Kulmbach
Prozess

Brandserie in Kulmbach mit über 400.000 Euro Schaden: Sind drei Heranwachsende die Feuerteufel?

Drei junge Kerle müssen sich vor dem Landgericht Bayreuth wegen einer spektakulären Brandserie verantworten, die Kulmbach über Ostern in Atem hielt: Waren sie die Feuerteufel?
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch der Schuppen, der zum Einzelanwesen Wehrhaus bei  Unterdornlach gehört, wurde bei der Brandserie über Ostern abgefackelt. Foto: Archiv/News5
Auch der Schuppen, der zum Einzelanwesen Wehrhaus bei Unterdornlach gehört, wurde bei der Brandserie über Ostern abgefackelt. Foto: Archiv/News5

Da sitzen sie auf der Anklagebank im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth, drei Milchgesichter. Junge Kerle, die den Eindruck erwecken, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Aber sie sollen die Feuerteufel sein, die Kulmbach über Ostern durch eine spektakuläre Brandserie in Atem hielten. Dabei ging unter anderem ein Holzrückezug beim "Waldschlössla" (Gemeinde Ködnitz) in Flammen auf, und das Einzelanwesen Wehrhaus bei Unterdornlach wurde schwer beschädigt.

Leben ruiniert

Ob die drei Heranwachsenden - der Begriff aus dem Jugendstrafrecht meint junge Erwachsene zwischen 18 und 21 - die ganze Dimension erfassen, was sie angerichtet haben, erscheint zweifelhaft. Damals dachten sie daran nicht. Auch nicht, dass sie ihr Leben ruinieren könnten. Denn der beträchtliche Schaden muss bezahlt werden: immerhin über 400.000 Euro. Allein der Harvester war 240.000 Euro wert. Das Geld will die Vollkasko versicherung wiederhaben.

Die zwei angeklagten Brüder, 20 und 18 Jahre alt, beide blond und schmächtig, scheinen mindestens naiv zu sein. Sie legten Geständnisse ab, wollen aber auf Anweisung des Dritten gehandelt haben. Er habe sich gut ausgekannt, auch in rechtlichen Fragen. Dass er keine Lehre gemacht hat - im Gegensatz zu den Brüdern - und beruflich nichts auf die Reihe kriegt, spielte offenbar keine Rolle.

Der angebliche Chef, dunkle Haare und kräftiger gebaut, aber auch mit einem Büblagesicht, schwieg und machte keine Angaben. Er hatte bei der Polizei schon alles zugegeben. Jetzt habe er aber keine Erinnerung mehr an das Tatgeschehen, ließ der 21-Jährige über seinen Verteidiger Werner Brandl mitteilen. Der Kulmbacher Rechtsanwalt vermutete, dass seinem Mandanten, der mit Fußfesseln aus dem Bezirkskrankenhaus vorgeführt wurde, alles in die Schuhe geschoben werden soll.

Die Jugendkammer glaubt die Geschichte von der totalen Amnesie nicht so ganz. Der Psychiater werde dazu befragt, ob so etwas möglich ist, sagte Vorsitzender Richter Michael Eckstein.

Geld kam nicht rein

Was ist gespielt, was ist echt? Brandgefährlich waren die Burschen auf jeden Fall. Staatsanwalt Julius Klug listete insgesamt elf Straftaten auf - von Diebstahl, Diebstahl mit Waffen und Sachbeschädigung bis zu Brandstiftung und schwerer Brandstiftung. Dabei ging es den Angeklagten immer darum, sich Geld zu besorgen. Denn sie waren finanziell ziemlich klamm.

An versuchten oder tatsächlichen Aufbrüchen einer Spendenbox am Asenturm auf dem Ochsenkopf, eines Zigarettenautomaten in Ramsenthal sowie von Parkscheinautomaten in Fleckl und Kronach waren nur der ältere Bruder und der 21-Jährige beteiligt. Beute machten sie praktisch keine. Dafür belief sich der Sachschaden auf schlappe 13.000 Euro.

Bei den weiteren Straftaten - nun zu dritt - montierte man LED-Scheinwerfer oder Xenonrundumleuchten von Bau- und Holzerntemaschinen oder Müllfahrzeugen ab. Sie sollten im Internet verklopft werden. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Flammen sollen Spuren vernichten

Tatorte waren auch die Autobahnmeisterei Thurnau, die Firma Kfz-Technik Wagner, Vorwerkstraße in Kulmbach, sowie Waldgebiete bei Ziegelhütten, Ködnitz und Unterdornlach. Anschließend hatten die drei Spezialisten die glorreiche Idee, die Fahrzeuge abzufackeln, um Fingerabdrücke und DNA-Spuren zu vernichten.

Ihr Wissen bezogen sie vermutlich aus TV-Krimis - und sie empfanden zunehmend Freude, wenn es brannte. "Wir hatten Adrenalin im Blut. Es fühlte sich gut an - wie im Rausch", gab der große Bruder zu, der nach wie vor in Untersuchungshaft sitzt und ebenfalls Fußfesseln trug.

Damals trug er stets auch eine geladene Schreckschusswaffe am Mann. Damit wollte er Eindruck machen, "weil ich ja nicht der Größte und Stärkste bin".

Besonders schwer wiegt der völlig mutwillig gelegte Brand im Wehrhaus. Denn in dem als Wochenendhaus genutzten Einzelanwesen hätten - abends um zehn - Menschen schlafen können. Hier soll der Bandenchef gesagt haben, dass das Gebäude ohnehin abgerissen werde.

Nach Feuer: Lust auf Leberkäse

Das Trio hatte über die Ostertage stramm zu tun und kam kaum zum Essen. Nachdem man die Ziegelhüttener Forsthütte angesteckt hatte, waren die drei Früchtla hungrig und hatten Lust auf warmen Leberkäse. Sie brausten mit Vollgas davon - nach Kronach. Im dortigen Real-Markt schmeckten die Semmeln besonders gut.

Die Festnahme des Trios erfolgte am 2. April. Einer Zivilstreife fiel das Fahrzeug mit den drei Kerlen in Heinersreuth bei Ködnitz auf: Nähe zu einem Tatort, Benzinkanister und Scheinwerfer im Kofferraum - da wurden die Polizisten misstrauisch.

Wie die Festnahme ablief und was die Zeugen beobachte ten, erfahren wir nächste Woche. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren