Rugendorf
Engagement

Alles neu auf dem Rugendorfer Pausenhof

In einer 70-Stunden-Aktion hat die Landjugend den Pausenhof des Rugendorfer Schulgebäudes zum Erlebnisbereich umgestaltet.
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Die Landjugend brachte den Rugendorfer Schulhof auf Vordermann.Foto: Sonny Adam
Die Landjugend brachte den Rugendorfer Schulhof auf Vordermann.Foto: Sonny Adam
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Mit einer Gesamtschülerzahl von nur 35 Schülern ist das Schulhaus von Rugendorf sicherlich die kleinste Schule im Landkreis. Jetzt soll sie außerdem die Schule werden, die den schönsten Pausenhof ihr eigen nennt. Die Landjugend hat den Pausenhof in einer 70-Stunden-Aktion zu einem Erlebnisspielplatz umgestaltet.

Der Pausenhof war bislang ein ganz normaler Pausenhof. Ein bisschen uneben - er bestand im Wesentlichen aus einer Wiese. Doch wegen der Trockenheit sah die Wiese alles andere als hübsch aus. Und wenn es geregnet hatte und die Kinder auf der Wiese tobten, wurden sie schmutzig.

Kurzhand machte Marco Spörrer, Elternbeiratsvorsitzender der Grund- und Mittelschule Stadtsteinach, zu der das Schulgebäude in Rugendorf gehört, mit seinem Team einen Plan, dass man den Pausenhof in einer Gemeinschaftsaktion umgestalten könnte. Schützenhilfe bekamen die Eltern durch die Landjugend. "Die Landjugend feiert in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen. Wir wurden vom Bund der Deutschen Landjugend aufgerufen, eine "landgemacht"-Aktion auf die Beine zu stellen und etwas Gemeinnütziges fürs Dorf zu machen", erklärte Tobias Lamnek, Vorsitzender der Landjugend Rugendorf.

Vor zehn Jahren hat die Landjugend die Schwimmanlage rund um den Badeweiher in Rugendorf hergerichtet. Die Landjugend hat eine Sitzterrasse für den Rugendorfladen gebaut. Und jetzt sollte der Pausenhof aufgehübscht werden. "Wir wollen aus dem Pausenhof den schönsten Pausenhof im Landkreis machen", erklärte Lamnek das ambitionierte Ziel.

Am Freitagnachmittag fiel der Startschuss. Der gemeindliche Bauhof stellte Bagger und Gerätschaften zur Verfügung. Außerdem spendierte die Gemeinde 10 000 Euro für das Material. "Natürlich unterstützen wir die Initiative. Denn wir könnten eine Umgestaltung in diesem Maße mit eigenen Mitteln nicht machen", sagte Bürgermeister Ralf Holzmann.

Fünfzig bis achtzig freiwillige Helfer rückten am Wochenende an, und ließen keinen Grashalm auf dem anderen. Der Rugendorfer Pauenhof wurde mit einem grünen Klassenzimmer terrassiert. In Zukunft können die Lehrer also auch draußen an einem schattigen Platz Unterricht halten.

Kernstück des Pausenhofes sind ein richtiger Fußballplatz mit größeren Toren als bisher und eine Schaukel. Diese ist natürlich TÜV-geprüft, konnte günstig erstanden werden.

Der Pausenhof wurde außerdem begradigt und aufgeschüttet und mit einer Röhre zum Durchkriechen ausgestattet: 19 Meter lang ist der Tunnel. "Wir haben DIN-Vorschriften gewälzt und uns schlau gemacht. Vorgeschrieben ist nur, dass solch ein Spielrohr zum Durchkriechen einen Mindestdurchmesser von 75 Zentimetern haben muss", erklärte der Elternbeiratsvorsitzende Marco Spörrer. Die Länge kann frei wählt werden. Fertige Rohre würden übrigens 1400 Euro - bei einer Länge von drei Metern - kosten. "Unser Tunnel hat nach neun Metern einen separaten Ausgang. Das war uns wichtig", erklärte Spörrer. Außerdem wurde er innen ausgeschwemmt und geglättet, so dass keine scharfen Kanten vorhanden sind.

Die vielen freiwilligen Helfer haben die Geländer abgeschliffen und alles bunt und kindgerecht gestrichen. Emma Zeitler (11) und Mia Schmidt (10) wurden gar nicht müde. "Es ist doch klar, dass wir mitarbeiten", sagte Emma Zeitler, auch wenn sie gar nicht mehr an der Schule in Rugendorf ist. Auch ihre Mama Sandra Zeitler (44) hilft mit. "Meine Kinder sind am MGF-Gymnasium. Aber mir liegt viel daran, mich für den Erhalt der Schule zu engagieren. Und außerdem bin ich in der Landjugend wir müssen zusammenhalten, dann können wir auch was bewegen", sagt Sandra Zeitler.

Die jüngste Helferin bei der 70-Stunden-Aktion war gerade mal vier Jahre alt: Amy Feulner. Sie bildete mit den schon größeren Kindern eine Stein-Kette. So konnten die Pflastersteine schnell transportiert werden. "Es ist eigentlich klar, dass jeder mithilft. Das ist normal. Mein Papa hilft ja auch mit. Es sind einfach alle da", sagte Johann Spörrer (8). Paul Oppenländer (12) belud unterdessen Schubkarren mit Hackschnitzel: Sie sollen als Fallschutz für den Schaukelbereich dienen. "Mir macht es Spaß, zu arbeiten. Das gefällt mir einfach", sagte Paul Oppenländer. Auch er fühlt sich mit der Rugendorfer Schule für immer verbunden. Inzwischen hat er nach Stadtsteinach gewechselt, ab nächstem Schuljahr möchte er die Hans-Edelmann-Schule besuchen.

Jesica Rödel (14), Alina Schrepfer (14) und Antonia Krombholz (13) waren für die Kunst zuständig: Sie strichen ein Insektenhotel und gestalteten die Schrifttafel, auf der sich alle Helfer verewigen sollten. Und sogar an die Blumenkübel legte die Landjugend Hand an: Die Kübel wurden mit Buchstaben und Zahlen verziert.

"Wir mussten auch immer wieder unsere Pläne verändern", gab Elternbeirat Marco Spörrer zu. Die Sandsteine reichten nicht, also wurde die Einfassung rund um den Fallschutz der Schaukel mit Baumstämmen eingefasst. "Wir haben die Schaukel ein bisschen anders gestellt, als wir das ursprünglich geplant hatten", verrät der Planer. Und auch die Gestaltung der Böschung hat sich letztlich als nicht-praktikabel erwiesen. "Wir sind noch mal losgefahren, haben Büsche besorgt", so Spörrer.

Beratung holte sich die Landjugend bei einem Gärtner. Denn natürlich musste die Böschungsbepflanzung ungiftig und ohne Dornen sein. Transportprobleme gab es bei der Realisierung des Mammut-Projektes übrigens nicht. Mehrere Traktoren waren im Einsatz.

Doch nach siebzig Stunden gemeinsamer Arbeit zogen der Elternbeirat und der Vorsitzender der Landjugend Tobias Lamnek einhellig Bilanz: Alles ist super gelaufen. Beendet wurde die Aktion mit der Pflanzung eines Apfel-Baumes und mit einer großen Feier. Und der neue Pausenhof ist mit so viel Herzblut gestaltet, dass sicherlich so mancher Schüler gar nicht warten möchte bis die Ferien aus sind, um all die Neuerungen einmal zu testen.

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