Melkendorf
Entdecker-Tour (72)

Als die Äcker rund um Melkendorf von Blut getränkt waren

Ein kleiner Stein an der Melkendorfer St.Aegidius-Kirche erinnert an ein grausames Gemetzel im 30- jährigen Krieg.
Artikel drucken Artikel einbetten
An der Rückseite der St.-Aegidius-Kirche findet man den kleinen Gedenkstein. Foto: Erich Olbrich
An der Rückseite der St.-Aegidius-Kirche findet man den kleinen Gedenkstein. Foto: Erich Olbrich
+1 Bild
Bereits seit 1007 besteht der Pfarrsprengel von Melkendorf. Aufgrund des Fundes zweier Kapitelle geht man davon aus, dass das erste Gotteshaus an der Stelle der heutigen St.-Aegidius-Kirche um 1100 erbaut wurde. Aegidius war im Mittelalter einer der populärsten Heiligen. Er gehört zu den vierzehn Nothelfern und war der einzige, der nicht das Martyrium erlitt.


Einst ein Friedhof


Der Aegidiustag ist der 1. September. Oft werden an diesem Tag Volksfeste gefeiert. Und auch als Wetterprophet kann der Heilige dienen: "Gib auf Aegidius acht, er sagt dir, was September macht." Nur wenige Anhaltspunkte weisen darauf hin, dass um die schöne Kirche herum, bis 1882, der Friedhof von Melkendorf lag.

An der Nordseite der Kirche, unweit des Burghaiger Emporen-Aufgangs, befindet sich ein kleiner Stein in der Kirchenmauer. Er fällt dem Besucher durch seine graue Farbe vor weißem Hintergrund sofort ins Auge. Schwach erkennbar sind noch das Zeichen AD (für Anno Domini) und die Jahreszahl 1623, zusammen mit einem Kreuz.


Wie konnte es zu diesem Unglück kommen?


Mit diesem Stein soll die Stelle gekennzeichnet sein, an der die Gefallenen der Bauernschlacht vom 20. November 1632 begraben wurden. Wie es zu diesem großen Unglück kommen konnte, erzählen uns die Aufzeichnungen im Tagebuch von Pfarrer Johannes Braun aus Melkendorf. Er beschreibt als Zeitzeuge und Beobachter die Bauernschlacht bei Schwarzach.

Am 20. November 1632, mitten in den fürchterlichen Wirrungen des 30- jährigen Krieges, kam die Meldung, dass neue kaiserliche Truppen im bambergischen Gebiet eingetroffen waren. Solche Gerüchte tauchten häufiger auf, diesmal wurden sie aber von Flüchtigen aus Kasendorf und Thurnau bestätigt.


Dem Feind nicht gewachsen


Als am nächsten Tag einige feindliche Reiter gesehen wurden, die es auf das Vieh abgesehen hatten, liefen die Bauern zusammen. Sie griffen zu den Waffen, die sich jedoch als vollkommen unzureichend erwiesen. Zudem waren die etwa 300 Leute, die aus allen Nachbardörfern kamen, unerfahren im Kampf und dem Feind nicht gewachsen.

Eines einte sie, nämlich einzelne Reiter leicht in die Flucht schlagen zu können. Die Bauernführer gingen in das Dorf Schwarzach, um die Absichten der Feinde zu erkunden. Es zeigten sich gerade einmal 20 feindliche Reiter, die anderen lagen im Hinterhalt, was dazu führte, dass die Bauern ihre Musketen von Weitem abfeuerten, um die wenigen Reiter zu verjagen.

In der Zwischenzeit umging die feindliche Heerschar unbemerkt den tapferen Bauernhaufen. Mit großer Wut machten sich die Feinde über die um ihr Leben Flehenden her und machten sie nieder. Nachsetzende Reiter metzelten alte Männer und Knaben nieder. Jene, denen doch die Flucht gelang, wurden von den durch Dauerregen stark angeschwollenen Fluten des Mains verschlungen. Nur wenige entkamen unversehrt.


150 Bauern fielen


Äcker und Weinberge waren rot vom Blut der Erschlagenen, das Gelände mit verstümmelten Leichen bedeckt. Es fielen in diesem Kampf mehr als 150 Bauern. Tags darauf sah man auf dem Kirchhof von Melkendorf sechs Wagen voller Gefallener. In der Mittagsstunde wurden sie unter großem Jammergeschrei der Witwen und Waisen begraben.

Es war schauerlich anzuschauen, wie die Frauen die mit viel Blut besudelten Leichen heraussuchten, sie küssten und ihnen ein letztes Ade sagten.

Noch nicht befriedigt von dem Niedermetzeln des Bauernhaufens fingen die Feinde an, die Dörfer Schwarzach, Schmeilsdorf und Wernstein niederzubrennen. Ein Bote aus Melkendorf bat auf der Plassenburg vergeblich um Hilfe. Schon mit einer kleinen Hilfstruppe hätte der damalige Kommandant Muffel vielen das Leben retten können. Auch das große Kreuz am Ortseingang von Schwarzach soll nach einem Bericht in der "Heimatbeilage des Schulanzeigers von Oberfranken" an die Stelle erinnern, an der die "Schwarzacher Bauernschlacht" stattgefunden hat.


Gegenseitige Raubzüge


Vier Tage nach dem fürchterlichen Gemetzel brandschatzten die Bambergischen auch noch das größere Untersteinach, töteten und verwundeten viele. Die Kulmbacher wollten hinter ihren Widersachern nicht zurückstehen und zündeten das zum bischöflichen Gebiet gehörende Stadtsteinach an. Durch diese gegenseitigen Raubzüge wurden die armen Bauern vollends in die größte Armut gebracht und konnten kaum ihr nacktes Leben fristen.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren