Kulmbach
Bauantrag

Alles dreht sich ums eckige Dach in der Kulmbacher Altstadt

Der Stadtrat befasste sich mit einer Architekturfrage: Passt ein moderner Kubus auf das Gebäude in der Oberen Stadt 18?
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Ausführlich und kontrovers diskutierte der Stadtrat am Donnerstag, wie  das neue Dach auf dem Gebäude in der Oberen Stadt 18 (Bildmitte, Blick vom "Casablanca") aussehen könnte, damit es die Dachlandschaft in der Altstadt nicht beeinträchtigt. Foto: Stephan Tiroch
Ausführlich und kontrovers diskutierte der Stadtrat am Donnerstag, wie das neue Dach auf dem Gebäude in der Oberen Stadt 18 (Bildmitte, Blick vom "Casablanca") aussehen könnte, damit es die Dachlandschaft in der Altstadt nicht beeinträchtigt. Foto: Stephan Tiroch
Wie erwartet, nahm eine Architekturfrage in der Stadtratssitzung am Donnerstag breiten Raum ein: Alles drehte sich um das geplante eckige Dach in der Kulmbacher Altstadt.

Wie berichtet, soll bei dem Gebäude in der Oberen Stadt 18 das Walmdach abgebrochen und - 1,30 Meter zurückgesetzt - durch ein modernes Kubusgeschoss ersetzt werden. Es ist eine Wohnnutzung vorgesehen. Das Gebäude selbst ist kein Einzeldenkmal. In der Altstadt besteht aber ein Ensembleschutz.

Laut Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) wurde das Haus von einem jungen Paar gekauft. "Das trägt zur Belebung der Innenstadt bei." Es solle eine größere Summe investiert werden, und die jungen Leute hätten bestimmte Wünsche ("für mich nachvollziehbar"), wie man wohnen will.


Keine Einwände der Behörden

Schramm zufolge ist die Rechtslage eindeutig, nachdem es von der Denkmalbehörde, von der Bauverwaltung und von der Rechtsabteilung keine Einwände gibt. Man hätte den Antrag auch auf dem Verwaltungsweg entscheiden können. Was nicht geschehen ist.

Neben dem OB gab es eine Reihe weiterer Befürworter. "Ein mutiger Weg, Kulmbach ein Stück moderner zu machen", meinte Michael Pfitzner (CSU). Sein Parteifreund Dieter Hägele ("vom Saulus zum Paulus") war anfangs dagegen, jetzt aber überzeugt von der "innovativen Lösung" ohne neue Flächenversiegelung.

Wolfram Brehm (CSU) rief dazu auf, sich nicht von Geschmacksfragen leiten zu lassen, sondern von den Empfehlungen der Fachbehörden. Ralf Hartnack (WGK) bezeichnete den Aufbau als nicht störend, und Thomas Nagel (FDP) sagte: "Modern und historisch - das ist spannend."


Sorge um Dachlandschaft

Nun kamen die Gegner des Projekts. Allein die Tatsache, dass das Thema im Stadtrat gelandet ist, zeigt nach Ansicht von Helmuth Breitenfelder (SPD) die Brisanz des Bauantrags. Er befürchtete, dass die intakte fränkische Dachlandschaft durch den drei bis vier Meter hohen Kubus massiv gestört wird. So dächten viele Kulmbacher. "In Rothenburg oder Seßlach würde man so einen Bauantrag nicht diskutieren."

Von der "wunderschönen Dachlandschaft" schwärmte Siegmund Huhn (WGK). "Dieses Ensemble sollten wir nicht zerstören." Er sei von entrüsteten Bürgern angesprochen worden: "Ihr macht die schöne Altstadt kaputt."

Auch Matthias Meußgeyer (SPD) warnte davor, die Altstadt zu verunstalten. Wie in den sechziger Jahren, als man - Stichwort: KDM und Woolworth - dem Zeitgeist hinterhergerannt sei.


Shapedach besser

Die Meinungen gingen bei der spannenden Diskussion quer durch die Fraktionen. Es war nicht abzusehen, wie eine Abstimmung ausgehen würde. Bis Heike Vogel (CSU) einen Kompromiss vorschlug und dabei eine Variante aufgriff, die von den Bauherrn selbst ins Gespräch gebracht worden war. Sie und die Mehrheit ihrer Fraktion, so Vogel, könnten sich mit einem sogenannten Shapedach anfreunden. "Das fügt sich besser ein", sagte sie.

Unter dieser Dachform muss man sich eine Art Mansardendach vorstellen, das aber nicht spitz zuläuft. Auf den nach oben leicht abgeschrägten Wänden sitzt ein Flachdach.

Zustimmung signalisierten hier Dritter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU), Christina Flauder (SPD) und Rainer Ludwig (WGK). Jörg Kunstmann (CSU) meinte: "Das zielt in die richtige Richtung." Es gehe auch darum, Verdruss in der Bevölkerung zu vermeiden.


"Schwer zu realisieren"

"So, wie ich es jetzt sehe, wäre keine Mehrheit für den Antrag vorhanden", stellte OB Schramm fest und erkundigte sich bei der anwesenden Antragstellerin nach der Akzeptanz für den Kompromiss. "Die geshapte Variante ist schwer zu realisieren", sagte Marina Angermann. Man hätte so einen größeren baulichen Aufwand: "Wir müssen uns überlegen, ob es sich dann noch lohnt."

Schramm setzte schließlich den Punkt von der Tagesordnung ab. Der Bauantrag soll in der nächsten Sitzung am 21. Juni erneut vorgelegt werden. Zwischenzeitlich will man sich "noch mal unterhalten".
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