Stadtsteinach
Heimatkunde

Als in Stadtsteinach die Bockela-Bahn fuhr

Die Hartsteinwerke Heiß setzten eine Feldbahn ein, um die Staatsbahn mit Gleisschotter zu beliefern.
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Das war die 50 Ps starke O & K-Feldbahndampflok der Firma Heiß. Foto: Archiv Jürgen Goller
Das war die 50 Ps starke O & K-Feldbahndampflok der Firma Heiß. Foto: Archiv Jürgen Goller
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Wer weiß heute noch oder kann sich sogar noch daran erinnern, dass es in Stadtsteinach neben der Staatseisenbahn einst auch eine kleine, schmalspurige Feldbahn gab? Sie gehörte den Hartsteinwerken Heiß und ist ebenso Geschichte wie dieses Unternehmen.

Wann genau die Feldbahn der Hartsteinwerke Heiß in Betrieb genommen wurde, ist nicht bekannt. Im Jahr 1913 errichtete der gelernte Maurer und Bauunternehmer Johann Nikolaus Heiß (1880 - 1952) am Eichberg in Stadtsteinach auch ein Schotterwerk. Hier wurde und wird noch heute Diabas abgebaut. Zunächst wurde vor allem Schotter und Splitt für den Straßenbau gebrochen.

Als die Königlich Bayerische Staatsbahn am 26. November 1913 die Lokalbahn von Untersteinach nach Statdtsteinach eröffnete, erkannte er sofort einen neuen Absatzmarkt für sein Werk: die Lieferung von Gleisbauschotter. Aber das Werk lag weitab vom Bahnhof.

Pferde zogen die Loren

Wie der Transport die ersten Jahre durchgeführt wurde, ob mit Pferdefuhrwerken oder bereits mit einer Feldbahn, auf der die Loren von Pferden gezogen wurden, ist (noch) nicht bekannt. Das Werk liegt einige Meter höher als der Bahnhof, und so war es relativ einfach, die beladenen Loren zu bewegen. Nur zurück zum Werk musste bergauf mehr Kraft aufgewendet werden, aber da waren die Loren ja leer.

Ab 1927 gestaltete sich der Transport erheblich einfacher. Die Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel, Drewitz bei Berlin, lieferte im April eine 50 PS starke Dampflok für die 600-Millimeter-Feldbahn (Normalspur: 1435 Millimeter). Empfänger war laut Lieferbuch des Herstellers "Joh. N. Heiss, Dampfschotterwek, Stadtsteinach". Orenstein & Koppel (O & K) war seinerzeit einer der führenden Anbieter von kompletten Feldbahnsystemen. Hier konnte der Kunde nicht nur Lokomotiven und Wagen erstehen, sondern auch Gleise, Weichen und weiteres Zubehör bis zu den passenden Schrauben und Muttern.

Die Bahn begann im Werk beim Brecher. Dort befand sich auch ein Lokschuppen für die Dampflok. Später wurde am Bahnhof ein zweiter Schuppen in der Nähe des einstigen Sägewerkes Thor gebaut. Er diente der Unterstellung der Diesellok.

Strecke zwei Kilometer

Die rund zwei Kilometer lange Gleisstrecke vom Werk zum Bahnhof überquerte die Straße nach Bergleshof und folgte ihr seitlich. Auf Höhe des Bahnhofs bog sie nach links ab, um im rechten Winkel durch die damals noch vollständig unbebaute Flur (Foto oben) auf das Bahnhofsgelände zuzustreben. Am Bahnhof angelangt, folgte eine 90-Grad-Kurve nach links, so dass die Feldbahngleise neben der Staatsbahn lagen. Die letzten Meter verliefen auf einer vier Meter hohen Sturzbühne, um so die Kipploren mit Schotter in die Staatsbahnwagen entleeren zu können.

Einen festen Fahrplan hatte die Bahn nicht. Gefahren wurde dann, wenn die Firma von der Staatsbahn wieder einen Auftrag erhalten hatte und im Bahnhof Wagen zur Beladung bereit gestellt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dampflok abgestellt und durch eine (oder mehrere?) jüngere Diesellok des Kölner Herstellers Deutz, Typ OMZ 122 (40 PS), ersetzt. Die Lok wurde gebraucht übernommen. Möglicherweise stammt sie aus den Beständen des Kulmbacher Baugeschäfts Robert Backer, das für seine und kriegswichtigen Aufträge im Straßen- und Befestigungsbau ab 1935 mindestens elf fabrikneue Feldbahndieselloks aus dem Hause Deutz erhalten hatte, die nun nicht mehr alle gebraucht wurden.

Nur noch per Lkw

1957 wurde am Bahnhof das nach wie vor genutzte große Betonsilo gebaut. Dessen Beschickung erfolgte bereits ausschließlich per Lkw. Nebenbei: den ersten Lkw schaffte die Firma Heiß 1922 an. Eine kurze Zeit war die Feldbahn noch für die Anlieferung von Split im Einsatz, bis auf sie endgültig verzichtet werden konnte.

Heute erinnert nichts mehr an die Bockela-Bahn, wie die Feldbahn von den Stadtsteinachern genannt wurde.

Forschung

Unterstützung Die Geschichte der Feldbahn ist noch lange nicht vollständig erforscht. Wer weitere Informationen, Fotos oder Unterlagen zur Bahn hat und sie dem Autor zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die BR-Redaktion wenden; E-Mail redaktion.kulmbach@infranken.de oder Telefon (Sekretariat) 09221/949-281.

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