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Thurnau
Entdeckertour (143)

Alte Eiche spricht für große Liebe

Ein Eichenstamm und eine zerbrochene Steinbank bei Thurnau erinnern an den Kasendorfer Unternehmer Manfred Jarosch.
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Die Gedenkstätte am Borkelsweiher bei Thurnau erinnert an den 2009 verstorbenen Kasendorfer Unternehmer Manfred Jarosch. Foto: Erich Olbrich
Die Gedenkstätte am Borkelsweiher bei Thurnau erinnert an den 2009 verstorbenen Kasendorfer Unternehmer Manfred Jarosch. Foto: Erich Olbrich
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In der Entdecker-Tour 133 haben wir über den Chronik-Stein im Thurnauer Wald berichtet. Nicht weit davon liegt der sogenannte Borkelsweiher. Dort befindet sich eine Erinnerungsstätte an den am 11. Januar 2009 im Alter von 80 Jahren verstorbenen Unternehmer Manfred Jarosch aus Kasendorf.

Jarosch war ein Unternehmer von altem Schrot und Korn. 1964 legte er in Melkendorf den Grundstein für die Maja-Unternehmensgruppe. 1972 folgten der Firmen-Neubau in Kasendorf und der Umzug dorthin. Das Unternehmen fertigt noch heute vor allem Computer-, HiFi- und TV-Möbel, Kommoden und Regalsysteme.

Naturmensch und Jäger

Die großen Leidenschaften des Unternehmers waren die Natur und die Jagd. Manfred Jarosch war Ehrenvorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach. Für sein Engagement erhielt er 1996 vom Landesjagdverband die Medaille: "Naturerbe Bayern" in Silber. Die Gemeinde Kasendorf verlieh ihm zudem die goldene Bürgermedaille. Eine weitere hohe Auszeichnung erfuhr er mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Der Borkelsweiher war einer von Manfred Jaroschs Lieblingsplätzen. Nicht weit davon musste am Waldrand eine etwa 250 Jahre alte Eiche gefällt werden. Wegen ihres enormen Gewichts konnte sie als Ganzes nicht verladen werden. So entstand die Idee, den Stamm am Weiher aufzustellen und hier eine Erinnerungsstätte zu schaffen. Denn beim Anblick des mächtigen Eichenstammes konnte man durchaus eine gedankliche Verbindung zu Jarosch finden, der ein Mann wie ein Baum war, voller Kraft und Energie.

Verbindungen nach Tirol

Doch der Stamm für sich genommen hätte nicht viel ausgesagt. Das Ehepaar Jarosch hatte durch jagdliche Verbindungen nach Tirol den Künstler Manfred Hörl kennengelernt. Der renommierte Kunstschmied fertigte mit handwerklichen Techniken verschiedenste exklusive Arbeiten für den Innen- und Außenbereich - und zwar stets so, dass Entwurf und Ergebnis den eingesetzten Materialien entsprechen.

Hörls Aufgabe war es, eine künstlerische Verbindung zu schaffen zwischen der Person Manfred Jarosch und dem mächtigen Eichenstamm. Klarheit, Bodenständigkeit, Durchsetzungskraft und Materialtreue sollten zum Ausdruck kommen, und es ist ihm gut gelungen.

Das Zitat "So nahm der Augenblick, was Jahre gaben" und die Initialen "mj" schnitt er aus einer Stahlplatte, die er in dem Stamm befestigte. Die ausgeschnittenen Worte gingen nicht verloren, sie finden sich vereint im Boden verankert wieder.

Respektvoller Abschiedsgruß

Die rechte Seite zeigt Manfred Jaroschs Profil mit Blick zum Weiher. "In Dankbarkeit für das Gewesene, in der Verpflichtung für das Bleibende" - dieser respektvolle Abschiedsgruß der Hinterbliebenen findet sich auf der Rückseite der Platte.

Ferner stand am Poppenacker unter einer starken Eiche eine alte Steinbank. Diese war durch das Wachstum des Baumes in der Mitte gebrochen. Ursprünglich sollte diese Bank in den alten Zustand versetzt und zusammengefügt wieder aufgestellt werden. Doch das wollte der Künstler Manfred Hörl nicht.

Er sah in der gebrochenen Bank eine ganz andere Symbolik: Die Natur hat diese Bank gebrochen und auch die Verbindung zwischen Manfred Jarosch und seiner Frau Waltraud brach.

Die Einweihung des Denkmals erfolgte am Himmelfahrtstag, 17. Mai 2012. Entstanden ist ein Platz, um dem Alltag zu entfliehen und in sich "hineinzuhorchen".

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