Kulmbach
Aktion

Alle wollen die Fledermäuse auf der Plassenburg sehen

Die Kulmbacher Plassenburg ist ein beliebtes Quartier für die lautlosen Flieger. Mit einem Spezial-Detektor machten sich der LBV und hunderte Gäste der Bat-Night auf die Suche und spürten die Tiere anhand ihrer Schallwellen bei der Insektenjagd auf.
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Zum Programm der Fledermausnacht gehörte auch eine Reise in die Unterwelt der Plassenburg unter der Führung von Norbert Sack. Fotos: Sonja Adam
Zum Programm der Fledermausnacht gehörte auch eine Reise in die Unterwelt der Plassenburg unter der Führung von Norbert Sack. Fotos: Sonja Adam
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Wenn es dunkel wird, gibt es normalerweise nur wenige Besucher auf der Plassenburg. Zur Fledermausnacht pilgerten allerdings am Wochenende wieder hunderte Menschen den Burgberg hinauf. Je später der Abend, desto größer wurde der Andrang. Erich Schiffelholz und seine Crew vom Landesbund für Vogelschutz hatten zur 14. Bat-Night, wie die Veranstaltung in ganz Europa heißt, eingeladen. "Die Fledermausnacht ist ein echter Selbstläufer. Wir haben am Programm gar nichts geändert, aber es kommen wirklich jedes Jahr andere Leute", freute sich Schiffelholz.

Der passionierte Fledermaus-Experte hielt in der Burgkapelle Vorträge über Fledermäuse. Das Landkreis-Spielmobil bot passend zum Thema Basteleien, ein Quiz und Fledermausspiele an.
Und auch die Burgführer mischten kräftig mit - und entführten die Neugierigen in die Keller der Burg.


Eines der wichtigsten Quartiere

Tatsächlich ist die Plassenburg eines der wichtigsten Fledermausquartiere der Region. Sie nutzen die Burg und die Keller als Winterquartier. Bei der letzten Zählung allerdings wurden so wenige Fledermäuse wie noch nie festgestellt. "Das lag an dem milden Winter. Die kleinen Fledermäuse sind gar nicht erst ins Winterquartier eingezogen, und viele waren schon wieder ausgeflogen", sagt Erich Schiffelholz - Grund zur Sorge besteht also nicht.

Mitte Februar wurden auf der Burg 83 Zwergfledermäuse gezählt, sieben Mopsfledermäuse, eine große Mausohr-Fledermaus, eine Breitflügelfledermaus, eine Fransenfledermaus und zwei Fledermäuse anderer Arten.
Teresa Schweiger (9) war schon öfter bei der Fledermausnacht und hatte ihren Papa und ihren Bruder Simon (5) dabei. Doch auch viele andere Kinder harrten bis zur Dunkelheit aus. Alle wollten die Fledermäuse live erleben.


Dutzende Tiere auf Beutezug

Doch funktioniert so eine Verabredung mit den Fledermäusen überhaupt? "Fledermäuse gehen nachts auf die Jagd nach Insekten. Sie orientieren sich über Schallwellen, die sie aussenden. Normalerweise hören wir die nicht, aber mit den Bat-Detektoren schon", erklärte Erich Schiffelholz und zeigte das relativ unspektakuläre Kästchen mit einer kleinen Fledermaus als Aufdruck. In den Kellern schwiegen die vier Bat-Detektoren, die insgesamt zum Einsatz kamen, noch. Denn die Keller werden nur als Winterquartier genutzt - und sind jetzt leer. Interessant war der Besuch dort unten aber trotzdem: Burgführer Norbert Sack erzählte von der Geschichte der Burg, den Kasematten und ihrer Funktion als Verteidigungsgänge.

Kaum traten die Fledermaus-Fans hinter der Burg ins Freie, sendeten die Kästchen schrille Signale aus. Mit 45 Kilohertz piepten die Fledermäuse. Die Aufregung stieg. Und die Kinder freuten sich über die vielen Flattermänner, die die Burg umkreisten. "Da, da, da", riefen die Kleinen ganz aufgeregt. Dutzende von Zwergfledermäusen und eine Abendseglerfledermaus umkreisten die Burg. Die Zwergfledermäuse schnappten oft Insekten direkt in Bodennähe.

Offensichtlich bot die Nacht ideale Bedingungen für die Fledermausjagd. Die Insekten umschwirrten die Burg - und damit auch die Fledermäuse. Eine Zwergfledermaus frisst pro Tag etwa 5000 Insekten und kleine Schmetterlinge, damit kommt sie im Laufe des Sommers auf ein Drittel ihres Körpergewichts - eine unglaubliche Menge, staunten die kleinen und die großen Fledermausfans.

Doch was ist eigentlich mit den Fledermäusen, die im Christians-Portal leben? Das Portal ist aktuell eingerüstet. "Die sind noch drin, das stört die nicht", so Schiffelholz und hielt seinen Bat-Detektor hoch. Tatsächlich piepste es unaufhörlich - und einige kleine Zwergfledermäuse schwirrten ungehindert an Gitter und Baugerüst vorbei.
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