Kulmbach

Kulmbach: Eine "Lustfahrt", die tödlich endete - Zeichen im Putz erinnern

Buchstaben in der Mauer des Kulmbacher Dekanatsgebäudes weisen auf Christian Heinrich Dorfmüller hin, der 1826 mit drei Frauen im Main ertrank.
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Das Dekanatsgebäude neben der Kulmbacher Petrikirche. Der Pfeil deutet auf die Buchstaben und Zahlen. Foto: Erich Olbrich
Das Dekanatsgebäude neben der Kulmbacher Petrikirche. Der Pfeil deutet auf die Buchstaben und Zahlen. Foto: Erich Olbrich
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Am Dekanatsgebäude neben der Kulmbacher Petrikirche fallen dem aufmerksamen Betrachter einige Buchstaben und Zahlen auf. So sind in den Fenstergewandungen aus Sandstein die Buchstaben A und S eingemeißelt. Beide Zeichen kommen einzeln und zusammen an der westlichen Haushälfte vor. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür sind Steinmetzzeichen.

Auf diese Art wurde der behauene Stein als Werk eines bestimmten Steinmetzes oder einer Werkstatt erkennbar gemacht. Dies erleichterte die Abrechnung für die gelieferten Werksteine. Sind mehr als ein Steinmetzzeichen vorhanden, können auch mehrere Arbeiter an der Fertigstellung beteiligt gewesen sein.

Eine andere, etwas schwerer erkennbare Inschrift befindet sich im Putz des Hauses, rechts der Eingangstür. Hier ist eingekratzt: C. H. D.? M.R. 1812.

"Beispiele des Guten ..."

An dieser Stelle soll sich Christian Heinrich Dorfmüller verewigt haben. Darüber berichtet die Tochter des früheren Pfarrers Stahl, eine Bayreuther Ärztin, in einem Schreiben. Dorfmüller starb 1826, als er versuchte, seine Braut, die Jungfer Fleischmann, und weitere Freunde vor dem Ertrinken zu retten.

Die Geschichte findet sich in dem Buch "Beispiele des Guten, aus der Geschichte der Stadt Kulmbach, samt einer Chronik dieses Ortes als Einleitung" von A.W. Heckel, fortgesetzt von J. Eck aus Kulmbach 1885.

Das Drama wird dort folgendermaßen beschrieben: "1826 den 14. August ereignete sich ein höchst bedauerliches Unglück. An diesem Tage machte nämlich eine Gesellschaft von jungen Leuten, zum größten Teil aus Mädchen bestehend, oberhalb der Pulvermühle eine Lustfahrt auf dem Main. Aus Neckerei brachten einige Herren den Kahn ins Schwanken, dass er Wasser schöpfte.

Infolge der hierdurch unter den geängstigten Mädchen entstandenen Verwirrung neigte er sich aber trotz seiner ansehnlichen Breite plötzlich dermaßen, dass alle ins Wasser fielen.

Rettungsversuch misslingt

Zwei Mädchen, die 23-jährige Pulverfabrikantentochter Emma Püttner und die zu Besuch anwesende 20-jährige Justizratstochter Sophie Johanna Rudel aus Nürnberg, deren Vater früher hier bedienstet war, fanden hierbei sofort ihren Tod. Eine dritte, die Kaufmannstochter Sophie Margarete Fleischmann, 22 Jahre alt, hatte an einer weniger tiefen Stelle festen Fuß gefasst.

Ihr Geliebter, der 23-jährige Rechtspraktikant Christian Heinrich Dorfmüller, dem es bereits gelungen war, das Ufer zu erreichen, wollte sie retten, fand aber dabei mit ihr in der Nähe des Ufers ebenfalls den Tod."

Die beim Leichenbegräbnis hintereinander getragenen vier Särge boten ein herzzerreißendes Bild.

Das Grab von Sophia Fleischmann befindet sich im Alten Friedhof in der Nähe der Nikolaikirche.

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