Kulmbach

Als Wallenstein einen Asylantrag auf der Plassenburg stellte

Kurz vor seiner Ermordung 1634 hat Albrecht von Wallenstein bei Markgraf Christian um Aufnahme ersucht. Von Kulmbach aus wollte er Friedensgespräche führen.
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Leichenzug Gustav Adolfs: Der größte Gegenspieler des kaiserlichen Heerführers Wallenstein fällt im November 1632 bei Lützen. Das Diorama aus dem Deutschen Zinnfigurenmuseums auf der Plassenburg stellt die Überführung des schwedischen Königs in seine Heimat dar.  Foto: Wolfgang Schoberth
Leichenzug Gustav Adolfs: Der größte Gegenspieler des kaiserlichen Heerführers Wallenstein fällt im November 1632 bei Lützen. Das Diorama aus dem Deutschen Zinnfigurenmuseums auf der Plassenburg stellt die Überführung des schwedischen Königs in seine Heimat dar. Foto: Wolfgang Schoberth
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"Er breitete die Arme aus. Deveroux hielt sich in der Entfernung, die er brauchte für Waffe und Schwung. Man musste in die Mitte zielen, ein wenig unterhalb des Brustbeins, und den Stoß aufwärts führen, einen Fuß nach vorne gestemmt. Zwerchfell und Magen durchstoßen, die Hauptschlagader getroffen, die Lunge zerfetzt; des Todes riesiges Zackenmesser vier, fünf Organe durchwühlend, wo eines genügt hätte. Feuer, stickender Schmerz, kreisender Weltuntergang. Dann, indem der Körper hinsinkt, kommt die erlösende Nacht."

Eine schaurige Episode

So beschreibt Golo Mann die Ermordung Wallensteins in der Nacht vom 25. Februar 1634 in Eger. "Das Blutbankett" ist eine der schaurigsten Episoden in der an Brutalitäten reichen Geschichte des Dreißigjährigen Krieges: Zunächst wurden Getreue Wallensteins - darunter die Grafen Kinsky, Trcka und General Ilow - beim Festbankett auf der Burg abgestochen und mit Musketenkolben erschlagen, danach, um 23 Uhr, brach der irische Hauptmann Walter Deveroux mit einigen seiner Dragoner in die Schlafkammer Wallensteins im Pachelbel-Haus am unteren Markplatz ein und durchbohrte den im leinenen Hemd vor ihm Stehenden.

Der blutige Körper wurde in einen roten Teppich gewickelt, die Treppen hinuntergeschleift, zur Burg gebracht und dort auf einen Berg von Leichen geworfen.

Im Schneesturm nach Kulmbach geritten

Der Mord im Auftrag des Habsburger Kaisers Ferdinand II. macht weitgesteckte Pläne Wallensteins zunichte: Zuflucht auf der Plassenburg - im Feindesland - zu suchen und von dort aus einen Frieden auszuhandeln. Noch bevor er am 24. Februar nachmittags von Pilsen aus in Eger ankommt, schickt er seinen Kanzler Johann Eberhard zu Eltz nach Kulmbach.

Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach steht seit 1631 im Lager der Schweden. Seither ist das Fürstentum Kriegsschauplatz. Die Bevölkerung wird in gleicher Weise von eigenen markgräflichen und "befreundeten" schwedischen Verbänden als auch kaiserlich-bayerisch-kroatischen ausgeplündert und misshandelt.

Geplündert und gebrandschatzt

Noch im Herbst 1632 hatte Wallensteins Oberst Caretto di Grana Kulmbach belagert, geplündert und gebrandschatzt. Am 26. Februar 1634 trifft Kanzler Eltz nach einem Eilritt im Schneesturm auf der Plassenburg ein und übergibt dem Markgrafen das Schreiben Wallensteins.

Darin heißt es, Festungskommandant Oberst Muffel möge sofort nach Eger kommen, um eine "vertraute Konferenz" mit ihm, Wallenstein, vorzubereiten. "Er habe stets einen gerechten Frieden gewollt und sei deswegen durch falsche Menschen verleumdet worden. Er strebe aber gleichwohl den Frieden unbeirrbar an. Herr Christian, ein alter, erfahrener Fürst, tue das gewiss auch."

Der Markgraf fühlt sich überrollt. Er taktiert hinhaltend. Er wolle erst einmal Bundesgenossen konsultieren. Da ergreift sein Festungskommandant beherzt selbst die Initiative. Mit geringer Begleitung macht er sich sofort auf den Weg nach Eger. Doch kurz vor der Stadt kommt ihm ein Bote entgegen, dass sich das Schicksal des Herzogs vollendet habe.

Klare Marschroute

Hätte Wallenstein die Plassenburg erreicht, dann mit einer klaren Marschroute: So bald wie möglich wollte er hoch oben auf der Hohenzollern-Festung sein drittes Generalat ausrufen - ein weit hörbares Signal, dass er im Lager der Gegner stünde. Sein erstes und zweites hatte er in der Grenzfeste Eger verkündet. Danach war er zu einem Siegeszug für die Kaiserlichen aufgebrochen. Ein Festungsdreieck Plassenburg-Rosenberg-Forchheim sollte die militärische Basis ersetzen, die er in Böhmen nicht mehr besaß.

Schon im Vorfeld hatte er vielseitige geheime Kontakte mit den Kriegsgegnern gesponnen, von Eger aus auch noch weitere Boten entsandt: Mit dem schwedischen Oberbefehlshaber in Franken, Herzog Bernhard von Weimar, und dem sächsischen Feldmarschall Hans Georg von Arnim wollte er sich möglichst auf der Plassenburg treffen, um über eine Vereinigung der Truppen zu sprechen.

Den französischen Gesandten Marquis Feuquiéres hatte er gebeten, bei Kardinal Richelieu ein gemeinsames Vorgehen zu sondieren. Den schwedischen Staatskanzler Axel Oxenstierna wollte er persönlich bei einem Konvent der evangelischen Fürsten des Reiches in Frankfurt treffen. Von der Plassenburg aus wollte er sich dorthin aufmachen.

Kriegswende möglich?

Fantastische Pläne. Sind sie mehr als die Gespinste eines Gescheiterten? Wäre ausgerechnet Wallenstein der Mann gewesen, nach 16 Jahren eine Kriegswende herbeizuführen, die Machtansprüche der kriegführenden Nationen auszutarieren und einen Waffenstillstand auszuhandeln?

Die Chancen scheinen gering: Der 50-Jährige ist schwer gichtkrank, kaum bewegungsfähig. Er ist auf die Kutsche angewiesen oder muss auf der Sänfte getragen werden. Seine Hauptstütze, ein gigantisches Söldnerheer bis zu 150 000 Mann ist weggebrochen. Lediglich zehn Kompanien, 1600 bis 1700 Kürassiere und Musketiere, haben ihn nach Eger eskortiert.

Andererseits: Wallenstein ist ein Faszinosum. Er ist ein begabter Heerführer, skrupelloser Kriegsunternehmer, Karrierist und Machtmensch, doch auch ein Akteur, der erkannt hat, dass der Krieg alle verschlingen wird. Die Schlacht bei Lützen (November 1632) mit dem Tod Gustav Adolfs war die Wende: Wallenstein verlegte sich fortan auf eine passive Kriegsführung. Sein Ziel war ein Verständigungsfriede, kein Siegfriede. Unter strikter Geheimhaltung sondierte er, entgegen der harten Linie des Kaisers, einen Waffenstillstand mit den Schweden.

Befehl widersetzt

Im Winter 1633 widersetzte er sich dem ausdrücklichen Befehl Ferdinands, die strategisch bedeutsame Stadt Regensburg vor den anstürmenden Schweden zu retten. Wallensteins Eigenmächtigkeiten sind es, die neben seiner von Neidern beargwöhnten Machtstellung zu seinem Untergang führen. Am Ende wird er als angeblicher "Reichsrebell" beseitigt.

Hätte die Plassenburg zu einer Achse bei der Friedenssuche werden können? Für Herfried Münkler ist es naheliegend. Mit Wallensteins Tod ist der letzte Große aus dem Spiel. "So ging der Krieg weiter - ohne politische Perspektive und ohne strategische Idee. Er ging "einfach so weiter", urteilt er in seiner 2018 erschienenen Monographie über den Dreißigjähren Krieg.

Vortrag: "Wallenstein ante portas"

Über den Dreißigjährigen Krieg in Kulmbach spricht Wolfgang Schoberth am Donnerstag, 17. Januar, in der "Kommunbräu". Im Mittelpunkt stehen die Kriegs- und Raubzüge durch das Kulmbacher Land, die Auswirkung auf die Zivilbevölkerung und die Ausbreitung von Seuchen wie Ruhr, Fleckfieber und Pest. Ein weiteres Kapitel widmet sich dem 1634 vor den herannahenden kaiserlichen Truppen in der Pörbitsch vergrabenen, 1912 wiederentdeckten Schatz der Patrizierfamilie Gutteter. Titel des Vortrags: "Wallenstein ante portas". Interessenten sind herzlich eingeladen. Beginn ist um 18 Uhr.

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