Kulmbach

Als in Kulmbach der Grundstein für die Pfarrkirche gelegt wurde

Am 1. Mai 1893 wurde in Kulmbach der Grundstein für die katholische Stadtpfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau" gelegt.
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Die Stadtpfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau" um die Jahrhundertwende Repro: Erich Olbrich
Die Stadtpfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau" um die Jahrhundertwende Repro: Erich Olbrich
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Die katholische Stadtpfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau" am Schießgraben wurde der Gottesmutter Maria geweiht und in nur zwei Jahren, vom 12. Oktober 1892 bis 2. Oktober 1894, erbaut. Ein fast nicht erkennbares Kreuz im Sandstein am Haupteingang unten rechts zeigt den Platz des Grundsteins.

Wir wollen heute an ein bedeutendes Ereignis in der Kulmbacher Stadtgeschichte erinnern, den Tag der Grundsteinlegung für das neue Gotteshaus vor 126 Jahren.

Fast war es ein Wagnis der katholischen Kirchenverwaltung, den Akt auf den 1. Mai 1893 zu legen, denn die Wetterprognose für diesen Tag war sehr kritisch. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um diesem seltenen Ereignis beizuwohnen, kaum einer dürfte ein solches schon einmal erlebt haben.

Prächtig geschmückter Bauplatz

Der Bauplatz war prächtig geschmückt mit Fichten, Blumen, Kränzen und Girlanden. Inschriften boten Informationen. Maßgeblich verantwortlich für den Schmuck war die Frau des Baumeisters Glenk. An hohen Masten wehten bayerische Flaggen im Wind, die Obstbäume in den umliegenden Gärten strahlten im weißen Blütenkleid.

Punkt 9 Uhr bewegte sich der Zug der Geistlichkeit und der Kirchenverwaltung vom Pfarrhaus zum Bauplatz. Voran ging eine Schar weiß gekleideter, Blumen streuender Mädchen.

Grundstein am Hauptportal zu sehen

Dort angekommen, vollzog Domkapitular Dorn aus Bamberg als erzbischöflicher Kommissär unter der Assistenz des Stadtpfarrers Erlwein und des Pfarrers Sorg von der Plassenburg die Weihe des Kreuzes. Dieses stand an der Stelle, wo sich später einmal der Hauptaltar befinden sollte.

Danach begab man sich zum Grundstein beim Hauptportal. In diesem deponierte man eine Fotografie der Stadt Kulmbach, die Urkunden des Magistrats und der Kirchenverwaltung, je ein Porträt seiner königlichen Hoheit, des Prinzregenten Luitpold, und seiner Exzellenz, des Erzbischofs Dr. Joseph von Schork. Fehlen durften auch nicht der Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats und ein Verzeichnis sämtlicher Behörden der Stadt Kulmbach, letzteres meisterhaft gestaltet in der Lithographischen Anstalt Bayer.

Choral der Lehrer

Die Gäste verharrten für die fotografische Aufnahme durch Herrn Lutz. Kulmbacher Lehrer verschiedener Glaubensrichtungen umrahmten die Feier mit einem Choral. Dann folgte die eigentliche Weihe - mit vorgeschriebenen Gebeten und Wechselgesängen.

Nach dem letzten Gebet verlas Stadtpfarrer Erlwein die Urkunde der Kirchenverwaltung mit lauter und weit vernehmbarer Stimme, steckte sie in eine Kapsel und gab sie dem Domkapitular Dorn.

Der erzbischöfliche Kommissär legte alles in den Grundstein und dieser wurde von Arbeitern eingemauert.

Den üblichen Hammerschlag führten die Geistlichen und die Mitglieder der Kirchenverwaltung aus. Die Schuljugend sang das schöne Lied "Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn".

Pfarrer zahlt Grundstück aus der eigenen Schatulle

Danach ergriff Domkapitular Dorn die Gelegenheit zu einer längeren Rede, in der er die geschichtliche Entwicklung der Pfarrei schilderte und dazu bemerkte, dass es erst vom Jahr 1803 einen eigenen Pfarrer gab.

Alle Geistlichen waren eifrig bestrebt, in den Besitz eines eigenen Gotteshauses zu gelangen. Pfarrer Sprecher, dem Vorgänger von Pfarrer Erlwein, gelang dabei ein Glücksgriff: Er konnte einen Bauplatz erwerben. Da nicht genügend Mittel zur Verfügung standen, finanzierte er ihn erst einmal aus seiner privaten Schatulle.

Pfarrer Erlwein war vorher sieben Jahre Kaplan bei Domkapitular Dorn in Lichtenfels gewesen. Bei seinem Abschied aus der Korbstadt sagte Dorn zu ihm: "Gehen Sie hinauf nach Kulmbach, sammeln Sie fleißig Geld zum Kirchenbau, aber bauen werden Sie die Kirche nicht." Nun durfte Dorn als Zweifler das Werk segnen und weihen.

Heuer Jubiläum

Die erhebende Feier endete mit einer Singmesse und dem Te Deum in der mit herrlichen Blumen und Blattpflanzen aus der Gärtnerei Wennig in der Mittelau geschmückten Spitalkirche.

Es war der Wunsch der Gäste, dass doch bald die Glocken vom Turme erklingen und die Töne der Orgel die Herzen öffnen sollten. "Mögen alle, die in diesem Tempel Gottes ihre Wünsche und Anliegen vor dem Altare niederlegen, in allen Angelegenheiten des Lebens gnädige Erhörung finden", hieß es. Und weiter: "Mögen auch diejenigen, die vielleicht nach Jahrhunderten den Grundstein dieser Kirche öffnen müssen, um vom Inhalt desselben Kenntnis zu nehmen, erkennen, dass, auch wenn ihre Zeit eine andere geworden ist, Gottes Erbarmen doch immer dasselbe bleibt."

Seit diesem Weihetag sind bald 125 Jahre vergangen, in denen die Pfarrkirche Mitte der katholischen Gemeinde ist. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird heuer an die feierliche Einweihung am 2. Oktober 1894 erinnert.

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