefe

Alte Mälzerei: In Kulmbach wird weiter diskutiert

Zwei Meinungen zu einem Thema: Entscheidung war völlig kopflos und ignorant. Und: Wurden alle Szenarien im Vorfeld geprüft?
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Auch ein Kulmbacher Wahrzeichen - solange es noch steht: das Backsteingebäude der Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße. Foto: Stephan Tiroch
Auch ein Kulmbacher Wahrzeichen - solange es noch steht: das Backsteingebäude der Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße. Foto: Stephan Tiroch

Silvia Behrens aus Kulmbach schrieb uns zum geplanten Abbruch der Mälzerei Müller:

Zunächst möchte ich Herrn Tiroch für seinen Kommentar danken. Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Es ist immer wieder das gleiche Spiel. Es wird "heimlich" etwas beschlossen und anschließend soll es so aussehen, als hätten die Bürger "auch was zu sagen". Ich verstehe die Politiker in Kulmbach nicht mehr. Sie haben allesamt ein Alter, in dem sie es besser wissen müssten. In dem sie aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben müssten.

Sicher ist es erst mal einfacher, ein historisch interessantes und geschichtsträchtiges Gebäude, in diesem Fall die alte Mälzerei Müller, abzureißen und etwas Neues zu bauen. Aber sinnvoll ist das in keiner Weise! Es gibt viele Beispiele dafür, Altes zu erhalten und mit Modernem zu verbinden.

Kulmbach hätte hier die Möglichkeit, ein Schmuckkästchen zu schaffen. Aber stattdessen wird über viele Köpfe hinweg - völlig ignorant und man möchte sagen kopflos - entschieden.

Hässlicher Anblick

Ich kann für viele Kulmbacher wohl auch nur hoffen, was Otto Renner in seinem Leserbrief schrieb, dass sich die Anwohner nicht einschüchtern lassen und schlussendlich die Vernunft siegt. Ich würde unseren Kindern wünschen, dass ihnen der hässliche Anblick eines Null-Acht-Fünfzehn-Baus einmal erspart bleibt und sie mit Stolz auf ein altes/neues Gebäude schauen können.

Abschließend frage ich alle wichtigen Politiker in und um Kulmbach: Warum lernt man nicht aus Fehlern und schaut sich Gutes von anderen Städten ab? Warum muss man sich solche derart "fragwürdigen Denkmäler" setzen? Vielleicht ist ja doch noch ein Umdenken möglich. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!

Veit Pöhlmann, Kreisrat (FDP) aus Thurnau-Limmersdorf, hat einen Vorschlag, wie man mit dem historischen Gebäude umgehen könnte:

Bei inFranken.de wurde umfassend über das Wohnungsprojekt Pestalozzistraße auf dem alten Mälzerei-Gelände berichtet. Die Gestaltungsfragen wurden ausführlich und sachgerecht beleuchtet und kommentiert.

Auf die in der heutigen Zeit im Zusammenhang mit der Schaffung von Mietwohnungen wichtigsten Fragestellungen wurde leider nicht eingegangen: War es nicht möglich, ein solch wichtiges Projekt der Stadtentwicklung mit einem örtlichen "Konsortium" zum Beispiel von Städtebau Kulmbach GmbH und Baugenossenschaft Kulmbach und Umgebung eG anzugehen?

Die Finanzierung hätten gut die örtlichen Institute, Kulmbacher Bank und Sparkasse Kulmbach-Kronach, gemeinsam mit ihren Investment-Fonds tragen können, schließlich sammeln diese auch reichlich Geld in der Stadt Kulmbach bei den Kunden ein; es wäre für diese Banken, ihren Anspruch und ihr Image sicher angemessen, sich mit diesem Geld auch einmal vor Ort und nicht vorwiegend in Großstädten zu engagieren, auch wenn die Renditen vielleicht etwas kleiner sind.

Bei einem solchen Konstrukt wäre es auch leichter möglich zu gewährleisten, dass nachhaltig und langfristig ein angemessenes, aber preiswertes Mietniveau realisiert wird und nicht durch die bekannte Spirale "Investor baut - verkauft (und verdient) - Käufer verkauft (und verdient) - Käufer verkauft (und verdient)" am Schluss Eigentümer stehen, die aufgrund ihres dann absolut ausgereizten Einstandspreises eben auch ausgereizte Mieten verlangen müssen. Eventuell gäbe es dafür auch Fördermittel, die dann "in die Stadt" und nicht in "private Hände" fließen würden.

Es ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, inwieweit solche Szenarien in der Verwaltung oder von den Fraktionen geprüft wurden, bevor der Investor eine Zusage erhielt. Es ist auch nicht ersichtlich, inwieweit, falls solche Szenarien nachträglich noch geprüft und vielleicht sogar als sinnvoll eingestuft würden, bei einem dann zu erwägenden Ausstieg aus dem Projekt schon Ansprüche des Investors entstehen können. Wenn noch irgendein Prüfungs- und Handlungsspielraum besteht, sollte man diesen aber auf jeden Fall nutzen.

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