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Kulmbach
Grenzerfahrung

Alte Häuser zwischen Pracht und Verfall

Wenn Häuser alt werden, ist ihr Schicksal ungewiss. Manche verrotten. Manche erblühen in neuem Glanz.
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Die Rückansicht der ehemaligen Mälzerei Müller. Sanierung oder Abriss? Darüber wird derzeit in Kulmbach diskutiert.Foto: Katrin Geyer
Die Rückansicht der ehemaligen Mälzerei Müller. Sanierung oder Abriss? Darüber wird derzeit in Kulmbach diskutiert.Foto: Katrin Geyer
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Auch Häuser haben eine Biografie. Manchen ist ein eher bescheidenes Dasein bestimmt. Andere hingegen sind geschaffen, um Pracht und Pomp zu entfalten. Am Ende aber steht bei allen der Verfall.

Manchmal freilich geschieht ein kleines Wunder. Dann erspürt jemand den Charme der Beinahe-Ruine und macht daraus wieder ein Schmuckstück.

Beispiele solcher Häuser-Biografien gibt es etliche in Kulmbach, und die Grenze zwischen Pracht und Verfall ist oft schmal. Einen morbiden Reiz strahlen manche herrschaftlichen Häuser oder Industriebauten aus. Im Treppenhaus der alten Spinnerei lässt ein schmiedeeisernes Geländer noch erahnen, dass es die Erbauer der Fabrik verstanden, ihren Wohlstand auch in kleinen Details sichtbar zu machen.

Ruinen mit Zukunft

Die Spinnerei-Gebäude haben, obwohl der Verfall stellenweise weit fortgeschritten ist, eine Zukunft: In einem Teil davon wurde vor Jahren das Fritz-Einkaufszentrum geschaffen. Im Trakt über dem Zentralen Omnibusbahnhof wird bald die siebte Fakultät der Universität Bayreuth angesiedelt sein - wenn auch nur vorübergehend. Und in dem zum Bahnhof ausgerichteten Gebäudeteil soll nach der Sanierung das "grüne" Behördenzentrum einziehen.

Arg heruntergekommen ist das Gebäude der ehemaligen Mälzerei Müller. Aber auch dort lassen kleine architektonischen Details noch den Gestaltungswillen der Gründerzeit-Bauherren erahnen. Sanieren oder wegreißen? Darüber wird in Kulmbach zur Zeit viel diskutiert.

Eigenwilliger Charme

Gebäude wie diese haben, obwohl auf den ersten Blick wenig ansehnlich, einen eigenwilligen Charme. Fotografen haben das längst entdeckt und die sogenannte Lost-Places-Fotografie (Lost Places = vergessene Orte, aufgegebene Liegenschaft) zur eigenen Kunstform erhoben: Räume, die lange kein Mensch mehr betreten hat, werden mit der Kamera effektvoll in Szene gesetzt.

Auch in Kulmbach würden die Lost-Places-Fotografen fündig. Zum Beispiel im Anwesen Fischergasse 22, das sich im Privatbesitz befindet. Wie es drinnen aussieht, weiß niemand so genau. Ein prachtvolles Renaissance-Portal und aufwendig gearbeitete Doppelfenster in der ersten Etage lassen aber vermuten, dass hinter der Fassade prachtvolle Räume zur Ruine vermodern.

Das Schicksal jenes Hauses ist ungewiss. Fest steht hingegen, dass die ehemalige Franken-Garage in der Mittelau, wo der Verfall seit Jahren zusehends voranschreitet, Platz machen wird für ein Neubau-Projekt. Und auch der ehemalige Kaufplatz wird bald Geschichte sein. Das einstige Einkaufszentrum mit den beiden Parkdecks ist schon lange kein schöner Anblick mehr. Nach Weihnachten wird es abgerissen.

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